vonChristian Ihle 17.04.2013

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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1. Der Film in einem Satz:


Life & Death in einer Bluegrassband.


2. Darum geht‘s:


Didier, Ex-Punk & Sänger einer Bluegrass-Band, verliebt sich in die Tattookünstlerin Elise. Die beiden gehen gemeinsam auf Tour, bekommen ein Kind und sind so ziemlich die glücklichsten, unangepassten Menschen in Flandern. Doch als nach sieben glücklichen Jahren das Unheil hereinbricht, zeigt sich das Leben in der größtmöglichen Härte: die kleine Tochter erkrankt an Krebs, die beiden Liebenden entzweien sich in Kampf, Furcht und Trauer.


[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=7CsIR6fMqU0[/youtube]


The Broken Circle ist ein intensives Drama um Leben und Tod – wie man mit beidem umgeht und wie zerstörerisch das Leben auf die Liebe wirken kann. Man kann es The Broken Circle gar nicht hoch genug anrechnen, dass er ein Tränenzieher allererster Klasse ist und dabei doch praktisch keinen Schritt falsch setzt. Die ganze Tragik eines Lebens wird hier knallhart bis zum Ende durchexerziert, trifft alles Unglück der Welt auf diese beiden Menschen, die doch nur sich – und die Musik – haben. Und so spitzt sich alles zu: Ist das Unglück im Jetzt stärker oder die Erinnerung an das einst so vollendete Glück?

Im Subtext schwingt zudem immer die Frage mit, wer den Tod eines geliebten Menschen besser verkraften kann? Derjenige, der sich in den Symbolismus des Glaubens flüchtet oder der Rationalist, für den es nur dieses Leben, nur diese Welt geben kann?

Wuchtig, ja wütend gespielt von Johan Heldenbergh (auch Co-Autor des Theaterstücks, auf dem der Film beruht) und Veerle Baetens und dabei dank der wundervollen Szenen mit Bluegrass-Musik bei all der Trauer auch noch auf ganz eigene Art lebensbejahend. Wer hier keine feuchten Augen bekommt, wenn einem Charakter auf dem Todesbett ein letztes Bluegrass-Liedchen hinterhergesungen wird und sich nach und nach die Trauer in Trotz, in Wut und letztendlich dann in den Trost steigert, den diese Songs zu geben vermögen, der hat kein Herz.



3. Der beste Moment:


Entweder oben beschriebene Todesbett-Bluegrass-Szene, aber genauso die wilden, feiernden, glücklichen Zeiten zuvor. Alle natürlich unterlegt von Bluegrass- und Country-Songs (von Bill Monroes Stücken über Johnny Cash & der Carter Family zu Townes van Zandt), die die Schauspieler selbst eingesungen haben – und wie gut!



4. Diese Menschen mögen diesen Film:


Tja wer nicht, wenn selbst ich, der um Dramen, die Krankheit, Leben und Tod behandeln, normalerweise einen weiten Bogen macht, mich der Wucht des Films nicht entziehen konnte?


* Regie: Felix Van Groeningen
* imdb

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