vonChristian Ihle 17.09.2018

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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„Ready Player One“ (der Plot findet sich hier) ist ein überlanger, öder und leider auch ziemlich hässlicher Kinderfilm, mit der absurden Prämisse, dass Jugendliche in 2040ff die Trashpopkultur der 80er so in sich aufgesogen hätten, dass diese 80ies alle andere folgenden Jahrzehnte so überstrahlen, ja praktisch negieren, dass keine andere Kultur in den folgenden 60 Jahren mehr enstanden wäre – was soll das sein, Nostalgie für eine selbst nie gelebte Zeit, Surrogat-Nostalgie für die Jugendzeit der eigenen Großeltern?

Aber damit nicht genug, sind zudem ja auch noch die ganzen Popkulturreferenzen mehr lieblose Behauptungen als tatsächliche Ehrerbietungen. Meinetwegen mögen die Oldschool-Computerspiel-Verneigungen noch am Aufrichtigsten sein (möglich aber, dass ich als Nicht-Gamer diesen Part deshalb am Überzeugendsten fand, weil ich hier eben auch nur oberflächliches Kulturwissen besitze), aber die Musik-, Style- und Film-Referenzen? Lieblos hingeklatscht.

Abgesehen vom kulturellen Überbau (der aber bei dieser Prämisse das eigentliche Herz des Films sein müsste!) fehlt „Ready Player One“ wie so oft in modernen Blockbustern auch die Konsistenz im eigenen World Building, was dazu führt, dass all die CGI-Kämpfe natürlich viel viel früher beendet sein könnten, wenn die Figuren mit ihrem eigentlich vorhandenen Wissen über diese Welt agieren würden.

Habe ich zudem schon erwähnt, dass die Geschichte natürlich in schlimmstem Spielberg-Kitsch mit der philosophischen Tiefe eines Kalenderspruchblatts aus den 50ern endet UND, mit dem pädagogischen Zeigefinger wedelnd, am Ende gar den Abschaltknopf der Computer-Bildschirme betätigen möchte? Und das bei einem Film, dessen 72jähriger Regisseur sich zuvor über zweieinhalb lange Stunden an jugendliche Computerspieler rangewanzt hat?

Dann wirklich lieber „Avengers: Infinity War“. Oder Peter Lustig.
Game Over.

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