vonChristian Ihle 24.06.2014

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Als „Glasgow Smile“ wird eine Gesichtsverletzung genannt, bei dem dem Opfer mit Messern die Mundwinkel nach oben hin aufgeschlitzt werden. Man sieht also: Glasgow ist ein hartes Pflaster. Kein Wunder also, wenn Punkmusik aus der schottischen Stadt gemeiner und ärger klingt als man das sonst von der Insel gewohnt ist. Das Debütalbum der Amazing Snakeheads muss seine Härte auch gar nicht durch Schnelligkeit beweisen, sondern ist oft sogar überraschend zurückgenommen – zieht man in Betracht, dass die nicht auf dem Album enthaltene Debütsingle „Testifying Time“ aus dem letzten Jahr noch ein Adrenalin-Monster in 80 Sekunden war.


[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=X1waoZ4xeNQ[/youtube]


Die Songs der Amazing Snakeheads besitzen aber eine unterschwellige Grausamkeit, eine Boshaftigkeit, die viel ärger trifft als schlichtes 1-2-3-4-Geknüppel. Und „langsam“ heißt hier jetzt auch nicht „zugänglich“, denn selten war ein Albumtitel passender, findet sich auf „Amphetamine Ballads“ doch psychotischer Rocknrollsound und Rockabillypunk, der selten straight zielt, sondern gern den Umweg über eine weitere Noise-Attacke nimmt. Verlangsamen die Snakeheads das Tempo dann in der zweiten Hälfte der Platte noch mehr und schieben den Saxophonisten (!) in den Vordergrund, dann hätte David Lynch auch schon einen Soundtrack gefunden, würde sein nie geplantes Wild At Heart Sequel in Glasgow spielen. *Smiley*
Vielleicht die beste Platte von der Insel in diesem Jahr bisher. (9/10)


[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=9z11npgw9po[/youtube]

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