vonChristian Ihle 26.07.2016

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Auch wenn der Bandname zunächst an lustigen Funpunk denken lässt, könnten Black Heino nicht weiter davon entfernt sein. Das neue Signing von Tapete kreuzt Mod-Einflüsse und eine Vorliebe für die G.I.-Garagenrocker The Monks mit der Überdrehtheit der späteren Goldenen Zitronen und ist dabei textlich näher an Schorsch Kamerun als an den Abstürzenden Brieftauben. Bestes Beispiel ist „Weniger Staat“, ein Song, der zu Post-Punk-Gitarren Fragen verhandelt, wie denn unser gesellschaftliches Leben aussehen soll und dabei anarcholibertäre Ideen, die aber eben auch einem Neoliberalismus durchaus nicht allzu fern liegen, gegen eher sozialistisch/sozialdemokratisch geprägte Auffassungen eines Staatsverständnisses stellen. Und trotzdem knallt der Song. Muss man auch erstmal schaffen!


* Die drei besten Punksongs/-singles?

[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=IkM5lrrnq_Y[/youtube]

1
Max: The Clash „(White man) in Hammersmith Palais!“
Diego: Gute Wahl! Meine erste Punk-Platte und der erste Song, der Punk und Reggae vereinte!

[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=gHVNYP3kC-Q[/youtube]

2
Diego: Punk wurde in Deutschland erfunden und zwar 1965 im hessischen Gelnhausen, von 5 amerikanischen Soldaten: The Monks!
Die traten mit Galgen um den Hals und Mönchstonsur als Anti-Beatles auf.
Max: Ein Zuschauer wollte die sogar erwürgen, wegen Gotteslästerung! Bester Song: „Monk Chant“.

[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=fYoiCStDTQg[/youtube]

3
Diego: Punk war eine ziemliche Macker-Domäne, wie fast alle Rockmusiken. Deshalb muss hier auf jeden Fall eine Frau her:
Poly Styrene war eine tolle und schlaue Sängerin. „Identity“ ist best female Punksong ever!

* Ein Song, der Dich immer zum Tanzen bringt?

http://open.spotify.com/track/3tcNie2fSNqg5Ls9sNPYl3

Max: Howard Carpendale- „Du hast mich“. Heute ein Kult-Song bei den Mods, an den sich Howie nicht mehr erinnern kann.
Diego: Ich bin großer Fan von Northern Soul. Am liebsten mag ich „Exus Trek“ von Luther Ingram. Schnelligkeit und Melancholie – der Sound des Nordens.

[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=YO8xuo_HAqs[/youtube]

* Ein Song zum Trinken? Wein, Bier oder was passt dazu?

[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=BJZNBlhAjtA[/youtube]

Max: Black Flag- „Six Pack“, kein Song über Bauchmuskeln!
Diego: Nicht lachen, aber „Red, Red Wine“ ist ein prima Song, allerdings nicht in der Horror-Version von UB40 sondern, das Original von Tony Tribe.
Max: Zum Biertrinken könnte man als Berliner „Kindl-Träume in der Mauerstadt“ von der Deutschen Trinkerjugend vorschlagen, eine Coverversion, so schlau wie Bier.
Diego: Ich persönlich gehe beim Biertrinken mit mathematischer Genauigkeit vor und höre deshalb dabei nur Zwölftonmusik.

* Die interessanteste / beste „neue“ Band/Künstler ist?

Diego: P.U.F.F.
P.U.F.F. sind derzeit die massenuntauglichste, räudigste und dabei künstlerisch wertvollste Nachwuchsband in unserem Kiez.

* Deine liebste deutschsprachige Textstelle?

[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=r4-JR-AON9E[/youtube]

Diego: „Ich will Lokomotivführer werden – Tuut, tuut!“ von Andreas Dorau.

* Der beste Song über Revolte, Aufruhr und Revolution?

[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=QGPKc-AZUdU[/youtube]

Diego: Da gibt es so viele! Die meisten taugen nichts.
Max: Einigen wir uns auf etwas deutschsprachiges mit realistischen Zielen: Tocotronic – „Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein“.
Diego: In unserem Alter ein unrealistisches Ziel. Aber wie sagte Che Guevara? Seien wir realistisch! Versuchen wir das Unmögliche!

* Peter Hein, Schorsch Kamerun oder Jochen Distelmeyer – und warum?

[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=fZnDbY-Jc6o[/youtube]

Diego: Eindeutig Peter Hein. Obwohl er mich, wie jetzt oft behauptet wird, als Textautor nicht stark beeinflusst hat. Kamerun und Distelmeyer respektiere ich und finde, dass sie auf ihre Art großartige Texter sind. Aber mir benutzen sie schlichtweg zu viele Worte. Zuviel Diskurs und wenig Platz für Assoziationen. Lyrics impliziert Poesie. Die finde ich bei Peter Hein, im Sinne von Wondratschek oder Brinkmann.

* Der beste Song, den Du je geschrieben / aufgenommen hast?

[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=zEjlf7AuEh8[/youtube]

Max: „Europa, zwei Frauen“. Das ist für uns der wichtigste Song, ein Wendepunkt, bei dem klar wurde, dass bei Black Heino etwas geschieht. Musikalisch war das eine andere Ebene und textlich auch. Als wir das vor 4 Jahren im Übungsraum zum ersten Mal spielten, war das als wenn eine Tür aufgeht. Krass ist auch, dass der Song seitdem an politischer Aktualität nichts eingebüßt hat.

* Die schlechteste Platte, die Du Dir letztes Jahr angehört hast?

Diego: Ich hasse die meiste zeitgenössische Musik, daher fällt es mir schwer zu sagen, was ich am schlechtesten fand. Deshalb will ich nicht ungerecht sein: Ich finde alles gleich schlecht.

* Der beste Song in diesem Jahr bisher dagegen war…?

[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=oHLlXqLK1Jo[/youtube]

Diego: An Klaus Johann Grobe kommt man im Moment nicht vorbei. Merke: Analog ist besser! „Geschichten aus erster Hand“ ist ein genial vernebelter Smash-Hit. Hoffentlich klart das nicht irgendwann auf.

* Die beste deutsche/deutschsprachige Platte?

[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=XaTh8A-Q3ck[/youtube]

Diego: Schwierige Frage. Aus persönlicher Sicht: Ich kaufte mir als Schüler 1990 eine Platte, die hieß „Ich schäme mich Gedanken zu haben, die andere Leute in ihrer Würde verletzen“ und war von einer Band mit dem ebenso assoziationsreichen Namen Mutter. Gekauft hatte ich sie wegen dem irren Titel, aber danach war mir klar, dass ich Musik nur noch in deutscher Sprache machen will. Max Müller ist bis heute einer der besten deutschen Texter.

* Die beste Platte aller Zeiten?



Max und Diego: Klare Sache. „Heino – In einer Bar in Mexico, Seine größten Erfolge 2“. Aber nur auf Acid hören, sonst droht Gefahr für Geist & Seele.

(Antworten: Black Heino, es sprachen: Max Power (Schlagzeuger) und Diego Castro (Gitarrist und Sänger))
Das Debütalbum von Black Heino ist gerade erschienen!

[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=meZ4ROr75OA[/youtube]

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https://blogs.taz.de/popblog/2016/07/26/my-favourite-records-mit-black-heino/

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