vonChristian Ihle 26.09.2008

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Lykke Li – Youth Novels

lykke li

So exotisch wie ihr Name klingt auch ihre Musik: Lykke Li ist der neue Stern am schwedischen Pophimmel. Und wenn man das in diesem Zusammenhang sagt, klingt das sogar interessant. Denn so sehr sie auch von amerikanischer Popmusik geprägt ist, hat sie doch ihr ganz eigenes Klanguniversum gefunden, innerhalb dessen sie sich austobt wie ein Kleinkind in Mr. Magoriums Wunderladen.

Den entscheidenden Anteil daran hat Produzent Björn Yttling, der mit seiner Hauptband „Peter Bjorn and John“ in den vergangenen zwei Jahren durch Gepfeife in Endlosschleife („Young Folks“) seine Meriten einfuhr. Er schubste Lykke Li nicht nur zurück auf die Erfolgsspur – zu dem Zeitpunkt war sie gerademal 21 Jahre alt und glaubte bereits, das Ende ihrer Karriere erreicht zu haben – nein, Björn verzahnte das kleine Electro-Wunderwerk auch in Perfektion. Das hatte er für Victoria Bergsman schon gemacht, konnte sich auf derem Folk-Flüsteralbum aber noch nicht so recht austoben.

Genau das funktionierte nun mit Lykke Li hervorragend. Ihre albernen Tänze auf der Bühne haben zum Glück nicht dafür gesorgt, dass auf „Youth Novels“ Hippie-Atmo einkehrt. Stattdessen regieren Beats, Cembalos, E-Gitarren, Theremine und Chöre. Die Pop-Hymne „I’m Good I’m Gone“ und das kuschelige „Dance, Dance, Dance“ schmeicheln sich sofort ein, der Rest braucht noch ein paar Durchläufe mehr. Am Ende muss man aber konstatieren: wer so markant und eigenwillig wie die erst 22-jährige Lykke Li in den Popzirkus brettert, hat die volle Aufmerksamkeit verdient. (Robert Heldner)

Anhören!

*Dance, Dance, Dance
*I’m Good, I’m Gone (hier)
*Complaint Departement

Im Netz:
* Homepage
* MySpace
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Arne Zank – Love & Hate from A to Z

arne zank

Gut, ich habe einen großen Riss in meiner Seele. Damals, 1994, stand ich am Ausgang nach einem Tocotronic-Konzert und ich hatte schon ein T-Shirt erworben und die Playliste einem fluchenden Arne Zank aus den Händen gerissen („Ich brauche das noch! Wir haben sonst doch keine mehr!“). Dort kam ich noch ein letztes Mal am T-Shirt-Stand vorbei und ich entschied mich nach kurzer Überlegung gegen die Anschaffung der „Die Mehrheit will das nicht hören, Arne“-Kassette. Es wären nur fünf Mark gewesen, die ich investieren hätte müssen, um die Debüt-Demo-Kassette zu kaufen, die Jahre später bei Ebay gerne mal für mehr als 160 Mark über den Tisch ging.
Logisch hätte ich diese Kassette nicht verkauft. Genauso wenig, wie ich alle anderen limitierten Tocotronic-Split-Singles, Playlisten, Plastiktüten und Aufkleber nie hergegeben habe. Weil ich alles von Tocotronic besitzen will. Auch, die Veröffentlichungen der Ableger und Solo-Projekte.

Deshalb war auch klar, dass schnellstmöglich „Love & Hate form A to Z“ in meinen Besitz übergehen muss. Vor allem deshalb, weil die 2004 erschienene E.P. „Love from A to Z“ wunderbar oft auf meinem Plattenteller kreist.
Nun also der Nachfolger oder die Erweiterung, denn ein paar Stücke von der E.P. landeten auch auf dem Album. Während „Love from A to Z“ noch als rein elektronisches und instrumentales Werk daher kam, bietet das neue Album nun den mehrschichtigen Arne Zank.
Natürlich den Arne Zank, der mit Elektronik experimentiert, der einen Latin-Rhythmus in einen House-Track bastelt, dann den Arne Zank, der (natürlich inzwischen elektronisch unterbaut) zur Gitarre seine Geschichten erzählt (vgl. Tocotronic früher) und den Arne Zank, der plötzlich verwechselbar wie Tocotronic Bandleader Dirk von Lowtzow bei Phantom/Ghost klingt.
Trotzdem: „Love & Hate from A to Z“ klingt homogen, ist durchhörbar und überrascht von Track zu Track mit neuen Seiten vom Hamburger, der längst nicht mehr allein als Tocotronic-Schlagzeuger definiert werden kann. (Säm)

Im Netz:
* Indiepedia
* MySpace

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