vonChristian Ihle 16.09.2020

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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„Bruce Springsteen kann doch nur lieben, wer sozialpolitisch naiv und musikalisch geschmacklos ist. Schon wieder ein neues Album: Wann nimmt dieses Genöle denn ein Ende?

Bruce Springsteen hat ein neues Album gemacht, High Hopes heißt es und ist so überraschend wie ein Langlaufurlaub. (…) So unverkennbar wie unerträglich ist hier derjenige am Werk, den sie aus unerfindlichen Gründen den Boss nennen.

Ein Springsteen-Fan ist treu und reibt sich angesichts dieses öligen Gestöhnes wohlig den Schmerbauch. Ehrliche Arbeit! Schweiß! Vier-vier-tel-takt! Ja! Aus den Lautsprechern fließt seit jeher ein Kleister, den selbst die teuren Boxen im zielgruppengerechten SUV nicht zum Guten filtern können. Musikalisch mit einem Fuß in der Steinzeit und dem anderen in einer überdimensionierten Mehrzweckhalle, wie Abzählreime aufs Mitgrölen hinkomponiert. „One two three four“ und dann alle zusammen und ganz laut! Akustisches Käsefondue.

Alles scheppert und ächzt, und wenn mal nicht ein überkandidelter Gospelchor oder ein gestauchtes Saxofon den Gehörgang verkleben, dann ist es neuerdings die Gitarre von Tom Morello. Ja, dem Tom Morello, der einst mit den Wutbürgern von Rage Against The Machine an amerikanischen Flaggen zündelte. Er unterlegt Springsteens käsiges Genörgel nun mit einem Brett aus wurstigen Mackersoli. (…)

Die im Bibelschmalz getränkten Fahneneide sind simpel mitzuschwören. Gewerkschafter, Einwanderer, Demokraten, Volker Kauder, Tea-Party-Trottel, alle dürfen mitmachen, im Springsteen-T-Shirt (mit amerikanischer Flagge, klar) werden sie sich alle irgendwann im Nirvana treffen.“

(Jan Kühnemund in der ZEIT 2014 anlässlich der Veröffentlichung von „High Hopes“)

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https://blogs.taz.de/popblog/2020/09/16/schmaehkritik-classic-bruce-springsteen/

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kommentare

  • Ein Artikel nach Machart der Bild-Zeitung.
    Oder will der Schreiber den alten Text als Blaupause für das neue Album verwenden und nur kurz Titel und Erscheinungsdatum überschreiben? Das ist taz zum Abgewöhnen. Irrelevant, überflüssig.

  • Dieser Herr Kühnemund fand laut Zeit.de zuletzt 2016 Verwendung. Lobend erwähnte er zuletzt die Musikanten „Rocketnumbernine“ und „Graham Mushnik“. Wer kennt sie nicht? ^^

  • Da wartet die halbe Welt gerade gespannt auf das neue (vermutlich sehr politische) Springsteen-Album zur USA-Wahl und sie präsentieren eine uralte (Schmäh-) Kritik von Sportsfreund Kühnemund, die schon damals für betretenes Kopfschütteln sorgte… ist ja irgendwie rührend …

  • Ist ja mit Schmähkritik betitelt
    Also nicht ernst zu nehmen. Mach ich denn auch nicht. Was eigentlich will die taz in Zukunft sein? Siehe dazu Müll und Polizei? Wenn man sich kritisch mit Dingen auseinandersetzen möchte, dann sollte man auch ernst zu nehmenden Inhalt abliefern. Sonst ist man nicht relevant.

  • Das neue Springsteen-Album heißt nicht „High Hopes“, sondern „Letter to you“.
    Was ist von einem Kritiker zu halten, der nicht einmal den Gegenstand seiner Kritik benennen kann?
    Ich schlage „totaler Loser“ vor und beende hiermit meine Stellungnahme.

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