vonChristian Ihle 07.04.2021

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Ernst Molden & Der Nino aus Wien – I siech wos finsdas

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Gibt es einen Song aus den letzten zwanzig Jahren, der sich besser für Coverversionen eignet? Will Oldhams „I See A Darkness“ ist wirklich ein Eintrag fürs Great American Songbook, überzeugt er doch im verhuscht-depressiven Klavier am Lagerfeuer-Original, im weird beschwingten Selbst-Cover, in der dystopisch-kräftigen Johnn Cash Version, in seinen Electro-Varianten von Martin Gretschmann (hartschiebend und softglöckelnd) oder nun auf österreichisch durch Erich Molden & Nino aus Wien:

„Mei oallerbester Haberer,
verstehst wovon I red?
Und dann siech I wos finsdas…“

Lael Neale – Blue Vein

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Die alten Grunge-Hüte von Sub Pop veröffentlichen mit Lael Neales „Acquainted With Night“ ein sehr starkes Folk-Album, das dem Titel entsprechend verhuscht wie ein Traum scheint. Bestimmend für den Sound ist das Omnichord, das Lael Neales Songs durchweht.

Balcony’s Paradise – Man In Me

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Dieses Nebenprojekt von Chuckamucks Lorenz O’Tool ist bester Sonntag-Morgen-Sound. Wäre wahrscheinlich nur noch passender, wenn dieser Sonntag morgen auf einem Balkon mit Blick auf einen Strand in Australien stattfinden würde.
Ein Album, das der Aufgeregtheit dieser Tage eine ansteckende Entspanntheit entgegenbringt. Abgesehen von den selbst geschriebenen Instrumentals surfen Balcony’s Paradise auf diesem Debütalbum einmal quer durch die Musikgeschichte: von Dylans „Man In Me“ über Toots & The Maytals „True Love“ bis zu Outlaw-Heroen wie Johnny Cash, Merle Haggard und Townes van Zandt.

Tom Taschenmesser – Maury

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Letztes Jahr war ich bereits von Tom Taschenmessers „Meine Schwestern“ begeistert, einem Call To Arms für die Frauen der Welt zum Sound der frühen Blumfeld. Die nun erscheinende EP „verstehst du nein gut“ hat nun gleich vier weitere hervorragende Tracks neben „Meine Schwestern“. Mein Favorit darunter ist „Maury“ über einen Wuppertaler Maler: „Er hat seinen Verstand verloren / irgendwo zwischen Berlin Alexanderplatz, Ankara und Polen / und wenn man ihn so sieht wünschte man sich irgendetwas müsste doch mit einem selbst passieren / irgendetwas anderes als DAS HIER“.
Tom Taschenmesser zeigt mit dieser EP, dass er einer der spannendsten jungen Singer/Songwriter des Landes ist, der aus der Gosse und von der Straße erzählt, aber auch den guten (!) Pathos der besten Rio Reiser – Songs kann.

Isolation Berlin – (Ich will so sein wie) Nina Hagen

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Ziemlich genau drei Jahre nach der Veröffentlichung ihres zweiten regulären Albums „Vergifte Dich“ senden Isolation Berlin ein neues Lebenszeichen ins Weltenall. „(Ich will so sein wie) Nina Hagen“ heißt die erste Single, die von UFOs, Selbst-Überdruss und einer überlebensgroßen Projektionsfläche erzählt: „Mir ist egal was die Leute sagen / ich will so sein wie Nina Hagen / ich kann mich selbst nicht mehr ertragen / ich will so sein wie Nina Hagen!“
Isolation Berlin spielen dazu Power-Pop wie in ihren besten Momenten und senden Signale „straight into the universe“

Danger Dan – Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt

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Danger Dan ist hauptberuflich Mitglied der Antilopen Gang, einer der eher wenigen politisch deutlich positionierten Hip-Hop-Gruppen des Landes. Ende April erscheint sein Soloalbum „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“, dessen Titelsong eine Ansage ist: musikalisch bleibt von Hip-Hop höchstens der Wortwitz erhalten, ist „…Kunstfreiheit“ doch mehr ein Kabarett-Stück wie es auch Rainald Grebe schreiben könnte und textlich eine beissende Anklage gegen Gauland, Ken Jebsen & Co.

P.S.: Bitte auch an Farin Urlaub weiterleiten, Betreff „So schreibt man witzig-kritische Texte über die AfD“

Fehlfarben – Supergen

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Ein Pro-Impf-Song gegen alles und jeden (gegen Schrott! gegen Gott! gegen den nächsten Flop! gegen Friseure aus Berlin! gegen Ski Alpin!) als erstes neues Lebenszeichen der Fehlfarben seit fünf Jahren – im Mai als Vinylsingle!
Wie ihr Label Staatsakt schön schreibt: gesungen direkt aus der Mitte der vulnerablen Gruppe!

Schubsen – Auftakt des steten Endes

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Die Nürnberger Post-Punk-Band Schubsen um den Gossenpoeten Krupski macht mit ihrer neuesten Veröffentlichung einen großen Schritt nach vorne und klingt auf der „Sprachfetzen EP“ so wuchtig – und vor allem – so klar wie nie zuvor. Im Gegensatz zu den vorherigen Alben ist die Stimme von Krupski in den Mittelpunkt gerückt und doch sind die Gitarren präsenter, der Rhythmus treibender. Ein starkes Minialbum!

Iceage – Vendetta

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Das Video zur Lead-Single des neuen Iceage-Albums sieht aus, als wäre die dänische Band neuerdings Resident im „Red Room“ in Twin Peaks, was angesichts des Sounds auch passend ist: ein düster grooviger Rocknroll-Song mit Shoegaze-Gitarren-Sound wie er Black Rebel Motorcycle Club in ihren besten Momenten gelang. Kein Wunder, dass hier Sonic Boom von Spacemen 3 seine Produzentenfinger im Spiel hatte.

The Lounge Society – Generation Game

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Speedy Wunderground, das hier schon oft gelobte Londoner Label und Entdecker von Black Midi über Squid bis Black Country New Road, hat die nächste große Debütband am Start. The Lounge Society spielen – entgegen ihren Namens – Post-Punk, der gleichzeitig agitatorisch wie tanzflächentauglich ist. Die auf Speedy Wunderground erschienene Debüt-Single ist natürlich schon ausverkauft (grr!) und geht auf discogs für Preise zwischen 25 und 70€ weg. „Generation Game“ ist bester politischer Punk: „There’s a generation staring / down the barrel of a gun / But you won’t ever find them / on the cover of The Sun“, der mit dem mantrahaft wiederholten „what will the US do?“ bis zurück in MC5-Zeiten greift:

„Our God is a poison that must be unlearned“

Masha Qrella feat. Andreas Spechtl – Maschinen

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Das erstaunlich tanzorientierte „Maschinen“ vom jüngsten Masha Qrella – Album greift die alte Philip K. Dick – Frage „Do Androids Dream of Electric Sheep?“ auf und fragt gemeinsam mit Ja,Paniks Andreas Spechtl an den Vocals: „Nach der Arbeit an den Maschinen träumen die Leute von den Maschinen / Wovon träumen die Maschinen nach der Arbeit an den Leuten?“

The Notwist – Loose Ends

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Seit „Neon Golden“ im Jahr 2002 das (mindestens) zweite Zeitalter der Weilheimer Band eingeläutet hat, haben The Notwist einen Sound gefunden, der auch auf dem neuen „Vertigo Days“ wieder besticht: melancholische Indie-Electronica für jene, denen Radiohead post-„Kid A“ dann doch oft zu frickelig wurde. „Vertigo Days“ überzeugt dabei vor allem als Gesamtwerk, als ein Album-Album, auf dem die Schwingungen der einzelnen Songs aufeinander antworten.

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