Smile (2022, Regie: Parker Finn)
zur Leihe bei den üblichen Anbietern
Das Leben einer Psychiaterin gerät aus den Fugen, als eine verstörende Begegnung mit einer Patientin eine böse Macht offenbart, die sich durch ein schreckliches Lächeln zeigt.
Eine große Jump-Scare-Parade, die aber eine wirklich gute Idee hat: das Grinsen der bösen Manifestationen ist tatsächlich maximal creepy.
Gegen Ende wird „Smile“ zum totalen Trauma-Dump und macht immer weniger Sinn in seiner eigenen Welt – wie beispielsweise die Marilyn-Manson-hafte Endgegner-Manifestation, why?
Im Rückblick schon verblüffend, was für ein großer Erfolg „Smile“ als ordentlicher, aber sicher nicht bemerkenswerter Horrorfilm war: jeweils der 16.erfolgreichster Film des Jahres in Deutschland (1,3 Mio Zuschauer) und USA (105 Millionen Dollar Einspiel). (6/10)
Humane (2024, Regie: Caitlin Cronenberg)
auf Paramount+
Vor dem Hintergrund eines ökologischen Kollapses, der die Menschheit zwingt, 20 Prozent ihrer Bevölkerung zu töten, bricht bei einem Familienessen das Chaos aus, als der Plan eines Vaters, sich für das neue Euthanasieprogramm der Regierung zu melden, völlig aus dem Ruder läuft.
Die Dritte im Bunde: nach Vater David und Bruder Brandon setzt sich nun also auch Caitlin Cronenberg auf den Registuhl und inszeniert, klar Familienehre!, einen Horrorfilm.
„Humane“ ist dabei leichtfüßiger als die Werke der weiteren Sippe, schielt mehr in Richtung Satire, hat aber den familieneinenden Blick einer Projektion der Zustände des Jetzt in ihre schlimmstmögliche Fortführung.
Hier ist die Umwelt endgültig zerstört und der Staat offeriert aufgrund knapper Ressourcen Freiwilligen den Zugang zu Euthanasie, begleitet von rührseligen Fernseh-Auftritten (das Balkon-Klatschen dieser Zukunft) und heftigen Vergütungen für die überlebenden Kinder & Geschwister. Zielgruppe sind natürlich die Armen und Kranken der Gesellschaft, doch in „Humane“ entschließt sich ein wohlsituierter Patriarch für diesen Weg und lädt zu einem letzten gemeinsamen Abendessen ein.
Liegt die Frage nach Leben & Tod erstmal auf dem Tisch, wird natürlich nicht mehr mit dem Besteck gegessen und „Humane“ eskaliert zu einem Kammerspiel jeder gegen jeden, das etwas an Prägnanz verliert, wenn äußere Einflüße – das Euthanasie-Kommando – zu Besuch kommen und sich genereller Sadismus in die nüchterne Betrachtung der kommenden Katastrophe mischt. (6/10)
Glaubensfrage (2008, Regie: John Patrick Shanley)
auf Netflix
An einer katholischen Klosterschule reibt sich der Liberalismus von Pater Flynn mit der Strenge der Leiterin, Schwester Aloysius. Zur Explosion kommt der Konflikt um Glauben, Macht und Autorität, als Aloysius aus der harmlosen Beobachtung einer jungen Schwester einen schweren Vorwurf macht. Hat Flynn in der Zuneigung zu einem Schüler oder seine Kontrahentin in der Reaktion darauf Grenzen überschritten?
„Doubt“ ist als Drama um Kindesmißbrauch in der katholischen Kirche überraschend still angelegt. Hier ist nichts exploitatives, kaum etwas zugespitztes, sondern im Grunde eine dialoglastige Ergründung von Schuldvermutungen. Das wirkt einerseits fast deplatziert zurückhaltend, andererseits aber auch überraschend, weil die erwartbaren Wege nicht bestritten werden und sich die Eskalationen allein in Gesprächen zwischen Schauspielgrößen finden lassen.
A propos Schauspielgrößen: mit Meryl Streep, Amy Adams, Viola Davis und Philip Seymour Hofman waren gleich vier (!) Darsteller für einen Oscar nominiert, doch die beste, subtilste Performance von allen liefert ohne Frage Philip Seymour Hoffmann (gewonnen hat in jenem Jahr jedoch Heath Ledger für seine Joker-Rolle in „The Dark Knight“, die zugegeben popkulturell sicher enormen Eindruck hinterlassen hatte). (6/10)
Fremde Stadt (1972, Regie: Rudolf Thome)
auf Filmfriend kostenlos
Bei einem Bankraub in Düsseldorf hat Philipp Kramer zwei Millionen Mark erbeutet. Mit dem Geld im Gepäck reist er nach München, wo ihm seine Ex-Frau helfen soll die Millionen zu „waschen“
Mit seinen schönen Straßenaufnahmen eines schwarz-weißen Münchens weht die Luft der Nouvelle Vague durch Rudolf Thomes Kleingangsterfilm.
Leider ist das Drehbuch holprig und die Darsteller hölzern, so dass sie dem Naturalismus der Aufnahmen doch arg entgegenarbeiten. Doch der Style ist toll und das Ende so herrlich subversiv den Kollektivismus-Geist der Hippie-Ära atmend, wie ich es in einem Ganoven-vs-Polizei-Film tatsächlich noch nie gesehen habe. (6/10)
Nur eine Frau (2019, Regie: Sherry Hormann)
auf amazon prime
Mitten in Berlin wird Aynur von ihrem Bruder Nuri auf offener Straße erschossen. Arglos hat sie ihn zur Bushaltestelle begleitet, wenige hundert Meter entfernt in der Wohnung schläft ihr fünfjähriger Sohn Can. Wie ist es zu dieser Tat gekommen?
Verfilmung des realen „Ehrenmords“ an Hatun Ayhrun Sürücü und vor allem ein erschreckender, beeindruckender Einblick in eine fundamentalistisch-religiöse Parallelwelt, in der verquere Konzepte von „Ehre“ mehr zählen als das Leben der eigenen Schwester & Tochter.
Almila Bagriacik spielt toll die Emanzipation der Hatun, die vor dem schlagenden, zwangsverheirateten Mann aus der Türkei zurück nach Berlin flieht und nach und nach sich ein eigenes Leben als alleinerziehende Mutter aufbaut.
Kopftuch ablegt, Tanzen geht.
Leben lebt.
Bis die Familie kommt. (7/10)
Orpheus in der Unterwelt (1974, Regie: Horst Bonnet)
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Orpheus, Musikprofessor in Theben, ist froh, als ihm Pluto die untreue Gattin Eurydike stiehlt. Da kann er sich ungestört mit seinen Schülerinnen amüsieren. Aber so geht das nicht! Orpheus wird unter Druck gesetzt, Eurydike zurückzuholen, geht zu den Göttern auf dem Olymp und mit denen in die Unterwelt.
Eine Musical-Extravaganga aus der DDR: der vier Millionen Ostmark teure Film ist die letzte 70mm-Produktion aus den DEFA-Studios und spielt in einem idealisierten Westen (es beginnt in Frankreich und endet in einer wild-verlockenden Hölle).
Selbst ein Musical-Hasser wie ich muss konstatieren, dass die fast übertriebene Luftigkeit dieser Geschichte in all ihrer ausstatterischen Opulenz einfach Vergnügen bereitet. Dazu wundert, wie Horst Bonnets Verfilmung der Operette von Jacques Offenbach unbeschadet über die Tische der Zensoren des Staatssozialismus geflattert ist, denn die Kritik an der Obrigkeit ist nun nicht nur zwischen den Zeilen zu lesen.
Armer Jupiter und sein durchreglementierter Himmel, der erscheint nun wirklich nicht als das Ziel der Träume!
Chapeau!
Wer kann, der Can-Can!
(7/10)
Hitcher, der Highwaykiller (1986, Regie: Robert Harmon)
Jim Halsey nimmt des nachts einen Anhalter auf der Autobahn mit, der ihn dann mit einem Messer bedroht. Er schafft es, den Wahnsinnigen wieder aus seinem Auto zu bekommen. Allerdings taucht der Killer immer wieder in Jims Nähe auf und tötet immer mehr Menschen. Zuletzt wird schließlich Jim verdächtigt der Mörder zu sein.
Solide Thriller-Action. Aber am Ende doch eine Häufung von Plotnotwendigkeiten und ich glaube, man hätte hier einen interessanteren Film drehen können, wenn Rutger Hauers Killer nur eine Imagination des jungen, verwirrten C Thomas Howell gewesen wäre, vielleicht sogar mit einem Tyler-Durden-Twist! (6/10)
Endstation Schafott (1973, Regie: José Giovanni)
Der Ex-Bankräuber Gino wird auf Bewährung entlassen und baut sich mühevoll eine neue Existenz auf. Er lernt die hübsche Bankangestellte Lucie kennen, an deren Seite es eine Zukunft zu geben scheint. Doch der ehrgeizige Kriminalpolizist Goitreau glaubt nicht an Ginos Läuterung.
Eine traurige Gangster-Ballade.
Alain Delon kommt nach über einem Jahrzehnt aus dem Gefängnis frei und will ein rechtes Leben führen. Jean Gabin ist sein Sozialarbeiter und Ersatzvater, der ihn mit großem humanistischem Herz unterstützt. Delon widersteht allen Verlockungen, doch die Staatsgewalt sieht ihn ihm weiterhin einen Gefallenen – einmal Gauner, immer Ganove.
Die Verzweiflung steigt, die Eskalation naht, das Ende wirkt unvermeidlich. (6/10)