vonChristian Ihle 17.01.2020

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Eine wirklich originelle Ausgangsidee: nachdem der erfolglose Singer/Songwriter/Straßensänger Jack Malik einen Fahrrradunfall hat und wieder erwacht, hat sich die Welt verändert und keiner kennt die Beatles!

Jack nutzt nach anfänglichem Wundern diese Chance, gibt die Songs der Beatles als die eigenen aus und wird vom unansehlichen Straßengitarristen zum größten Star der Welt. Normalerweise würde ich jetzt hier einen Scherz à la „also wie die Geschichte von Ed Sheeran, nur mit guten Songs“ einbauen, aber das hat Regisseur Danny Boyle als zu offensichtlich vorausgesehen und gibt Ed Sheeran gleich eine tragende Nebenrolle. Na danke!

Die wirklich charmante Grundidee, die auch einige Nebenscherze bereithält (was passiert zum Beispiel wenn man in einer Welt ohne die Beatles versucht, Oasis zu googlen? Richtig: Statt „Wonderwall“s gibt es Bilder von Oasen als Ergebnis… – oder Ed Sheerans Vorschlag, dass der Text von Jacks „neuem“ Song „Hey Jude“ doch viel besser klänge, wenn der Refrain „Hey Dude“ lauten würde), wird aber leider zugunsten einer schiefen Rom-Com weit in den Hintergrund gedrängt. Dabei sind Himesh Patel und Lily James – als recht zauberhaftes girl-next-door – eigentlich sogar ein Rom-Com-Paar, dem man gerne zuschauen würde, aber halt nicht, wenn darüber die gute Grundidee des Films vergessen wird. Halbgar wird noch mit der verlässlich unerträglichen Kate McKinnon die böse Plattenfirma-Managerin eingeführt, die Jack Maliks reines Busker-Herz zum Popstar korrumpieren will, aber das ist alles bestenfalls auf dem Level von „Can A Song Save Your Life?“.

Schade, hier wäre vielleicht ein richtig guter Film drin gewesen*, so bleibt aber ein überaus charmanter Beginn und ein langsames Ausplätschern, das auch daran leidet, dass zumindest mir nie so richtig klar wurde, wo nun das „ohneeinander können sie nicht, miteinander wollen sie nicht“ – Problem zwischen Jack und seiner Ellie wirklich liegt.

* laut imdb hatte die ursprüngliche Drehbuchfassung auch deutlich mehr Wert auf diese alternative Ohne-Beatles-Welt wert an Stelle des Rom-Com-Schmalzes gelegt. Aber als Richard Curtis (Love Actually, Vier Hochzeiten und ein Todesfall) das Drehbuch umgeschrieben hat, musste er es natürlich curtisifizieren:
„The original story for the movie was written by Jack Barth. It was much darker in tone, with the main character struggling as a musician in the new timeline and the premise of the alternate universe explored in more depth. When Richard Curtis did a rewrite, he made the tone much more lighthearted, put less emphasis on the premise of a new timeline without The Beatles, and more focus on romance between Jack and Ellie.“

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