vonChristian Ihle 20.05.2021

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Ja, Panik – Die Gruppe

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Am 1.1. um 0.01 Uhr veröffentlichten Ja, Panik mit ihrem sensationellen „Apocalypse Or Revolution“ einen der größten Songs des Jahres, der auch ihr erstes Album nach sieben Jahren beschließt. Nach durchaus schwierigem Einstieg in die Platte glänzt das vor einer Woche erschienene Album „Die Gruppe“ insbesondere in ihrer zweiten Hälfte mit Songs wie „The Cure“, in dem Sänger Andreas Spechtl mit beinah flüsternder Weltenschwere beginnt („dass mir niemand helfen kann / das weiß ich eh“) und im Chor mit der ganzen Band in beschwingter antikapalistischer Wut auf die Welt endet („the only cure from capitalism / is more capitalism“) oder „1998“ („There was a crack in the world / And I tried to slip in / I was looking for you / But I found / All sorts of things“).

Großer Höhepunkt neben „Apocalpyse Or Revolution“ ist der Titelsong „Die Gruppe“, der mit seinen hallenden Drums am direktesten in Richtung Hit marschiert, in seinem Text die frühen Tocotronic und Blumfeld („Die Welt wollt ich in Stücke brechen / Und leben in der leeren Mitte / Geschichte Gegen Geschichte“) anklingen lässt und neben dem Loblied auf das Kollektiv natürlich auch zu einem Selbst-Statement nach sieben Jahren Schweigen im Konstrukt „Band“ wird: weil eine Gruppe möcht‘ ich sein.

International Music – Raus aus’m Zoo

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Das zweite Album der Ruhrgebietsband International Music ist noch verspulter als das Krautrock-meets-Jesus&MaryChain-Debüt „Die besten Jahre“ und wirft einen Blick in Richtung Michael Rother und Klaus Dinger in deren Post-NEU!-Zeit. Insbesondere Dingers La Düsseldorf schimmert auf dem zweiten Album von International Music, der Hauptband der Düsseldorf Düsterboys, durch. Mein großer Favorit ist hier „Raus aus’m Zoo“, ein schon auf Konzerten zum Debütrelease gespielter Song, der ordentlich am Käfig rüttelt und am Ende in besten Harmonien den Himmel aufreisst.

Dry Cleaning – Scratchcard Lanyard

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Hier spricht der Name wirklich Bände: Dry Cleaning sind dermaßen trocken in Intonation wie Instrumentierung, dass man sich nach ihrer Platte wie einmal durch die Waschtrommel geschrubbt vorkommt. Der ‚New Yorker‘ beschreibt den Gesang von Frontfrau Florence Shaw so: „the default setting is exaggerated Britishness, her every detached utterance performed with an eye roll—she’s the rare post-punk performer whom even the Queen might admire“.

Maurice Summen – Organic

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Türen-Kopf und Soulman Maurice Summen hat den Pandemie-Lockdown dafür genutzt, ein Soloalbum aufzunehmen. „Paypalpop“ ist funky wie gehabt, aber elektronischer als die handgemachten Platten, an denen er zuvor beteiligt war. Wie schon bei den Türen bleibt aber Summens Stärke intakt, eine Art Alltags-Dadaismus zu vertexten, wie man schön am Anti-Bio-Laden-Song „Organic“ sehen kann, der es schafft, aus der Aufzählung von Biomarktproduktpreisen nicht nur Witz, sondern auch ein politisches Statement zu zaubern.

Buben im Pelz – Frühlingsgespenster

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Ist auch ein Weg: von den österreichischen Velvet Underground zu den besseren Wanda! „Frühlingsgespenster“, die neue Single der Buben im Pelz (die älteren werden sich noch an „Kodachrom“ aus dem letzten Jahr erinnern, das dich in eine warme Decke aus Nostalgie eingewickelt hat), pfeift sich im besten Modus des Wanda-Debüts, schafft es aber dennoch im repetitiven Klavierpart doch noch mal an die Velvets circa „Waiting For My Man“ zu erinnern.

Wein & Haschisch – Ich mag rauchen warum

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Aus dem Umfeld des hier hoch geschätzten Tom Taschenmesser kommt auch die Band Wein und Haschisch um den Songwriter Isaak J. Winkeln, der mit dem „Ich mag rauchen warum“ noch einen Grund mehr liefert, dass hoffentlich Kneipen bald wieder geöffnet werden dürfen, denn dort sollte dieser Wein & Haschisch – Song gespielt werden!

The William Loveday Intention – Thatcher’s Children

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Hinter der William Loveday Intention verbirgt sich Wild Billy Childish mit mal wieder einem neuen Bandnamen. Viele Namen, viele Alben sind ja eh schon die Koordinaten des Childish-Universums, aber dank Lockdown hat die britische DIY-Legende hier noch mal verschärft und gleich fünf (!) Alben aufgenommen, beginnend mit dem letztjährigen „The New & Improved Bob Dylan“ bis zu den gerade erschienen „Blud Unter The Bridge“ und „The Bearded Lady Also Sells The Candy Floss“. Childish channelt hier seinen inneren Bob Dylan aus der „Highway 61 Revisited“ Zeit, spielt seinen Singer-Songwriter-Punk also orgellastig. Insbesondere das „Bearded Lady“-Album ist toll geworden und hat mit „Thatcher’s Children“ einen Hit, dank dem man endlich weiß, wie es klingen würde, wenn Dylan „London Calling“ von The Clash aufnähme. Nach Childishs eigenem Gefühl allerdings über den Umweg Richard Hell:

For the vocal approach on some of these songs I found I was leaning into my version of what I think Richard Hell does – something I’ve done since at least Thee Headcoats, – if not The Pop Rivets – when approaching more ‘poet’ driven lyrics. Doing this I was surprised to realise how much Richard was taking from Dylan but then again it makes sense what with that overly arty NY punk thing: Patty Smith and Ginsburg, etc . . .

Burnout Ostwest – Bahncard Einhundert

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Neuer Punk für das Land: Burnout Ostwest singen über Horst Seehofer als Spielzeugeisenbahnkapitän und K-Gruppen, über alte Besserwisser und junges Start-Up-Kauderwelsch. Burnout Ostwest klingen wie Pisse mit mehr Oi, wie die Screenshots mit mehr Punk, wie Oidorno mit weniger Promill. Also praktisch perfekt.

Georg Auf Lieder – Die Größten

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Vom Straßenmusiker zum Helmut-Kohl-Bezwinger*, vom Major-Deal zum DIY-Album: der Hamburger Singer/Songwriter – und Wahlberliner – Georg auf Lieder veröffentlicht mit seinem dritten, selbstbetitelten Album eine Platte, die Intimität und Authentizität atmet, aber dabei durchaus rund und radiotauglich produziert ist. Vielleicht ist es diese Kombination aus Echtheit in der Attitude und DIY-Sinn bei gleichzeitigem Sehnen nach Reichweite, dass in meinem Kopf Georg Auf Lieder wie das Singer/Songwriter-Pendant zu Kettcar klingt. Bei keinem Song trifft das mehr zu als bei „Die Größten“, einem wehmütigen Rückblick auf seine ersten Schritte in der Musik, in einer Punkband: „Jeder falsche Ton die Wahrheit / Jeder krumme Beat ein Angriff / auf alles, was uns im Wege steht / Jede Probe ein Bekenntnis / zu allem, was wir lieben / was außer uns hier niemand wohl versteht“. „Die Größten“ ist Georg Auf Lieders „Born To Run“.

Euroteuro – Natascha

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Zumindest hierzulande völlig unbekannt ist die österreichische Schlager/Beat-Band Beatniks 62 über die Discogs zu erzählen weiß: „Their first solo LP is a unique example of early austrian psych beat“. Noch drei Jahre vor jenem „austrian psych beat“-Album veröffentlichte die Band die Single „Natascha“, die nun vom Euroteuro-Kollektiv aus Wien gecovert wurde und sich weit von deren Italo-Disco-Hit „Autogrill“ entfernt, hören wir hier doch einen guten (!), leicht psychedlischen Schlager aus den frühen 60ern mit Vocals von Katarina Maria Trenk, die mancher vielleicht noch als Sängerin der österreichischen Yeah Yeah Yeahs namens Sexx Jams kennt.

P.S.: Der Bandleader der Beatniks selbst erfuhr später in Österreich doch noch größeren Ruhm als Schlagerstar Blondl mit den subtilen Apres-Ski-Schönheiten: „Zipfl eine, Zipfl auße“ (B-Seite: „Heute Samma Blederweise Mit Der Alten Da“) und „Zipfl in die Höh`“.

Flyte – Under The Skin

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Nachdem die letzten Arcade-Fire-Alben ziemlich deutlich signalisierten, dass Arcade Fire gar nicht mehr so recht Bock darauf haben, Arcade Fire zu sein, freut es doch, wenn eine neue Band das Banner aufnimmt und weiterträgt. Die Londoner Gruppe Flyte spielt sich mit „Under The Skin“ in die vorderste Reihe.

Lazy Queen – 13.06.18 (Us)

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Der kolumbianische Norweger Henrik García Søberg gründete Lazy Queen in New York und zog in der Folge nach Oslo, so dass die Band nun gleich drei Kontinente in sich vereint. Ihr Album „Get Home Or Die Tryin“ springt leicht von shoutigem Rock zu poppigem Punk, was sich schön in den beiden Songs „13.06.18 (Us)“ und „A Place (To Bury Strangers)“ (praktisch Weezer circa Grünes Album, also letzteres) widerspiegelt.

Horsegirl – Ballroom Dance Scene

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Die Chicagoer Band Horsegirl veröffentlicht mit ihrer Debütsingle einen verstörenden Song, der sich zwischen Dream-Pop und Shoegaze einfindet und etwas Nico in den Mix wirft. Oder wie die Band sich selbst nennt: „Sensational horse muzak sound noise group from a city (Chicago)„.

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