vonChristian Ihle 13.01.2022

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Prinzessinnen am Rande des Nervenzusammenbruchs: ein Weihnachtswochende mit Lady Di und der buckeligen Verwandtschaft.

Es gibt vieles, was man an Pablo Larraíns Film über Lady Diana bewundern kann: zuvorderst natürlich den Look, der im Gegensatz zu Larrains pop-buntem Vorgängerfilm „EMA“ die ausgewaschenste 80er-Jahre-Colorierung in den dennoch schönsten Settings auf die Leinwand bringt. Larrain gelingt es, ein für sein Thema angemessen majestätisches Bild zu schaffen, das dennoch nicht mit Schönheit überwältigen will, sondern in seiner strikten Bildkomposition die Rigidität des königlichen Lebens auch in Bilder fasst: schön und streng zugleich.

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Dass sich Larrain einem ordinären Biopic verweigert und sich stattdessen auf ein Weihnachtswochenende im mentalen Breakdown konzentriert, erzählt mehr über Dianas Prinzessinnen-Leben als schnöde Lebensdatenbebilderung es könnte. Dadurch ist „Spencer“ näher an Polanskis „Ekel“ als an bisherigen Versuchen, Diana auf der Leinwand zum Leben zu erwecken*.
Johnny Greenwoods Score ist für diesen Ansatz entscheidend, wird sein in klassischer Komposition grundierter Soundtrack doch mit zunehmender mentaler Verunsicherung schräger, unangenehmer.

Und doch fühle ich Dianas Depression, als sie wirklich ausformuliert wird, deutlich weniger als ich in der ersten Filmhälfte ihre Verzweiflung über all die Regeln, Pflichten und Traditionen verstehen kann. Während Larrain den goldenen Käfig in jeder Hinsicht hervorragend einfängt, bleibt die Eskalation behauptet und wird seltsam ungreifbar. Ein überflüssiger lesbischer Subplot im letzten Drittel wirkt sogar kurios und fegt „Spencer“ aus seiner tonalen Balance.

Zudem muss ich leider sagen, dass mein Empathietöpfchen auch schnell ausgeschöpft ist, wenn am Ende eine wunderschöne Prinzessin im Porsche 911 Cabrio von all dem Pein – der Verwandtschaft, den Bediensteten, die Journaille! – mit einem 80ies Popsong auf den Lippen davon fahren kann.


* erinnert sei nur an Oliver Hirschbiegels fürchterliches „Diana“-Biopic von 2013: Review.

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