Berlinale (1): In The Land Of Blood & Honey von Angelina Jolie, Death Row von Werner Herzog
von Christian IhleIn The Land Of Blood & Honey (Regie: Angelina Jolie)
Krieg ist schlimm.
2. Darum geht‘s:
Kurz vor Ausbruch des Balkankriegs verliebt sich das bosnische Mädel Ajla in den serbischen Polizisten Danijel. Als sie sich nach den ersten Kriegswirren ein halbes Jahr später wieder treffen, ist er Kommandant einer serbischen Einheit und sie Häftling in seinem Gefangenen-Camp.
Nach und nach entwickeln sie wieder zarte Bande zueinander und Danijel sperrt Ajla in ein Einzelzimmer, um sie zu beschützen – oder zu besitzen. Oder beides. Währenddessen sterben viele Menschen grausame Tode.
Für die Aussage “Krieg ist schlimm” hätte ich persönlich keine 127 Minuten Spielzeit benötigt. Man mag ja Angelina Jolie hoch anrechnen, dass sie für ihr Regiedebüt keine Eitelkeitsshow abzieht und sich an einem grausamen, deprimierenden Kriegsfilm versucht, aber auch für Miss Jolie gilt letzten Endes: gut… weiter lesen
Believe The Hype (7): UK Indie Pop mit This Many Boyfriends, Spector, Citizens, Zulu Winter u.a.
von Christian IhleThis Many Boyfriends

This Many Boyfriends sind ohne Frage unsere größte Hoffnung für Indierock britischer Prägung (auch wenn der Bandname einem Beat-Happening-Song entlehnt ist). Auf ihrer fantastischen ersten EP haben sie bewiesen, dass sie sowohl musikalisch als auch textlich das Erbe der Smiths antreten wollen (kann eine Zeile mehr Morrissey sein als “I should be a communist / I tried / I failed / I’m far too decadent”?) und mit der letztjährigen seven inch “Young Lovers Go Pop!” gezeigt, dass sie auch Hits für die Indiedisco schreiben können. Das Debütalbum wird – passend! – von Ryan Jarman von den Cribs produziert, so dass wir guter Dinge sind, endlich wieder ein UK-Indie-Album zu hören, das durchgängig überzeugt!

Spector

Für den Sänger… weiter lesen
Blind Date (3): Die Sterne über Ja Panik, Chuckamuck, Ecke Schönhauser und andere
von Christian Ihle
Normalerweise ist ja Sinn und Zweck dieser Rubrik, ausländischen Künstlern deutsche Acts vorzuspielen. Für Die Sterne machen wir eine Ausnahme – da Ende Januar das Album “Für Anfänger” erschienen ist, auf dem die Sterne eigene alte Songs noch einmal neu einspielen, wollten wir Die Sterne zu ihrer Meinung über fünf “Anfänger”-Bands fragen – wobei Anfänger hier von nochüberhauptnichtsveröffentlicht (Ecke Schönhauser, die neue Band des Herpes-Sängers) bis zu eigentlichschonetabliert (Ja, Panik) geht… Frank Spilkers Antworten:
Chuckamuck – Gestern traf ich Dan Treacy (2011)
Neulich habe ich auf Facebook ein frühes Interview mit Pink Floyd gepostet, wo die Repräsentanten der Band, Syd Barret und Roger Waters, einem reaktionären Musikjournalisten gegenübersitzen. Während dieser auf jede verbale Falle des Journalisten eingeht, meint man bei jenem zu erkennen, wie er sich vor laufender Kamera in die innere Emigration verabschiedet. Nur noch mal zur Erklärung: Pink… weiter lesen

1. Der Film in einem Satz:
“I drive”.
2. Darum geht‘s:
Der namenslose “Driver” ist Stuntman, Automechaniker – und Fluchtfahrzeugpilot. Obwohl emotional verschlossen, beginnt er Gefühle für seine Nachbarin zu entwickeln, die letzten Endes sogar so weit gehen, sich ihrem frisch aus der Haft entlassenen Ehemann bei einem Überfall als Fluchthelfer zur Verfügung zu stellen. Ist der Driver sonst kühl, präzise und emotionslos, ergeben sich prompt Verwicklungen als er zum ersten Mal einen Job aus Gefühlsgründen annimmt – und alles geht so sehr schief, dass Davonfahren diesmal keine Option mehr ist. Der Driver muss sich seinen Gegner stellen.

Die Nacherzählung des Plots mag fürchterlich platt klingen und kann auch nicht annähernd die Faszination wiedergeben, die von diesem außergewöhnlichen Film ausgeht. Der dänische Regisseur Nicolas Winding Refn baut eine Stadt, die selbst… weiter lesen
Song des Monats:
Kavinsky – Nightcall

Das Wort “kongenial” wird ja gerne überstrapaziert, aber wann hat man zuletzt eine so passende Hochzeit von Soundtracksong und Filmbildern gesehen als in den Opening Credits von “Drive”? Genau wie sich der Film auf einem emotionalen Ground Zero bewegt, ist Kavinskys “Nightcall” pure Einsamkeit, eingefangen in den elektronischen Sounds der frühen 80er. Und doch: sowohl im Film wie im Song bleibt dieses kleine Glimmern an Hoffnung, an verbliebenen Gefühlen, das alles Eindimensionale verhindert.
Ebenfalls hörenswert:
Hospitality – Betty Wang

Auf ein Debütalbum von Hospitality musste man seit der ersten Erwähnung nun auch gut zwei Jahre warten. Am 31. Januar kam das erste Album in den USA auf Merge Records heraus.… weiter lesen
“Berlin sei die Stadt mit der meisten Energie der Welt, hat Nick Jones festgestellt, Gründer und Chef der Soho-House-Gruppe. Das ist nett, aber falsch. So was kann nur ein Zugereister sagen. Berlin schläft nie – aber besonders energiegeladen ist es nicht. Zürich zum Beispiel ist viel schneller, aktiver, hektischer als Berlin. Berlin ist wie ein immerwacher Punk, der dir ständig erzählt, was er morgen so alles vorhat.”
(Der Autor Philipp Tingler über Berlin in einer Reportage über das Soho House in Berlin im Business Punk Magazin)

Januar 2011 hatten wir die Cloud Nothings in unserer Jahresvorausschau – und kaum 12 Monate später erscheint bereits das zweite Album der amerikanischen Band, die im Grunde ein Ein-Mann-Projekt von Dylan Baldi aus Cleveland, Ohio ist:
1. Your three favourite Punk singles/songs?
** Dow Jones & The Industrials – Indeterminism
** Electric Eels – Agitated
A record that will make you dance?
Thin Lizzy – Jailbreak
Your favourite song lyrics?
Television – See No Evil
Your favourite song by The Strokes?
Not sure I really know any aside from Last Nite
The best “new”… weiter lesen
“Die Frisurenbuben aus Schweden mit einem so überflüssigen wie karriereumspannenden Überblick über ihren Resterampen-Indierock. Beim Durchhören des Albums kann man sich kaum des Eindrucks erwehren, hier beispielhaft den Niedergang der Indie-Kultur in den letzten zehn Jahren vorgeführt zu bekommen. Man kann sich aber auch zehn Kannen Bier in den Kopf stellen und die Labsale solch ungelenker Bremsbirnen-Zeilen wie „I’m falling in love with your favorite song /
I’m gonna sing it all night long” genießen. Oder erneut feststellen, dass der just zitierte Song klingt wie Tom Jones’ in Flammen stehender Toilettenvorleger. Für alle, die nach „Schlag den Raab” noch die Ikeamöbel beiseite schieben wollen, um zuhause ein bisschen zu schwofen. Faszinierend banal.”
(Dieser wundervolle Verriss findet sich in Eric Pfeils FAZ-Blog)

1. Der Film in einem Satz:
Goodbye James Bond, Bonjour Tristesse, Hallo Paranoia!
2. Darum geht‘s:
Wir sind in den 70ern, mitten im Kalten Krieg. Der Chef des britischen Geheimdienstes vermutet, dass sich unter seinen engsten Vertrauten ein Doppelagent tummelt, der den Sowjets intimste Informationen liefert.
Als ein Versuch der Enttarnung in Ungarn scheitert, müssen “Control” (der Chef, gespielt von dem alten Faltenhund John Hurt) und “Smiley” (seine rechte Hand, Gary Oldman in einer außergewöhnlich zurückgenommenen Performance) ihren Hut nehmen. Doch als der Verdacht sich nicht aus der Welt räumen lässt, wird Smiley reaktiviert und soll gegen seine eigenen ehemaligen Kollegen ermitteln, um den Maulwurf aus seinem Loch zu locken…

Regisseur Tomas Alfredson hatte mit seinem letzten Film für einen Paukenschlag gesorgt. “So Finster Die Nacht” (“Let… weiter lesen


