vonChristian Ihle 01.03.2020

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Bestürzende Dokumentation über die LGBT-„Säuberungen“ in Tschetschenien, die von der Polizei forciert, von Familien durchgeführt, von der Regionalregierung gefordert und von Putin nicht unterbunden werden.
„Welcome to Chechnya“ erzählt von einer Aktivistengruppe, die undercover die Verfolgten aus Tschetschenien in Safe Houses nach Moskau bringt und dort fieberhaft, unter ständiger Angst der Aufdeckung, versucht, Asyl in einem westlichen Staat für die Opfer zu finden*.

Digitale Gesichtsmanipulation (also wie The Irishman, aber in echt) erlaubt es dem Regieteam alle Verfolgten ohne die üblichen Hoodies auf dem Kopf oder Interviewsituationen in der Dunkelkammer zu filmen. Dadurch gelingt es „Welcome to Chechnya“ eine viel größere Nähe zwischen Zuschauer und den Opfern aufzubauen, da wir sie direkt im Gespräch und in ihren täglichen Leben im Safe House sehen.

Dazwischen zeigt Regisseur David France immer wieder Aufnahmen von Handys oder Überwachungskameras, die die äußerste Brutalität der Verfolgung zeigen und die Notwendigkeit der Flucht und des Asylbegehrens außer Frage stellen (kaum erträglich: eine innerfamiliäre Steinigung).

„Welcome to Chechnya“ ist schockierend und beinah ungewöhnlich spannend für eine Dokumentation, leider auch weil nicht alle der Geschichten, die wir sehen, ein gutes Ende in Freiheit finden.

*wie der Abspann vermeldet: 151 Opfer wurden dank der Aktivisten bereits in Sicherheit gebracht, Kanada hat davon allein 44 Asylsuchende aufgenommen. Die Trump-Regierung? Keinen einzigen.

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