vonChristian Ihle 03.03.2021

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Ted K (Regie: Tony Stone)

Es ist nicht das erste Mal, dass das Wirken des UNA Bombers filmisch aufbereitet wird: von Lutz Dammbecks essayistischer Collage „Das Netz“ bis zur DiscoveryChannel-Serie „Manhunt“ (in Deutschland auf Netflix zu sehen) wurden die Taten von Ted Kaczynski beleuchtet.

„Ted K“ nimmt die originalen Schriften (Briefe und das berüchtigte UNA Bomber Manuskript) als textliche Grundlage und dreht „on location“ im verlassenen Hinterland von Colorado, in der Kaczynksis Holzhütte stand – und erreicht so nicht nur gute Bilder vom Gegensatz aus unberührter Natur und dem Eindringen des Menschen, sondern ist bis auf einen Aspekt auch dankbar unspekulativ (ob man allerdings wirklich so unsubtil Kaczynskis Verzweiflung an der modernen Welt auf fehlende sexuelle Kontakte zurückführen muss? Das scheint mir doch eine unangenehme Argumentationsschiene im Sinn von „hätte nur mal ordentlich flachgelegt werden müssen“ zu sein).

„Ted K“ ist trotz seines Ansatzes kein Kammerspiel, sondern hat eine weitgreifende Kamera, einen starken Drone&Ambient-Score von Blanck Mass und ist ungeachtet des beinah ständigen inneren Monologs kein Murmeln zu sich selbst:
Die fortlaufende ‚Faszination‘ mit dem UNA Bomber und seinen Terrortaten ist sicher darin begründet, dass in all seinen Wahnsinn auch Momente der Hellsichtigkeit zu finden sind, in denen Kaczynski die Abhängigkeiten des Menschen von der durch ihn geschaffenen Technik beschreibt, die sich im Internet-Zeitalter nur noch mehr bestätigt haben.

Language Lessons (Regie: Natalie Morales)

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Ein Low-Budget-High-Concept-Film: ein Mann und eine Frau lernen sich über einen Spanischkurs via Zoom kennen. Klingt nun wirklich nicht nach einem Film, den man zum Einjährigen einer Pandemie schauen möchte, aber dem von Natalie Morales gemeinsam mit Mark Duplass geschriebenen Drehbuch gelingt es gleichermaßen unterhaltsam wie zutraulich zu sein, bindet aber frühzeitig genug auch Härten des Lebens auf beiden Seiten der Videokonferenz ein, um nicht in Beliebigkeit zu versinken.
Überraschend gelungen und von beiden Autoren in den einzigen Rollen toll und sehr naturalistisch gespielt.

Introduction (Regie: Hong Sangsoo)

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Festivalliebling Hong Sangsoo bleibt für mich eines der größten Rätsel im Weltkino.
Menschen sitzen an Tischen und reden, Menschen stehen an Stränden und reden.
So auch hier. So what?

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https://blogs.taz.de/popblog/2021/03/03/berlinale-3-ted-k-ueber-den-una-bomber-language-lessons-mit-mark-duplass-introduction-von-hong-sangsoo/

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