vonChristian Ihle 15.07.2009

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Vor einigen Wochen erschien im Spiegel ein Interview mit Johannes B. Kerner über dessen Wechsel zu Sat1 und die Problematik, ob er als Journalist in Werbespots auftreten dürfe.
Kerner antwortet auf letzteres auf eine Art, die eine unserer Schmähkritiken über ihn aufs deutlichste bestätigt: mit ans Schmierige grenzender Gewandtheit.

Der Spiegel: „Haben Sie das Reklame-Geld wirklich nötig?“

Kerner: „Unabhängig von der wirtschaftlichen Komponente, die das Thema auch hat, bringt mir Werbung Aufmerksamkeit, wo ich keine habe. Mit meiner nächtlichen Talkshow beispielsweise werde ich im ZDF, einem Sender mit eher älterem Publikum, nur von einer bestimmten Zielgruppe wahrgenommen.“

Der Spiegel: „Sie kokettieren.“

Kerner: „Gar nicht.“

Der Spiegel: „Und mit Reklame für Geflügelwurst reißen Sie jetzt am Kühlregal den eigenen Promi-Wert hoch?“

Kerner: „Es gibt auch viele Kinder, die Thomas Gottschalk nicht als „Wetten dass…?“-Moderator kennenlernen, sondern als Gummibärchen-Onkel. Dieses Phänomen kenne ich.“

Wir lernen also daraus: Kerner bekommt nicht etwas Werbeverträge, weil er bekannt und für eine kaufkräftige Zielgruppe ein Zugpferd ist, nein, der Gute stellt durch seine Werbespots erst Bekanntheit her und hat damit dem ZDF über all die Jahre gar einen Dienst erwiesen. All die Kinder, die Kerner nun als Geflügelwurst-Onkel kennenlernen, erweitern die Zielgruppe der journalistischen Kerner-Talks. Es bleibt nur die Frage, was ärgerlicher ist: dass Kerner immer noch irgendwo als Journalist durchgehen darf, aber derart hanebüchenen Quatsch verbreitet oder dass die Spiegel-Redakteure Tuma und Brauck nicht darüber hinauskommen, ihm ein kumpelhaftes „sie kokettieren!“ entgegenzuschleudern.

Kerner bei Sat1, da wächst wenigstens zusammen, was zusammen gehört. Wir verbleiben mit den Worten Jürgen Roths, den man sich in dieser Interviewsituation als Gegenpart gewünscht hätte: „Johannes Baptist K., diese fleischgewordene Zumutung, diese Komplettniete, dieser luziferisch leutselige Quatschkarton, dessen zuverlässig höllisches Treiben einen bald alttestamentarisch werden lässt!“

Schmähkritiken über Johannes B. Kerner:
* Nr 46
* Nr. 91
* Nr. 101

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https://blogs.taz.de/popblog/2009/07/15/johannes_b_kerner_die_henne_das_ei_und_die_gefluegelwurst/

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kommentare

  • Das JBK ein Aufmerksamkeitsdefizit hat ist nicht wirklich neu, aber gut das er das mal selber zugibt.

  • Weiß ich auch nicht. Evtl. erstmal drüber nachdenken, bei bisschen Geflügelwurst und Tafelwasser! Mh, lecker!

  • Da weiß man ja gar nicht, was man zuerst machen soll, den Kerner verkloppen oder die Gesellschaft revolutionieren.

  • kerner ist journalist…
    ich haette ihn eher in die schublade „moderator“/“talkshow“ gestopft. aber ich gehoer wohl auch zu der generation, die ihn eher als gefluegelwurst-marktschreier kennt.

  • Aber hat er nicht irgendwie recht? Er IST schließlich überaus erfolgreich. Es ist doch gar nicht so abwegig, dass man den netten Geflügelonkel am späten Abend nach ausgiebigem Wurstgenuss noch auf den Bildschirm holt. Man kennt ihn ja. Es geht doch weniger um Kerner, als um eine Art von Gesellschaft, in der so jemand derartigen Erfolg haben kann.

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