vonChristian Ihle 06.09.2021

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Mit dem quasi in Echtzeit ablaufenden „Bis Mitternacht“ aus der Polizeiruf-110-Reihe gelingt Dominik Graf einer der besten TV-Krimis der letzten Jahre.

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Das vom SZ-Feuilleton-Autor Tobias Kniebe geschriebene Drehbuch ist nicht nur tight, sondern auch ungewöhnlich für eine Episode aus Polizeiruf/Tatort et al.: erzählt wird nicht wie üblich die Aufklärung eines Mordfalls im Sinn eines Police Procedurals, sondern nur die Vernehmung und der verzweifelte Versuch, dem mutmaßlichen Täter ein Geständnis abzuringen „bis Mitternacht“, wenn die Festsetzungsmöglichkeit abläuft und der Beschuldigte wieder auf freiem Fuß sein würde.

Trotz dieser eingeschränkten Ausgangslage gelingt es Graf aber jede Statik in diesem ‚Polizeiruf‘ zu vermeiden und reizt – zumindest für einen Fernsehkrimi – die visuellen Möglichkeiten sogar über seine üblichen Graf’schen Kniffe (die Zooms sind natürlich am Start) aus und setzt Split Screens, Off Kommentare, random Kleinigkeiten oder verfremdete Farben ein. Zudem lebt „Bis Mitternacht“ von der Präsenz von Verena Altenberger, der hier als junge Kommissarin eine so eindrucksvolle wie natürliche Performance gelingt wie ich sie lange nicht mehr in einem ARD-Sonntagsabend-Krimi gesehen habe.

Auch wenn sich mir die Auflösung ein wenig zu einfach anfühlt, gelingt es „Bis Mitternacht“ selbst danach eine seltsam euphorische Stimmung zu verbreiten, die auf eine angenehme Art befremdlich zum vorher gesehenen spielt und sich auch dadurch noch einmal vom Standard des deutschen Fernsehens weit absetzt.

* Nächste Ausstrahlung:
Di., 07.09.21 | 00:55 Uhr | Das Erste
* Sowie in der ARD Mediathek abrufbar

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kommentare

  • Ich schaue auch fast nie Tatort/Polizeiruf an, aber von Dominik Graf inszenierte Episoden sind immer meine Pflichttermine.
    „Schwarzes Wochenende“, „Die Katze“ und „Die Sieger“ gehören auch zu meinen Faves von Graf. Auch stark die TV Filme „Das unsichtbare Mädchen“, „Die Freunde der Freunde“ und „Hotte im Paradies“.
    Sehr unterhaltsam auch die beiden Rückblicke auf den deutschen Genre-Film „Verfluchte Liebe Deutscher Film“ und die Fortsetzung „Offene Wunde Deutscher Film“.

  • Dominik Graf ist ohne Zweifel der beste deutsche Regisseur – mindestens – in diesem Genre, belegt seit den 80ern mit „Die Katze“ und Tatort „Schwarzes Wochenende“. Diese Schnitttechnik, diese Dichte, die ständigen Off-Tonspuren, das ist schon groß und lässt alle anderen weit hinter sich.

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