vonChristian Ihle 15.10.2008

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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XX Teens – Welcome To Goon Islandxx teens

Der Kopiererhersteller Xerox hat ja bereits einen unvergessenen Eintrag in der Popgeschichte. Der große Peter Hein, Deutschlands einziger Punk, beendete seine Karriere als Sänger der Fehlfarben nach nur einem epochalen (und diesem Blog seinen Namen schenkenden) Album, um für Xerox zu arbeiten – in einer „undurchsichtigen Position“ wie es so schön in Jürgen Tepels „Verschwende Deine Jugend“ Buch heißt.
Nun hätte Xerox zum zweiten Mal in die Popgeschichte der Obskuritäten eingehen können. Die firmeneigenen Anwälte verstehen aber offensichtlich keinen Spaß, was verwundert, wenn man Peter Hein mehrere Jahrzehnte lang beschäftigen konnte.
Eine junge, kleine britische Band nannte sich einst Xerox Teens und wurde vom Kopierergott verklagt. Der aktuelle Name ist zwar einerseits logisch, andererseits aber auch kurios: indem sie das „ERO“ aus ihrem Namen nahmen, klangen sie auf einmal wie Internet-Pornographie auf Vinyl: die XX Teens waren geboren.
Doch genug von Namensstreitigkeiten, denn es ist ja nicht so, dass wir über die Musik der Band nichts erzählen könnten. „Welcome To Goon Island“ klingt, als würde Mark E. Smith mit Devo als backing band auftreten. Das schöne daran ist vor allem, dass XX Teens weder dem hedonistischem Sirenenlärm des New Rave noch den in der Zwischenzeit ubiquitären Gang Of Four Gitarren vertrauen, sondern auf eine eigene Art sich im Bereich des extrem tranzbaren Indierocks bewegen, was insbesondere in der unablässig nach vorne gemischten, von treibendem Basspiel begleiteten Percussion begründet liegt. Darüber wird zumeist eine dürre Gitarrenlinie schönsten White Boy Funks gelegt zu der Sänger Rich Cash Geschichten über seinen liebsten Hut schreit. Als würde sich Mark E. Smith mit Cuba Libre besaufen, den man mit Uppers versetzt hat. Sehr, sehr schön.

Anhören!
* Darlin‘
* My Favourite Hat (hier)
* B-54

Xerox Teens im Popblog:
* I Predict A Riot 2007: Teil 1 – Großbritannien

Im Netz:
* MySpace
* Indiepedia

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John Dear Mowing Club – John Dear Mowing Club

John Dear Mowing Club

Americana und Alt.-Country aus Holland? Das mag überraschend sein, doch weiß man, dass John Dear Mowing Club schon die Backing Band zu einem der großen Songwriter Amerikas, Daniel Johnston, gegeben haben, weniger wunderlich.
Lässt man sich geographisch unvoreingenommen auf ihr Album ein, werden die Niederlande auch mit Sicherheit der letzte Ort sein, der durch den Kopf huscht. Sänger und Songwriter Melle de Boer watet knietief durch die amerikanische Popkultur und besingt von Marilyn Monroe bis zu Kevin Bacon große und kleine US-Ikonen derart nah an den Americana-Originalen dass die Herkunft keine Rolle spielt. Kein Song fasst dabei John Dear Mowing Clubs Faszination mit der amerikanischen Kultur und seine Vorliebe für angemessen niederschmetternden Alt.Country besser zusammen als „The First Time I Heard Townes Singing“ über die Legende Townes Van Zandt: „The first time I heard Townes singing / It ended all alone / Sitting on your sidewalk looking at your house / Pretending it was my home”.

Anhören!
* The First Time I Heard Townes Singing (hier)
* The Hole In The Heart
* Broken TV

Im Netz:
* MySpace

Alle Texte: Christian Ihle

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https://blogs.taz.de/popblog/2008/10/15/im_plattenregal_im_september_1_xx_teens_john_dear_mowing_club/

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