vonChristian Ihle 07.11.2019

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Es überrascht wahrscheinlich wenig, wenn ich einen Sion Sono – Film als „weird“ bezeichne.
„The Forest of Love“ ist aber natürlich genau das – und als seine erste Netflix-Produktion eine Art Sion-Sono-Greatest-Hits-Album. Wir haben die Schulmädchen-Selbstmord-Szene („Suicide Circle“), die Gedärmwühlereien und den Über-Gore der Leichenfeinzerteilungen („Cold Fish“), die inzestuösen Spannungen („Strange Circus“), den japanischen Arthouse-Porn („Guilty Of Romance“) und natürlich die Punk-Referenzen & -Attitude (alle).

Im Normalfall würde ich hier durchaus die Länge des Films mit zweieinhalb Stunden Spielzeit kritisieren wollen, auch weil der ständige Anschlag auf alle Sinne über diese Dauer tatsächlich schwer zu ertragen ist, aber auf seltsame Art entwickelt „The Forest Of Love“ gerade gegen Ende einen nicht mehr vermuteten Zauber, um im Ganzen dann doch mehr zu faszinieren als abzustoßen.

Auch wenn „The Forest Of Love“ zunächst wie eine Ansammlung von verrückten Szenen durchgeknallter Charaktere in abstrusem Narrativ wirkt, steckt – glaube ich – doch eine interessante Frage hinter all diesem Mord & Fick & Tod & Schrei: wieviel rechtfertigt Kunst? wieviel Zerstörung darf sie in ihrem Entstehen verursachen? wie missbraucht die Kunst, genauer: das Filmgewerbe, die Naivität der Jugend, wie sehr verbrennt sie deren Leben zugunsten eines Werkes?

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