vonChristian Ihle 05.07.2018

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Es gibt Ideen, die eigentlich nicht funktionieren sollten. Zum Beispiel, wenn sich „Deutschands bestgekleidete Coverband“, deren Stärke in Lärm, Verzerrung und Noise liegt, dazu entschließt, eine „Unplugged“-Platte aufzunehmen. Wobei wir jetzt mal beiseite lassen, dass „Unplugged“ eh schon eine Idee des Teufels ist, mit dem die wilde Jugend vom alten Mainstream domestiziert wird (siehe Nirvana).

Dennoch gelingt es Boy Division, ihr Grundkonzept – Pop- und Punkhits in kaum erkennbarer Form als Bubblegum-Noise-Kracher nachzuspielen – auch auf die Unplugged-Idee zu übertragen. Zwar sind die Originale nun tatsächlich leichter zu erkennen, aber nichtsdestotrotz bleibt der dada-Anspruch erhalten und werden die Songs auch ohne Stromverstärkung gnadenlos boydivisioniert.

Besonders bei „Staying Alive“ der Bee Gees ist das gut gelungen, dessen originaler „ah-ah-ah“-Falsett-Chorus durchs Megaphon gepresst zu einem schön manischen „HA HA HA! STAYING ALIVE!“ wird, das auch dem Serienkiller von nebenan gefallen dürfte.

Ein weiterer irrer Höhepunkt der EP ist die a propos of nothing eingestreute Clownsmelodie in der Mitte von „Panic“ der Smiths…

…was schön die Band-Idee auf den Punkt bringt, in wahrem Punk-Gestus keinen Respekt vor niemandem zu haben.
Um das Cover-Prinzip von Boy Division auf die multimediale Spitze zu treiben, sind nun übrigens auch die Videoclips Coverversionen der Originale:

vs.

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