vonChristian Ihle 01.10.2020

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Gerade ist Jan Komasa mit seinem oscarnominierten „Corpus Christi“ im deutschen Kino angelaufen, wird sein Nachfolgefilm bereits auf Netflix veröffentlicht.

„The Hater“ ist ein gleichermaßen politischer wie gesellschaftskritischer Film und buchstabiert die Möglichkeiten der Hass-Erzeugung durch Technologie – und hier im Besonderen natürlich Social Media – von A bis Z durch. Gefallen hat mir insbesondere, dass Komasa keinen allzu großen traumatischen Backdrop für seine missgunstgetriebene Hauptfigur inszeniert, sondern lediglich in ein, zwei kleinen Skizzen (Exmatrikulation, hochnäsige Behandlung durch die bourgeoise Mittelschicht) ein gewisses Grundverständnis für dessen Frustration erzeugt. Dadurch ist der Hass des Haters grundiert, aber nicht vorab entschuldigt.

Während die Wahl eines Exemplar-Milchbubis als Akteur eines Internetkrieges für mich durchaus schlüssig ist, habe ich schon Schwierigkeiten, diese Figur mit seinen immer mehr eskalierenden Taten in der realen Welt in Deckung zu bringen, weshalb „The Hater“ dann doch einige unglaubwürdige Abzweigungen nimmt und auch seine Nebenfiguren (die verschlagene PR-Chefin, der dicke Nazitroll) nah am Klischee baut.

Gegen Ende entwickelt „The Hater“ mit einer meisterhaft inszenierten Gewalt-Sequenz zu Beethovens „Ode an die Freude“ aber eine visuelle und erzählerische Wucht, die ich nicht mehr erwartet hätte und die mich gern die eine oder andere Holprigkeit vergessen lässt. „The Hater“ ist in seiner Konsequenz am Ende unerbitterlich und verzichtet auf schale Lösungen.

Definitiv einer der besseren aktuellen Filme im Netflix-Katalog.

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