vonChristian Ihle 27.10.2009

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Jamie T bezeichnet sich selbst als Dieb, als Pirat, und das kann man auf dem Zweitwerk auch hören. Selbst das Debüt „Panic Prevention“ war schon kein Kind von Traurigkeit, als es darum ging, 2007 stilvoll Reggea, Rock, Hip-Hop und Lo-Fi-Punk zu vermischen. Der junge Mann aus Wimbledon begeisterte in erster Linie Musikjournalisten und Mädchen, weil seine Art zu Texten und zu arrangieren direkt aus dem Herzen kam und dabei trotzdem noch einen Umweg durch den nächsten Pub nahm. Man höre nur die erste Single „Sheila“. Das hatten zwar bis dahin auch einige andere Musiker der jüngeren Vergangenheit ganz gut hinbekommen. Im Gegensatz zu Lily Allen und Mike Skinner aber hatte Jamie T – zumindest behauptet er das selbst – weder eine Drogenkarriere noch ein besonders ausgeprägtes Selbstdarstellungsproblem. Er war eben einfach der freakige kleine Junge aus der Nachbarschaft, der neben exzessivem Bier- und nicht minder exzessivem Musik-Konsum noch selbst Songs schrieb.Jamie T

Auch „Kings & Queen“ klaut sich wieder Ideen zusammen, steckt sie in einen Computer und schüttelt einmal kräftig durch. Der Dieb und Pirat – und das ist der Unterschied zum Debüt – musste dafür allerdings erstmal ein Burn-Out-Syndrom ad acta legen. Die Selbstzweifel und Stresssymptome haben aber, so zynisch es klingt, der Weiterentwicklung des Jamie T gut getan. Alles bleibt im Rahmen, aber man merkt schon, dass sich Harmonieseligkeit und rougher Punk-Pathos nicht ausschließen müssen. „Emily’s Heart“ und „Jilly Armeen“ sind zwei erstklassige Folk-Songs, so gut, dass sie das Album auch gar nicht in Stücke reißen können. Im Gegenteil, sie reihen sich ob ihrer Direktheit wunderbar ein neben dem Jam-Zitat „British Intelligence“ und dem Reggea-Ausflug „Chaka Demus“.

Löscht man die eher mäßgen Tracks „Hocus Pocus“ und „368“ aus seiner iPod-Liste und ersetzt sie durch „When They Are Gone (For Tim)“ und „St. Christopher“ von den beiden im Sommer veröffentlichten EPs, hat man eines der Top-Alben des Jahres. Der junge Mann, soweit lehne ich mich aus dem Fenster, wird die britische Songwriting-Kultur nachhaltig verändern. Word! (robert heldner)

Anhören!
* Jilly Armeen
* British Intelligence
* Sticks & Stones (hier)

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=U8W3x9kyW2A[/youtube]
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Jamie T im Popblog:
* Album des Monats Februar 2007: Panic Prevention
* I Predict A Riot 2007: Großbritannien
* Die zehn besten Alben 2007

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