Herrhausen – Der Herr des Geldes (2024, Pia Strietmann)
Alfred Herrhausen, Chef der Deutschen Bank, wird im November 1989 bei einem Attentat in seinem gepanzerten Fahrzeug ermordet. Offiziell wird die unaufgeklärte Tat der Rote Armee Fraktion zugeschrieben. „Herrhausen – Der Herr des Geldes“ erzählt nach wahren Begebenheiten von den Machtverstrickungen zwischen Staat und Wirtschaft vor dem Hintergrund der deutschen Wiedervereinigung.
Score stark, Bilder gut, Masucci in der Hauptrolle mit einer gelungenen Mischung aus überbordender Selbstsicherheit (aka Arroganz) und progressiver Nahbarkeit. Das wirkliche Goldstück ist aber das Drehbuch und der Wille, den deutschen Fernsehzuschauer einfach auch mal zu fordern und nicht alles fünfmal aus dem Off erklären zu lassen. Autor Thomas Wendrich beschränkt sich auch nicht auf die simple Nacherzählung eines Terroranschlags, sondern verschränkt mehrere Erzählungen, die weit über „RAF vs Herrhausen“ hinausreichen und ein vielschichtiges Bild der Welt 1987/88 zeichnen. „Herrhausen“ ist zugleich Politkrimi, Terrordrama, Agententhriller wie Hochfinanz-Soap a la „Succession“.
So komme ich zum seltenen Fazit, dass „Herrhausen“ beinahe zu kurz ist, um all seine Handlungsstränge in Ruhe zu erzählen. Heißt auch: keine Serie für Second-Screen-Nutzung, sondern schön fordernd erzähltes, komplexes TV!
Families Like Ours (2025, Thomas Vinterberg)
Mitten in einer unaufhaltsamen Klimakatastrophe kämpfen sechs Menschen um ihre Zukunft und alles, was ihr Leben ausmacht.
Interessantes Serienprojekt von Thomas Vinterberg, dem Regisseur von „Das Fest“ und „Der Rausch“, das die zwei größten Hot Topics unserer Zeit in einer smarten Spielfilmhandlung aufgreift: Klimakatastrophe & Migration. Die Prämisse: Dänemark ist so sehr vom steigenden Meeresspiegel bedroht, dass sich die Regierung gezwungen sieht, alle Einwohner in andere EU-Länder umzusiedeln.
Was „Families Like Ours“ dabei so interessant macht, ist ein Perspektivwechsel, der zudem noch gebrochen wird: all die Probleme, Ängste und Nöte, die im Moment einer notwendigen Flucht auftreten. Das Zurücklassen der Habseligkeiten, die Schwierigkeiten der Einreise in eine neue Heimat, die Trennung von Family & Friends. Das nimmt Vinterberg glücklicherweise nicht allzu dogmatisch auf, sondern spielt die Problematiken zwar zugespitzt, aber nicht überdramatisiert, zuerst sogar mit skadinavischer Nonchalance durch.
Interessant wird „Families Like Ours“ aber im Besonderen, weil er Bürger aus einem wohlsituierten westlichen Land, denen noch nie existentielle Probleme begegnet sind, auf diese Herausforderungen treffen lässt – und die Eskalation sowie Verschlimmerung der eh schon schwierigen Situation aus einem ein Leben lang gelernten Anspruchsdenken entsteht.
Von der Unmöglichkeit, die Veränderung des eigenen Status zu begreifen oder gar zu akzeptieren.