vonChristian Ihle 17.02.2019

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Stupid Young Heart

Etwas schade, dass „stupid young heart“ nicht ganz einlöst, was er verspricht. Im Grunde ist die Geschichte um ein sehr (!) junges Pärchen aus schlechten Verhältnissen, das ein Kind bekommt und sich – auch aus der Erfahrung der eigenen Vaterlosigkeit – entschließt, gegen alle Widrigkeiten gemeinsam diesen Weg der Elternschaft zu beschreiten, ein interessanter Ansatz. Leider überfrachtet „stupid young heart“ sich selbst mit einem zweiten, überflüssigen und dann auch noch zu didaktischem Handlungsstrang – es wäre wirklich nicht nötig gewesen, dass der junge Vater dazu auch noch in eine rechtsradikale, ausländerfeindliche Ecke abrutscht und am Ende der gute Migrant den Jung-Nazi ins Krankenhaus zur Geburt fährt. Die Teen-Probleme, die sich mit der steigenden Verantwortung durch die bevorstehende Vaterschaft potenzieren, wären alleine genug gewesen, um die Konflikte zu zeichnen. Trotzdem anschaubar, nur erfüllt „stupid young heart“ so sein eigentlich vorhandenes Potential nicht.

Ghost Town Anthology

In einem gottverlassenen kanadischen Kaff stirbt einer der wenigen verbliebenen jungen Männer bei einem (absichtlichen?) Autounfall. Wenig später werden Gestalten gesichtet, die in früheren Zeiten in dem Dorf gelebt hatten.
Denis Côté nimmt in „Ghost Town Anthology“ den Begriff der Geisterstadt wortwörtlich. Gute Bilder in grobkörnigem 16mm erzeugen eine bedrückende Atmosphäre, aber erzählerisch wirkt Côtés Drama, das trotz seiner Geschichte jeden Horror-Aspekt bewusst vermeidet, nach einer guten ersten halben Stunde ziellos. Ein bisschen wirkt „Ghost Town Anthology“ als möchte Côté die französische Serie „The Returned“ als maximales Arthouse nachdrehen.

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