TRON: Ares (2025, Joachim Rønning)
auf Disney+
Schön stylish und mit einem guten Nine Inch Nails – Score gesegnet hat „Tron: Ares“ im Gegensatz zu anderen Action-Blockbustern schon Vorzüge, spielt aber letztlich doch einfach zu viel in der realen Welt. Zudem hatte ich nie den Eindruck, dass der Film seine eigenen Regeln ernst nimmt. Alles wirkt wie wie eine Reihe von McGuffins, damit sich eben der Plot nach vorneschlängelt und Jared Leto in stylishem Anzug gegen andere TypInnen in stylishen Anzügen kämpfen kann.
Nicht dass der Ur-„TRON“ jetzt ein Grundwerk der abendländischen Philosophie gewesen wäre, aber „Ares“ hat nun wirklich gar kein Interesse an all den anderen Layern seiner Geschichte, so lang nur das Krach Bumms Bäng stylish aussieht. Schade, denn heute wäre eine tiefere Betrachtung über virtuelle vs echte Welt, Programme mit Intelligenz & der Frage, was Leben wirklich ausmacht, doch sogar noch notwendiger als 1982. (5/10)
The Rip (2026, Joe Carnahan)
Netflix
Ein Cop-Thriller der alten Schule. Zu Beginn wird eine Polizistin ermordet und die eigene Abteilung fragt sich, ob hier womöglich korrupte Kollegen im Spiel sein könnten. Als überraschend ein „Stash House“ mit Millionen an verstecktem Drogengeld gefunden wird, scheint „The Rip“ zunächst einen „Assault On Precinct 13“-Dreh zu entwickeln, also die alte Geschichte des Häufleins Aufrechter gegen die von außen anstürmenden böswilligen Massen erzählen zu wollen. Doch dann stellt „The Rip“ auch die Gemeinschaft innerhalb des Hauses in Frage und sucht dort nach Verrätern. Diese ersten zwei Drittel sind spannend und für einen Netflix-Actionfilm mit erfreulich wenig Augenzwinkern gedreht. Leider entgleitet Joe Carnahan sein großer Showdown am Ende, wenn nun endlich enthüllt wird, wer hier die ganze Zeit eigentlich gegen wen arbeitet, und versandet so im Beliebigen.
Aber dennoch einer der besseren Action-Filme der letzten Zeit. (6/10)
Dust Bunny (2025, Bryan Fuller)
Kinostart 19.2.
Der erste Ausflug auf einen Kino-Regie-Stuhl für Bryan Fuller, der sich als Creator von „Hannibal“ bis „Star Trek: Discovery“ einen Fernsehnamen gemacht hatte.
Das erfreuliche an „Dust Bunny“ ist, wie bereitwillig er sich zwischen die Stühle setzt. Auftragskiller, Kinderfilm, Monstermovie. Alles drin, in einem Style der „Amelie Wick“, gedreht von Zach Snyder, sagt.
Leider kommen die verschiedenen disparaten Elemente aber nie wirklich zusammen, so dass die Monster nicht grauslig, die Actionszenen nicht spannend und die Kinderszenen nicht familygerecht genug sind. (5/10)
Ein einfacher Unfall (2025, Jafar Panahi)
im Kino
Durchaus bemerkenswert wie gut Jafar Panahis verboten, guerillastyle gedrehter Film aussieht. Würde man die Vorgeschichte nicht kennen, es wäre nicht zu bemerken. Aber auch hinsichtlich der Bewertung der Güte des Films scheint mir, dass die Vorgeschichte hier seinen Part dazu beiträgt. Denn natürlich hat Panahi ein starkes Anliegen und ist gerade jetzt das Aufbegehren gegen Unterdrückung im Iran wichtig. Doch so wirklich kommen die Einzelteile in „Ein einfacher Unfall“ nicht wirklich zusammen, stört mich der leise Humor im Mittelteil und sind mir einige Charaktere zu schrill.
Die letzte Minute ist allerdings wirklich meisterlich. Selten hat ein Film seinem Ende mit so wenig so viel Ambiguität aufgeladen! (5/10)
Hidden Agenda (1990, Ken Loach)
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„Hidden Agenda“ von 1990 ist ein ungewöhnlicher Eintrag in Ken Loachs Filmographie. Zwar klar politisch, aber diesmal nicht als Drama des Sozialrealismus, sondern als Verschwörungsthriller.
Loach beleuchtet einerseits den Irland-Konflikt (und schlägt sich eindeutig auf die Seite der grünen Insel) und erzählt zweitens von einer größeren Verschwörung im Hintergrund, die tatsächlich auf realen Tatsachen beruht und aus heutiger Sicht beängstend an Trumps Weg zur zweiten Präsidentschaft erinnert.
Man merkt Loach schon an, dass er nicht zwingend für das Genre des Polit-Thrillers geboren wurde, so dass „Hidden Agenda“ manchmal etwas mehr Zug vertragen könnte, aber dennoch ein interessanter Blick auf die „troubles“. (6/10)
The United States of Leland (2003, Matthew Ryan Hoge)
auf Joyn
„The United States of Leland“ beruht in seiner Grundstruktur auf „Der Fremde“ von Camus, handelt also von einem jungen Mann, der einen motivlosen Mord begeht. Wie in „Der Fremde“ ist der Kern auch von „The United States of Leland“ das Sich-selbst-Befragen des Warums. Nur spielt dieser frühe Ryan-Gosling-Film wie eine Teenie-Emo-Version des Camus-Klassikers, was ja erstmal nicht ganz fehlplatziert sein könnte, denn „Der Fremde“ dürfte sicher zu jenen Büchern gehören, die gerade dem orientierungslosen und am Sinn von Leben & Welt zweifelndem Teenager ein steter Begleiter sind.
Fragwürdiger ist aber, dass „…Leland“ das Fragen und Suchen von Camus auf eine simple „Traurigkeit im Leben aller“ herunterdimmt und damit die Idee des Buch doch arg simplifiziert. Unabhängig von der Vorlage gesehen schlägt das durchaus dennoch seine emotionalen Haken, aber lässt auch leicht unbefriedigt zurück. Zudem erweitert „…Leland“ die problematische Wirkung des Mordes sogar noch (die ja durchaus auch in der Vorlage schwierige Untertöne anklingen ließ, siehe die Missverständnisse, die The Cures „Killing An Arab“ hervorgerufen hat), indem ich die Tat eigentlich gar nicht anders als „Euthanasie aus Empathie“ interpretieren kann, eine Haltung die sich der Film am Ende zwar nicht zueigen macht, aber emotional durchaus als nachvollziehbar präsentiert. (5/10)
Das Verhör (1981, Claude Miller)
zur Leihe
Eine Silvesternacht, zwei tote Mädchen, drei Menschen in einem Verhörraum.
Mehr benötigt Claude Miller nicht, um ein Kammerspiel um erloschene Liebe und Tod zu bauen.
Bis auf einige wenige Szenen spielt „Das Verhör“ in einem Raum des Kommissariats, doch Miller schneidet für wenige Sekunden kurze, stille Szenen von außen ein, während sich Polizei und Verdächtiger umkreisen. Ein Leuchtturm in Wind, eine Leiche am Strand. Nicht mehr. Und doch so effektiv.
In der zweiten Hälfte nimmt „Das Verhör“ eine überraschende Wendung, womit ich nicht einmal einen Plottwist meine, sondern mehr die gnadenlose Traurigkeit, die sich über die Szenerie legt, wenn der Verdächtige von der Leere in seiner Beziehung spricht. Miller blendet einen einsamen Gang ein, an dessen Ende das Licht durch eine verschlossene Tür schimmert.
Liebe ist kälter als der Tod, wie ein anderer Regisseur einmal so treffend formulierte. (7/10)