vonChristian Ihle 09.09.2013

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Montag, 09.09.

Wicker Man, ZDF, 22.15


Ok, ok. Der Film ist wirklich richtig fürchterlich schlecht. Also: so richtig. Aber auch schon wieder dermaßen absurd und mit einem Nicolas Cage im besten Overacting-Modus, dass er beinah zum Erlebnis wird.
Dabei ist „Wicker Man“ auch noch eine der schlimmsten Leichenschändungen der Filmgeschichte, ist doch seine Originalvorlage einer der wirklich ganz großen und extrem einflussreichen Horrofilme der 70er, in England gar mythenumwoben. Aber andererseits: im Original läuft halt kein als Bär verkleideter Nicolas Cage herum und verprügelt Frauen. Take your pick!





Alternative: Die Zwei, RTL, 22.45


Wahrscheinlich wird das auch nur ein schwacher „Schlag den Raab“ oder „Simon vs Elton“- Abklatsch, aber da unsere Jugend davon gelebt hat, der zehnminütigen, allnachmittäglichen Sendungs-Übergabe von Thomas Gottschalk an Günther Jauch im Bayrischen Rundfunk gespannt und begeistert zu lauschen, geben wir dem ganzen mal eine Chance.


Dienstag, 10.09.

This Is England, WDR, 23.25



[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=H0jkv2bRFgQ[/youtube]


Der Skinhead-Film von Shane Meadows ist bereits so etwas wie ein moderner Klassiker und hat in England zwei weitere, ebenfalls von Meadows gedrehte (hervorragende!) TV-Mini-Serien nach sich gezogen. Meadows zeigt ein tolles, stimmungsvolles Portrait einer orientierungslosen Jugend im England der frühen 80er und umgeht auch alle Simplifizierungen den Skinhead-Style betreffend. Ein profundes Verständnis der Jugendkultur paart sich mit einer beeindruckend guten Besetzung und einem – natürlich – brillanten Soundtrack zwischen Punk, Ska und Soul. Und: Stephen Graham als Combo ist ein Naturereignis.



Alternative: Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford, SRF2, 0.10


Muss man ja allein wegen des Titels mögen. Gut besetzter Spätwestern mit Brad Pitt und Casey Affleck.



Mittwoch, 11.09.

Joe Strummer – The Future Is Unwritten, EinsFestival, 20.15





Pflichtprogramm! Die tolle Dokumentation von Julien Temple über den leider viel zu früh verstorbenen Frontmann der “only band that matters”, The Clash. Temple gelingt es gut, die verschiedenen Facetten von Strummers sehr widersprüchlicher Persönlichkeit aufzuzeigen. Joe, eine ewige walking contradiction, war Hippie und Punk, Grassroots-Fanatiker und Rocknrollweltstar, Frontmann und Teil eines Kollektivs; all das zeigt Temples Dokumentation mit vielen wunderbaren alten Liveaufnahmen und – zum Großteil – interessanten Interviewpartner. Nur Nasen wie Johnny Depp hätt’s nun wirklich nicht gebraucht.



Alternative: Die purpurnen Flüsse, Kabel1, 20.15


Näher war der französische Film nie an den großen amerikanischen Thrillern wie “Sieben”. Die erste Hälfte von Purpurne Flüsse: phänomenal. Das Ende? Leider nicht.


Donnerstag, 12.09.

Die Geschwister Savage, 3sat, 22.25


[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=iu9G9OxHMhI[/youtube]


Mit Philip Seymour Hoffman und Laura Linney toll besetzte Tragikomödie über Familienbande und Altersverfall.



Alternative: Johnny Cash at Folsom Prison, MDR, 23.05


Doku über Johnny Cashs berühmten Auftritt im amerikanischen Folsom Gefängnis.

Freitag, 13.09.

King Kong, ZDFneo, 20.15


[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=b7KJvGPFyUw[/youtube]



Schon erstaunlich: als King Kong damals als erstes Post-Herr-Der-Ringe-Projekt von Peter Jackson ins Kino kam, war die ganze Welt gespannt. Heute kann man sich kaum noch daran erinnern, dass es ein modernes Remake gab. Die erste Hälfte ist recht ordentlich, doch dann verliert Jackson den Zugriff auf seine Story. Kann man anschauen, aber doch eine milde Enttäuschung.


Alterntive: Sleepers, RTL2, 20.15


Mit De Niro, Dustin Hoffman, Brad Pitt und Kevin Bacon fährt „Sleepers“ ein beeindruckendes Star-Ensemble auf, um seine Geschichte von ehemaligen Heimkindern, die sich an ihren Peinigern rächen wollen, zu präsentieren.



Samstag, 14.09.

Sexy Beast, ServusTV, 23.45


[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=1hYVySNieVA[/youtube]


Ein wunderbar bösartiger kleiner Thriller, in dem Ben Kingsley mit großer Freude gegen sein Heiligen-Image aus „Gandhi“ anspielt und in Ray Winstone ein britisches Schwergewicht als gleichwertigen Partner findet. Ein Gangsterfilm, wie ihn nur die Briten machen.


Alternative: The Others, RTL2, 21.55


Auch wenn The Others manchmal etwas anämisch erscheint, ist es doch ein sehenswerter Spukfilm von Alejandro Amenabar, der hier nach seinen zwei vielgerühmten spanischen Mystery-/Horror-Filmen „Tesis“ und „Open Your Eyes“ (das Original zu „Vanilla Sky“) zum ersten Mal in Hollywood drehte.


Sonntag, 21.04.

Watchmen, Pro7, 22.30


[vimeo]http://vimeo.com/38649608[/vimeo]


“Watchmen” ist eine Verrücktheit, “Watchmen” ist wagemutig, “Watchmen” scheitert grandios. Aber in seinem Scheitern an der vielleicht am meisten gelobten “graphic novel” aller Zeiten ist Zach Snyders Verfilmung atemberaubend schön, mitreissend, rücksichtslos und weird. Allein die Eröffnungssequenz zu Bob Dylans “The Times They Are A-Changing” hat mehr Grazie und Herz als jede andere Comicverfilmung der letzten zehn Jahre.



Alternative: No Way Out, SWR, 23.00


Flashback in die Vergangenheit: es gab mal eine Zeit, als Kevin Costner tatsächlich „cool“ war. „No Way Out“ ist ein raffinierter, schneller Thriller um Lug & Trug, der in einer wirklich verblüffenden Wendung kulminiert. Effizient und gut!

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kommentare

  • Den zweiten Teil von Purpurne Flüsse kann ich jeden falls schon mal explizit NICHT empfehlen 😉

    Ansonsten ist „Imperium der Wölfe“ ziemlich nah dran, auch mit Jean Reno, der aber leider ebenfalls am Ende ziemlich abbaut (ist übrigens auch vom selben Autor). Ein drittes Buch, ebenfalls von Grangé geschrieben, ist „Miserere“, der heute ins Kino kommen müsste, wenn ich mich nicht täusche – den hab ich aber selbst noch nicht gesehen.

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