vonChristian Ihle 16.02.2019

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Monos, Regie: Alejandro Landes

Einer der erstaunlichsten Filme der Berlinale: eine Gruppe Jugendlicher wird zu „Kindersoldaten“ in einem nicht näher definierten südamerikanischen Land ausgebildet.
Auf dem Gipel eines Berges, bei einer alten Bunkerlandschaft, leben und lernen die acht Teenies, sind immer noch rumtollende Kinder, aber zugleich um sich schießende Soldaten. Dann geschieht ein Unglück, der Krieg kommt näher und die Gruppe zieht in den Urwald, den Kampf erwartend. Die Szenen werden flirrender, abstrakter, fiebriger (und ja: herzogiger).
Gerade visuell ist „Monos“ wirklich faszinierend, es gibt so viele großartige Bilder, ob Pyro auf Berggipeln, die ganz knapp aus der Wolkendecke herausragen, Unterwasseraufnahmen in reissenden Bergflüssen oder Luftbilder des unendlichen Dschungels. Regisseur Alejandro Landes werden wir nicht zum letzten Mal begegnet sein…

What She Said: The Art of Pauline Kael, Regie: Rob Garver

Es gibt keinen größeren Namen in der amerikanischen Filmkritikhistorie als Pauline Kael, Chefkritikerin des New Yorker und Wegbereiterin von New Hollywood. Kael fand eine neue, direkte Sprache, um über Filme zu schreiben – und war so die Kritiker-Entsprechung des gleichen Wandels, den auch der amerikanische Film vor sich hatte. Weg vom verstaubten Film der Väter, hin zu den wilden Streifen der durch die Subkultur der 60er großgezogenen Söhne. Kael gilt als Königsmacherin von Scorsese und Schrader und als diejenige, die für „Bonnie & Clyde“ die Tür aufgetreten hat, jenen Film, der den New Hollywood – Reigen eröffnen sollte.

Aber natürlich war Kael auch umstritten, die harten Verrisse von Kubrick bis Resnais sind bei weitem nicht so gut gealtert wie ihre Elogen auf Scorsese & Co. Und hier liegt auch das Problem von Rob Garvers Dokumentation: gerade bei einer so kontroversen Kritikerin wie Kael hätten sich doch sicher neben skurrilen Archivaufnahmen auch aktuelle talking heads finden lassen, die Kaels Weg in Frage stellen möchten?

Doch „What She Said“ ist einseitig lobhudelnd, nah an der Hagiography, was man auch schön an der einen „kritischen“ Stelle sehen kann, in der ihr umstrittener Verriss zu „Shoah“ erwähnt wird. Denn Garver verhandelt hier nicht, inwieweit ihre Meinung nun vielleicht richtig, meinetwegen unsensibel oder gar antisemitisch war, sondern rechtfertigt Kael lapidar als „gegen den Strom“-Schwimmerin.
So bleibt die größten Stärke von „What She Said“ das Vorlesen von Kaels Filmkritiken und das Aufzeigen, welche weitreichende kulturelle Bedeutung Filmkritik einst hatte.
Ob es dafür aber bewegte Bilder braucht?

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