vonChristian Ihle 16.12.2008

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Schwarmintelligenz? my ass!

Es ist eine akademische, überflüssige und dennoch immer wiederkehrende Frage: wer war denn nun der beste Bond? Und welcher Film der beste der Serie?

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Die Bond-Geschichte kann man tatsächlich anhand der Hauptdarsteller einteilen. Erstaunlicherweise scheint eine Bond-Produktion unweigerlich mit ihrem Schauspieler verknüpft zu sein – seltsam genug, wo doch die Schauwerte soviel in einem Bond-Film ausmachen. Lediglich die Sean-Connery-Phase teilt sich in zwei Abschnitte, was aber mehr der Tatsache geschuldet ist, dass sich Bond wie wir ihn kennen (oder besser: kannten) erst finden musste.

Phase 1: die frühen Connery-Bonds (Erster Einsatz: 1962 bei „Dr. No“). Die Superschurken waren noch Schurken und der Agententhriller noch ein Agententhriller und kein Actionmovie.

Connery

Phase 2: die Sean-Connery-Ära, die eigentlich bis heute definiert, was wir von James Bond erwarten. Der elegante, gewitzte, nie aus der Ruhe zu bringende Gentleman mit der Lizenz zum Töten. Letztere ist auch dringend nötig, weil allerorten Superschurken in ausgebauten Vulkanen oder auf dem Meeresgrund sitzen, Kätzchen streicheln, Augenklappen tragen und ihre Weltzerstörungspläne hegen und pflegen.

Moore

Phase 3: die Roger-Moore-Ära (Erster Einsatz: 1973 bei „Leben und sterben lassen“), die die späte Sean-Connery-Phase ins absurde überspitzt. Bei Moore hatte man immer den Eindruck, er würde einem unentwegt zuzwinkern, während er Frauen flachlegte, Schurken schoss und Anzug anhatte. Die Ironie hatte gewonnen, Suspense trat den Rückzug an. Das ganze kulminierte in „Moonraker“, der selbst für einen James-Bond-Film einen so absurden Plot hatte, dass er gar im Weltraum spielte. Die Welt ist eben nicht genug, wie man später einmal titeln sollte.

Dalton

Phase 4: die Timoty-Dalton-Ära (ein Euphemismus, ich weiß. Erster Einsatz: 1987 bei „Der Hauch des Todes“). Zuviel zwinker-zwinker machte auch Bond zur Lachfigur. Also sollte mehr Härte in die Serie hinein. Wir schreiben die 80er Jahre, das Actionkino wurde groß wie nichts anderes in der Zelluloidwelt und unglückseligerweise musste Bond auch diesen Weg gehen. Insbesondere der zweite – und letzte – Dalton, „Lizenz zum Töten“ (1989), war ein Rohrkrepierer vor dem Herrn, der zeigte, dass offensichtlich niemand mehr eine Ahnung hatte, was die James-Bond-Reihe einst so außergewöhnlich machte. Eine zynische Actionorgie, die zudem noch gänzlich spannungsfrei, aber dennoch mit Überlänge anlief.

Brosnan

Phase 5: die Pierce-Brosnan-Ära (erster Einsatz: 1995 „Goldeneye“). Nach dem Dalton-Desaster ruhte das Projekt James Bond für sechs Jahre. Glücklicherweise besann man sich aber auf die alten Qualitäten. Mit Pierce Brosnan hatte sich ein Schauspieler bereits im Fernsehen um diese Rolle beworben: der Weg von „Remington Steele“, einer der besten US-TV-Serien der 80er, zu James Bond war beinahe logisch. Brosnan war der wohl charismatischste Bond seit Connery und schaffte es zumindest in seinen frühen Filmen auf dem schmalen Grat zwischen Ironie und Schauwertorgie elegant zu tänzeln. In gewisser Weise stellt Brosnan den missing link zwischen Connery und Moore dar: nicht so herb-männlich wie Sean Connery, aber eben auch noch keine Witzfigur wie Moore. Leider geschah aber auch bei Brosnan das gleiche wie in der Moore-Ära: der Gedanke des schneller-höher-weiter dominierte einen Bond nach dem nächsten und die Filme verkamen nach und nach wiederum zu reinen Ausstattungsorgien. Erneut war ein Neustart vonnöten.

Craig

Phase 6: die Daniel-Craig-Ära (erster Einsatz: 2006 „Casino Royale“). Prinzipiell wurde hier schon viel richtig gemacht. All der aufgeblasene Blödsinn wurde eingemottet und wieder zu den Dr.No-Anfängen zurückgekehrt. James Bond war wieder ein Agententhriller und erst in zweiter Linie ein Actionfilm. Auch dass mit dem stoisch-männlichen Daniel Craig ein extremer Gegensatz zu Brosnans Gentleman-Ironiker gewählt wurde, war nachvollziehbar. Als Bonus gab es noch das interessanteste Bond-Girl seit langen, langen Jahren, die tatsächlich zuweilen so etwas wie einen richtigen Text zu sprechen bekam. Leider wurde aber aus James Bond Jason Bourne. Und, schlimmer noch!, konnte dabei noch nicht einmal mit den drei Bourne-Filmen mithalten. Dennoch hatte „Casino Royale“ genug gute Szenen, um einen glaubwürdigen Neustart zu ermöglichen. Leider besitzt der jüngste Bond „Ein Quantum Trost“ (was für ein Titel, Himmelherrgott!) jedoch all die Schwächen von „Casino Royale“ ohne sich auch nur irgendeine seiner Stärken bewahrt zu haben. Eine einzige Enttäuschung und sicherlich kein Weg, auf dem Bond weiter marschieren kann. Man darf gespannt sein, was Craigs Bond Nummer Drei bringen wird…

(die inoffiziellen sowie der eine Lazenby-Bond wurden in dieser Aufzählung natürlich unterschlagen, weil sie beim besten Willen keine „Ära“ darstellen)

Schaut man nun einmal bei der großen Internetdatenbank imdb nach den Bewertungen für alle Bond-Filme, so ergibt sich ein erstaunliches Bild. Während die drei mythosbegründenden Ur-Bond-Filme wie erwartet in der Zuschauergunst ganz weit vorne liegen, überrascht die Führung für „Casino Royale“ dann doch. Ganz unten zurecht die aufgeblasenen, überkandidelten „Moonraker“ und „Die Another Day“ sowie der „inoffizielle“ Bond-Film „Never Say Never Again“, der im Grunde ein Remake des „Feuerball“-Bonds war.

Die Bond-Hitliste:

1. 8.0 Casino Royale (2006) – Craig
2. 7.9 Goldfinger (1964) – Connery
3. 7.5 From Russia with Love (1963) – Connery
4. 7.3 Dr. No (1962) – Connery
5. 7.1 Quantum of Solace (2008) – Craig
6. 7.1 GoldenEye (1995) – Brosnan
7. 7.1 The Spy Who Loved Me (1977) – Moore
8. 7.0 You Only Live Twice (1967) – Connery
9. 7.0 Thunderball (1965) – Connery
10. 6.9 On Her Majesty’s Secret Service (1969) – Lazenby
11. 6.8 For Your Eyes Only (1981) – Moore
12. 6.8 Live and Let Die (1973) – Moore
13. 6.7 The Living Daylights (1987) – Dalton
14. 6.7 Diamonds Are Forever (1971) – Connery
15. 6.6 The Man with the Golden Gun (1974) – Moore
16. 6.5 Licence to Kill (1989) – Dalton
17. 6.5 Octopussy (1983) – Moore
18. 6.4 Tomorrow Never Dies (1997) – Brosnan
19. 6.3 The World Is Not Enough (1999) – Brosnan
20. 6.1 A View to a Kill (1985) – Moore
21. 6.1 Moonraker (1979) – Moore
22. 6.0 Die Another Day (2002) – Brosnan
23. 6.0 Never Say Never Again (1983) – Connery

(Platz – imdb-Note – Film – Bonddarsteller)

Als Durchschnittsnoten für die einzelnen Bond-Darsteller ergibt das:

1. Daniel Craig 7,55
2. Sean Connery 7,06
3. George Lazenby 6,90
4. Timothy Dalton 6,60
5. Roger Moore 6,57
6. Pierce Brosnan 6,45

Also bitte, liebe Leute!
Craig besser als Connery? Brosnan schlechter als Dalton und Lazenby zusammen?
Da möchte man der vereinten Abstimmerschaft an den Hals wünschen, künftige Bond-Filme nur noch auf Handy-Displays betrachten zu können.

Christian Ihle

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https://blogs.taz.de/popblog/2008/12/16/der_beste_bond_aller_zeiten/

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kommentare

  • Liebe TAZ-Redaktion,

    endlich mal eine vernünftige, nachvollziehbare Rangliste. Teilweise gibt es auf Internet-Seiten wirklich alberne Rankings. Auf einer Seite wollten sie sogar aller Ernstes verkaufen, dass „Quantum Trost“ auf Platz 1 ist; „Casino Royal“ und „Goldfinger“ weit abgeschlagen.

    Wir haben unter http://kinokicks.de/Lists/Show/Die-definitive-Bond-Liste-5 auch mal eine Umfrage startet – dort nähern sich die Ergebnisse interessanterweise auch Eurer Liste ab.

  • Andere Frage: Was hat Connery denn da für eine Wumme? Ich hatte irgendwo in Wikipedia (oder so) gelesen es wäre immer eine Walter PPK gewesen. Ist das eine??

  • Ich fand Moore gar nicht so übel – ganz besonders im Vergleich zum reglosen, maskenhaft Gesicht von Craig. Letzterer hat so wenig schauspielerische Qualitäten, dass ich auf einen baldigen Ersatz hoffe.

    Ebenfalls mit den Craig-Filmen kam die Ausarbeitung von M. Dabei war die Idee, M stets nur im Hintergrund zu halten, ohne seine Ziele und Motivationen zu verstehen eigentlich nicht dumm. M als Frau (der Neuzeit geschuldet, nehme ich an) und mit Emotionen etc. passt nicht so wirklich – für mich.

    Und auch erst mit Craig kamen „Rachegelüste“ und echte Liebe. Naja, bei Dalton auch schon mal vorgekommen, aber das war eh eher peinlich.
    Ich bin mir nicht sicher, ob mir das gefällt. Ein Bond ist eben cool und locker. Frauen sind ein Amüsement, mehr nicht. Er sieht seine Aufgabe im Bekämpfen von Irren. Da passt der rachsüchtige Bond nicht rein. Das macht ihn viel zu „menschlich“, viel zu sehr wie wir Zuschauer.

    Ich streite nicht ab, dass das auf viele attraktiv wirken mag. Ebenso würde Brad Pitt auf viele attraktiv wirken, aber er ist halt kein James Bond. Damit verbinde ich immer noch eine andere Art Coolness. Und die ist nicht rachsüchtig, geht bei Aldi einkaufen und sorgt sich um die monatlichen Kontoauszüge.

  • Craig hätte von seiner Form der Darstellung und dem ständig düster drein schauenden Gesicht wohl eher als Bond Bösewicht getaugt.

    Connery, Moore und Brosnan bleiben die besten Darsteller des ewig überlegenen, immer smart wirkenden Bonds, der zusätzlich seine Gegner immer mit einem Lächeln, einem lockeren Spruch und Stil ins Jenseits befördert.

    Wer außerdem behauptet, zu Bond gehörten nicht die kleinen technischen Ausstattungsgymmicks, wie schießende Autos, Uhren mit Laserstrahl oder ähnliche, der hat die besondere Zusammenstellung aus Q, M, 007 und den restlichen Eigenheiten der Agentenreihe nie verstanden. Genau das macht einen Bond – Film aus und ist in dieser Form auch nicht zu kopieren. Bourne und MI erzählen ihre eigene Geschichte, die zugegebenermaßen ebenfalls sehr gut umgesetzt sind. Aber es sind eben keine Bond – Filme, denn diese sind nicht besser oder schlechter, sondern schlicht anders und eben…etwas ganz besonderes.

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