vonChristian Ihle 27.03.2021

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Am 5. März 1981 riegelten Polizeikräfte nach einer harmlosen Krawall-Demo in der Nürnberger Innenstadt das autonome Jugendzentrum KOMM ab und nahmen alle Besucher*innen des Jugendzentrums fest. Tags darauf toppten Nürnberger Richter die beispiellose Polizeiaktion mit einem noch beispielloseren Rechtsbruch: Sie erließen gegen alle 141 Besucher*innen des Jugendzentrums gleichlautende Haftbefehle wegen Landfriedensbruch und verteilten sie über bayerische Gefängnisse, obwohl die Hälfte der Verhafteten gar nicht auf der Demo war.

Das Filmhaus Nürnberg zeigt bis 31.3. kostenfrei vier Filme, die sich mit diesem Thema befassen. „Unter deutschen Dächern – Der Schandfleck“ eignet sich als Einstieg, um Wesen und Wirken des KOMM zu verstehen. Die weiteren Dokumentation werfen einen Zeitzeugenblick auf die Ereignisse („Gott mit dir du Land der Bayern oder Die 141 von Nürnberg“ & „Das Ende der Freiheit“) oder betrachten die Vorkommnisse in der Retrospektive („Völlig ausgeliefert – Die KOMM Massenverhaftungen – Betrachtung nach 30 Jahren). „Ende der Freiheit“ ist darunter der Königsfilm: ein manchmal fast spielerisches Doku-Essay, das mit größter Deutlichkeit die Skandale aufarbeitet.
Wer danach vor Wut über die CSU *nicht* in den Tisch beißt, hat kein Herz für den Rechtsstaat!

Unter deutschen Dächern – Der Schandfleck

Doku aus der Reihe „Unter deutschen Dächern“ von Radio Bremen, die sich mit dem selbstverwalteten Kommunikations- und Kulturzentrum KOMM in Nürnberg befasst.

Anlass ist die ein Jahr zuvor stattgefundene Massenverhaftung von 141 KOMM-Besuchern nach drei zerschlagenen Fensterscheiben bei einem Demonstrationszug an diesem Tag.

„Der Schandfleck“ konzentriert sich allerdings gar nicht so sehr auf den Justizskandal und die Irrwege der Strauß’schen Law-and-Order-Symbolpolitik, sondern zeichnet ein verständnisvolles und manchmal fast heimlich begeistertes Bild von einem selbstverwalteten Ort, der Klassen-, Alters- und Cliquengrenzen sprengt und eine Utopie in die Realität überführt.

Gott mit dir du Land der Bayern oder Die 141 von Nürnberg

Frisch nach dem Justizskandal um das Nürnberger KOMM – der größten Massenverhaftung nach dem zweiten Weltkrieg dreier zerschlagener Fensterscheiben wegen – von der Medienwerkstatt Franken gedrehte Dokumentation, die hauptsächlich aus O-Tönen und Interviews verschiedener Beteiligter besteht.

Besonders interessant sind dabei die Reaktionen der Eltern, die durch die Aktion der bayerischen Regierung ihre Staatsgläubigkeit hinterfragen.

Ein wütend machender Film.

Alle Filme über die KOMM-Stürmung durch die bayerische Polizei und den folgenden Justizskandal sind bis Ende März kostenfrei online hier beim Filmhaus Nürnberg zu sehen.

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