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vonChristian Ihle 12.01.2012

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Willis Earl Beal


Eine Geschichte, beinah zu gut, um wahr zu sein: ein entlassener US-Soldat, scheinbar nicht fähig oder nicht gewillt, Facebook oder MySpace zu bedienen, lässt an verschiedenen Plätzen in einem Städtchen in New Mexico selbst (auf einem Ghettoblaster!) aufgenommene Tapes mit eigenen Aufnahmen herumliegen, darin ein Flyer, in dem er um Kontaktaufnahme bittet:

willis earl beal flyer

Nach eigener Aussage nur ein Versuch, die Kommunikation mit Mitmenschen wieder zu finden, enden einige Aufnahmen auf Blogs und der beigelegte Flyer auf dem Cover eines US-Magazins. Etwas später ruft der Chef von XL Recordings bei Beal an und bietet ihm einen Vier-Album-Deal, wovon der erste Teil in diesem Jahr als eine Art Best-Of der alten Ultra-Lo-Fi-Recordings erscheinen soll. Die Songs von Beal sind minimalistischer Folk (aber mit Soulstimme) oder brutaler Blues mit krachender Gitarre – auf jeden Fall von einer bemerkenswerten Rauheit und erinnern eher an die ersten Aufnahmen von Otis Reddings, an extreme, heftige Songs wie „Shout Bamalama“, als an irgendetwas, das um 2010 herum aufgenommen sein könnte. Da noch kein einziger Song veröffentlicht wurde, hier ein acapella track:


[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=0dmeK01Nm48[/youtube]



King Krule aka Zoo Kid


king krule

Kaum 18 Jahre alt, hat Archy Marshall aber seine erste Single bereits 2010 veröffentlicht – und den ersten Namenswechsel hat er auch schon hinter sich. War die 2010er seven inch noch unter dem „Zoo Kid“ – Banner erschienen, ist er im Jahr 2011 als King Krule aufgetreten. Schwer fassen lässt sich die Musik des britischen Wunderkinds, die einerseits klar in einer Singer/Songwriter-Tradition von Billy Bragg steht, aber andererseits sehr experimentierfreudig und genregrenzenmissachtend auftritt, so dass elektronische Elemente wie Dubsteb oder Gothiceinflüsse ebenfalls in King Krules Songs zu verorten sind. Das kann noch spannend werden, wie sein Debütalbum letztendlich klingen wird.


[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=L9wLrAtcd6Y[/youtube]




Beth Jeans Houghton


Beth Jeans Houghton

Ebenfalls schon länger schwirrt Beth Jeans Houghton durch die britische Musikszene ohne bisher ein Album veröffentlicht zu haben – die erste EP datiert aber tatsächlich bereits aus dem Jahr 2008. Nachdem man nach vielversprechenden Anfängen beinah schon die Hoffnung aufgegeben hatte, dass der verrückte Vogel der britischen Folkszene noch ihren Kram zusammenbekommt, um die frühen Versprechen einzulösen, kommt nun die Nachricht, dass tatsächlich im ersten Halbjahr 2012 auf Mute Records ein Debütalbum erscheinen wird. Das könnte tatsächlich ein großes Ding werden, ist Beth Jeans Houghton doch weder eine blasse Folkfigur noch eine auf Mainstream gebürstete Adele-Nachfolgerin, sondern mehr eine Regina Spektor in ihren besten Momenten. Ein Superstar im Wartestand!


[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=GwkTCov06Pk[/youtube]



Dry The River


Dass es nach dem phänomenalen Erfolg von Mumford & Sons nur eine Frage der Zeit war, bis Epigonen in den Ring steigen, war klar. Dry The River vereinen ähnlich wie Mumford eine pastorale Idee von Musik mit einer zarten Rockinstrumentierung, was die Breitenwirkung erheblich vergrößern dürfte. Einige EPs sind bereits veröffentlicht, die vielversprechend klingen ohne dabei igendwelche Folkräder neu zu erfinden. Wenn alles gut geht, dürfen Dry The River auf den Titel „die britischen Fleet Foxes“ hoffen.


[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=G-V8F-M-_YU[/youtube]




Daughter


Daughter

Im Gegensatz zu Dry The River dürften Daughter eher Anerkennung als kommerziellen Erfolg fürs Erste erzielen, sind die Songs von Elena Tonra (Vocals) und Igor Haefeli (Gitarre) doch im ersten Moment schwer zu greifen, mit ihrer elektrischen, aber sparsamen Instrumentierung, die oft dennoch ätherisch erscheint, so dass Daughter irgendwo zwischen Laura Marlings letztem Album und Björk landen. Wenn sie sich aber doch einmal zu eher konventionellen Songstrukturen durchringen, dann entstehen gleich solche Wunderwerke wie The Wild Youth, das zudem noch gleich mehrere brillante Textstellen aufweisen kann („We are the reckless / we are the wild youth / chasing visions of our futures / one day we’ll reveal the truth / that one will die before he gets there“ oder „And if you’re still breathing, you’re the lucky ones / ‘Cause most of us are heaving through corrupted lungs / Setting fire to our insides for fun / Collecting names of the lovers that went wrong“)


[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=kuC2sc-1CMU[/youtube]




Lianne La Havas


Zwischen Folk und Soul bewegt sich die 22jährige Lianne La Havas, gebürtig in London, aber mit griechischen (Vater) und jamaikanischen (Mutter) Wurzeln.
Nachdem Lianne 2009 einen Plattenvertrag unterzeichnete, aber nie wirklich auf die Beine kam, hat sie vor ein paar Monaten mit einem Auftritt bei Jools Hollands Musikshow im britischen Fernseher bewiesen, dass in 2012 mit ihr zu rechnen sein wird. Ebenfalls auf der Habenseite können wir eine tolle Kollaboration mit dem amerikanischen Folksänger Willy Mason verbuchen (von dem wir vor fünf oder sechs Jahren mal dachten, er wäre der neue Conor Oberst):


[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=pBCt5nfsZ30[/youtube]




Jamie N Commons


Mehr Blues als Folk, aber sicher Singer/Songwriter: Jamie N Commons. Die erste Reaktion folgt natürlich auf seine Stimme und ist Ungläubigkeit, dass wir hier tatsächlich einen erst 22 Jahre alten Engländer hören. Aber Rauchigkeit vor dem Alter hat in diesem Genre noch nie geschadet – und ein kleiner Jack-White-Einschlag wohl auch kaum…


[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=orivEatc2fw[/youtube]




Emanuel & The Fear


emanuel fear

Folk? Orchestralpop? Kollektivindie? Egal! Normalerweise schwappen ja eher die hippen Indietronica-Acts aus NYC in unseren Bereich, während die brookyln’schen Folkster wie Scott Matthew nur selten hierzulande für Aufmerksamkeit sorgen. Emanuel & The Fear klingen mal nach den alten Bright Eyes, haben dann wieder Arcade-Fire-Schmauchspuren an ihren Händen oder enden Songs in räudigen singalongs wie man sie von den Felice Brothers kannte – und klangen noch vor zwei Jahren wie Postal Service. Die neue EP bewegt sich dagegen klar auf Folkterrain, lässt aber genügend Entwicklungsspielraum, um auf das 2012er Album gespannt zu sein.


Song For The Rain by Emanuel and the Fear




Die anderen Folgen der Jahresvorausschau:
Folge 1: UK Indie Rock
Folge 2: Pop
Folge 3: US Indie-Rock

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