09.02.2010
von Christian Ihle
„Guitar!“ ruft der Graf in „Keine Meisterwerke mehr“ und das darf man als programmatische Äußerung deuten. Wie seit K.O.O.K. nicht mehr wird das neue Album von Tocotronic wieder von der Lust an der Gitarre bestimmt. Waren die letzten Alben von einem Sturm und Drang zur Klarheit und Reduktion geprägt, so gibt bereits das erste Stück von „Schall und Wahn“ die Richtung vor: in „Eure Liebe tötet mich“ setzt von Lowtzow seine selten gehörte Grabesstimme ein und nimmt sich so selbst zurück, während die Gitarren über mehr als acht Minuten scheppern und flirren ohne sich dabei in Postrockspielereien zu verlieren, sondern mehr an das Songwriting von Neil Young erinnern. Überhaupt dieser Anfang des Albums: „Eure Liebe tötet mich“ und das hymnische „Die Folter endet nie“ gehören zum Besten, was Tocotronic Mk II bisher geschrieben haben.

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08.02.2010
von Christian Ihle
“Ich kann dich nicht ernst nehmen. Du redest viel von Ehre und Respekt, aber du redest davon, wie der Blinde von der Farbe. (…) Dein Leben war, abgesehen von ein paar Ausrutschern, immer eines auf dem Sofa. Du bist als Anis Mohamed Youssef Ferchichi im kleinbürgerlichen Berlin-Tempelhof aufgewachsen und hast das Gymnasium kurz vor dem Abi geschmissen. Es folgten Drogen, Heim und eine Lehre als Anstreicher (mit Bestnote abgeschlossen). Nicht so aufregend, klar.
Da bist du auf den Trichter mit dem Gangsta-Rap gekommen. Aber der Punkt ist: Du siehst nur so aus. Du spielst nur. (…) Du aber tust dir nur selber leid und bist von Mutters Rockzipfel nie weggekommen. Ganz wie die verunsicherten Jungs und Mädels, denen du deinen 80.000-Euro-Stundenlohn beim Konzert verdankst.
Jetzt gehst du also Mainstream in Berliner Salons, trägst steingraue Edeljackets …>
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08.02.2010
von Christian Ihle
“Das Buch ist nämlich überhaupt nicht gut und gar kein Lesegenuss. Es ist das altkluge, pseudophilosophische, monologische Gekotze der Hauptfigur, einer 16-jährigen Göre in Berlin namens Mifti, die zwischen Partys, Drogenexzessen, Elternhass und bescheuerten Kreativszenis hin und her pendelt. Es ist, als hätte da eine heftig Pubertierende «Wir Kinder vom Bahnhof Zoo» verschlungen und noch ein bisschen Foucault und Agamben gelesen und beschlossen, daraus einen Roman zu basteln. Es ist ein delirierendes Imponiergehabe, vor dem man weiss Gott nicht in die Knie gehen muss.”
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07.02.2010
von Christian Ihle
Aus dem empfehlenswerten, aber sehr durchgeknallten und damals mehr oder minder überall verrissenen Film “Southland Tales” des Donnie-Darko-Regisseurs Richard Kelly:
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06.02.2010
von Christian Ihle
“Politik wird heute durch Frauke Ludowig gemacht. Wenn man jemanden abschießen will, Horst Seehofer etwa, dann findet das zum großen Teil im bunten Bereich statt. Das ist natürlich fatal. Und gerade bei Frau Ludowig ist der Rigorismus, mit dem über Personen gescharfrichtert wird, alles andere als harmlos. Die Klatschreporter agieren moralisch wie die Ayatollahs des Westens. (…) Frauke Ludowig ist ja eigentlich für das Fernsehmoderieren nicht eben prädestiniert. Sie hechelt und muss eine künstliche Form von Attraktivität immer neu erschaffen. Allein wie sie ihren eigenen Namen jeden Abend nennen muss, ist ein allabendlicher Fernsehhöhepunkt für mich ist. Sie weiß ja auch nicht, warum sie uns das jeden Abend sagt. Es ist ihr sogar selbst unangenehm.”
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05.02.2010
von Christian Ihle
“Da hat wohl jemand Uli Edel und Bernd Eichinger nicht gesagt, dass HipHop etwas mit Tempo, Rhythmus und Wortwitz zu tun hat. Anders kann man sich nicht erklären, wieso ihr Film über Deutschlands erfolgreichsten Rapper Bushido so strunzlangweilig geworden ist. Die Geschichte von “Zeiten ändern dich” nimmt jedenfalls zu keinem Zeitpunkt Fahrt auf, die Dialoge grenzen an eine Parodie. (…) …>
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04.02.2010
von Christian Ihle

Die schwedischen Folkwunderkinder und Predict-A-Riot-Stars von First Aid Kit über ihre liebsten Songs:
* Your three favourite Punk singles/songs?
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** Too Drunk Too Fuck - Dead Kennedys
** Number One Enemy - The Slits
** Masters of War - Bob Dylan …>
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03.02.2010
von Christian Ihle
Am heutigen Mittwochabend startet im Ramones-Museum zu Berlin eine Punkfilmreihe. Jeden ersten Mittwoch im Monat wird ein Punkfilm aufgeführt werden und freundlicherweise sagt das Ramones-Museum dafür nicht einmal “hastemanemark?” sondern gibt den Eintritt frei.
Kuratiert wird die allmonatliche Punkreihe von Jörn Morisse. Da gleich drei Popblog-Reizworte hier fallen (Punk! Film! Kostenlos!), lag natürlich nahe, dass wir uns mit dem Kurator über Inhalt und Intention unterhalten:
Jörn, Du hast Aaron Cometbus Punknovelle “Double Duce” auf deutsch übersetzt, gemeinsam mit Rasmus Engler von Bierbeben und Herrenmagazin das Buch “Wovon lebst du eigentlich?” geschrieben und kuratierst nun die Punkfilmreihe im Ramones-Museum - wie kam es denn zu letzterem?
Jörn Morisse: Im Rahmen der ganzen “American Hardcore”-Diskussion vor ein paar Jahren ist mir aufgefallen, wie in der filmischen Rückschau eine Szene gerne als Einheit und zwangsläufiges musikhistorisches Ereignis inszeniert wird, ein Kanon gebildet wird, ohne Haltung zu vermitteln oder große Irritationen aufkommen zu lassen. Höchstens über das, was nicht gezeigt wird. Im Unterschied zu Dokumentarfilmen wie “The Decline of Western Civilization” oder “Another State of Mind” aus den Achtzigern, wo die Kraft aus der unmittelbaren Zeitgenossenschaft kommt, weil sich die Filmemacher und die Protagonisten vor der Kamera angreifbar machen. …>
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02.02.2010
von Christian Ihle
Vorneweg: die erste Sensation des jungen Jahres! Wer hätte damit gerechnet, dass These New Puritans mit einem Werk um die Ecke kommen, das derart unklassifizierbar gut ist!
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01.02.2010
von Christian Ihle
Derzeit scheint sich im UK Gitarrenrock eine ähnliche Entwicklung wie in den Post-Brit-Pop-Jahren zu vollziehen. Nach der großen Euphorie und so so vielen Bands, die Charts, Discos und Musikzeitschriften beherrschten, kommt der unweigerliche Kater. Kaum noch wirklich große Hoffnungen. Sehen wir es positiv: das letzte mal kamen im Moment der Gitarrensackgasse die Strokes und die Libertines ums Eck und führten in eine goldene Zukunft…
Frankie & The Heartstrings (MySpace)

Wahrscheinlich die Band, der man am ehesten sein Herz schenken sollte. Resolut dem DIY-Gedanken verpflichtet, hoffen wir dass Frankie & The Heartstrings mehr Glück vergönnt ist als den ebenfalls aus Sunderland/Newcastle stammenden Les Cox (Sportifs), die trotz ihres “Dresden“-Überhits (“if bombs were love / then you can call me Dresden”) nie ernsthaft bekannt wurden. Frankie & The Heartstrings haben jetzt schon eine handvoll Songs, die hoffentlich das Versprechen einlösen können, das damals die Rumble Strips und ihre Vorgängerband gaben. Wunderbar konstruierte, melodische Songs, die an die späten 50er, frühen 60er und eben auch - über den Umweg Squeeze - an den Sound Of New Scotland (Orange Juice, Josef K) anknüpfen. Mit weitem Abstand die großartigste Band in dieser Liste.
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