Frank Spilker, ewiger Kopf der großen Hamburger Schule – Band Die Sterne, veröffentlichte Anfang des Jahres sein bereits 14. Studioalbum – 13 davon unter dem Bandnamen, eines als Frank Spilker Gruppe.
Die Sterne erleben seit einigen Jahre eine regelrechte Renaissance. Nach zwei bereits wirklich guten Platten 2020 („Die Sterne“, #33 Alben des Jahres) & 2022 („Hallo Euphoria“, #15 Alben des Jahres) ist die aktuelle Veröffentlichung „Wenn es Liebe ist“, das die immer schon vorhandenen Kraut-Tendenzen der Band verstärkt betont, noch besser geworden. Es ist eines der besten Alben des Jahres.
Wir haben uns mit Frank Spilker auf sechs Fragen durch die lange Historie der Sterne begeben:
Q1: Mit „Wenn es Liebe ist“ zählt die Die-Sterne-Diskographie nun bereits 13 Studio-Alben. Aus meinem Gefühl gibt es ein Frühwerk (Wichtig / In Echt), die „imperiale Phase“ (wie Neil Tennant das einst nannte, wenn eine Band einfach alles richtig macht) von 96-99 und nun seit 2020 einen Re-Start als Die Sterne 2.0. Fühlt sich das für dich ähnlich an, wenn du auf die Entwicklung der Sterne zurückblickst?
Frank Spilker: Die Innenperspektive ist natürlich immer ein bisschen anders. Ab ca. 2000 gab es ja eine zweite Generation HASCHU und danach noch eine Generation, die schon gar nicht mehr so hieß. Damit einherging auch eine Entpolitisierung, die wir so nie mitmachen wollten. („Das Weltall ist zu weit.“) Das war jedenfalls mein Gefühl. Die Sterne haben sich dann mit meiner (ihrer) Starrköpfigkeit irgendwie gehalten. Wer diese Zeit der Band verpasst hat, sollte dringend noch mal da hinein hören. Einige Perlen bringen wir demnächst im Nikolaisaal auf die Bühne.
Q2: Obwohl „Wenn es Liebe ist“ nun schon das dritte Album mit gänzlich veränderter Besetzung nach dem Abschied von Thomas Wenzel & Christoph Laich ist, klingt es für mich als das erste echte Sterne-Band-Album, wohingegen die letzten beiden Platten auf mich mehr ein „Frank Spilker plus Gruppe“-Gefühl vermittelten (allerdings nur auf Platte, live war hier schon immer eine Einheit zu spüren). Ist das hineinfantasiert oder deckt sich das mit dem Entstehungsprozess der Platten?
Frank Spilker: Nein, das stimmt schon. Wir haben hier sehr gut als Team zusammengearbeitet und uns auch getraut, aus einfach dahingeworfenen Improvisationen Songs zu machen. Beides, das Team und das Selbstbewusstsein, so zu arbeiten, baut auf den Erfahrungen der beiden Vorgängeralben auf. Davon abgesehen ist das Prinzip Singer/Songwriter + Band bei uns ja immer schon einerseits vorhanden gewesen, andererseits aber auch immer durchbrochen worden. Auch in der alten Besetzung.
Q3: A propos Umbesetzungen: Wie ist denn das Verhältnis zu den ehemaligen Bandmitgliedern?
Frank Spilker: Wir haben uns ja mehr oder weniger einvernehmlich getrennt und auch, wenn wir nach der langen Zeit nicht mehr so viel miteinander herumhängen, ist das Verhältnis gut. Außerdem betreiben wir auch noch eine Firma zusammen, die die alten Rechte auswertet.
Q4: Da die Sterne nun ja nur noch dich als Gründungsmitglied haben – hast du je darüber nachgedacht, einfach unter einem anderen Namen, sagen wir mal: Frank Spilker Gruppe, zu veröffentlichen? Und ist die Entscheidung für „Die Sterne“ als Name eine schnöde kommerzielle oder verbindet sich damit mehr für dich?
(wir sind ja unter uns & nur Verständnis für die Notwendigkeiten des Lebens)
Frank Spilker: Ich erwähne an dieser Stelle immer gerne, dass Dyan Valdés ja schon seit 2012 mit uns auf der Bühne steht und unser Original-Keyboarder Frank Will die Band bereits 1999 verlassen hat. Dass mit Thomas und Christoph auch ein Stück Hamburger Schule-Mythos die Band verlassen hat, liegt auf der Hand, aber wie schade wäre es andererseits, wenn alte Hits wie „Universal Tellerwäscher“ und „Was hat dich bloss so ruiniert“ erst bei der Reunion-Tour 2040 wieder auf die Bühne kämen? Im Übrigen haben wir den Namen 1991 von einer vorausgegangenen Besetzung mit Mirko Breder, dem damaligen Schlagzeuger, übernommen und das auch beurkundet.
Q5: Hast du eigentlich noch viel Liebe für das tatsächliche Frank Spilker-Soloalbum von 2008? Ich muss ja für meinen Teil sagen, dass ich das doch als schwächstes Werk deiner Karriere sehe. Aber gern eine Verteidigung!
Frank Spilker: Ich verteidige gar nichts. Und ich ruhe mich auch nicht auf Erfolgen aus. Trotzdem freut es mich, wenn, wie neulich beim Indie-Ausflug in Diez, ausdrucksvoll zu „Ich stehe heute auch mal hinter der Bar“ getanzt wird. Ganz selten wird man ja selber mal zum Beobachter einer solchen Szene. Gleich danach lief übrigens „Nasenspray“ von Sorry 3000.
Q6: Dagegen ist „Wenn es Liebe ist“ das beste Sterne-Werk seit (mindestens!) 15 Jahren. Was hat das neue Album so elektrisiert? Welche Einflüsse finden sich hier stärker wieder als noch bei den Vorgängeralben?
Frank Spilker: Eigentlich haben wir hauptsächlich alle bekannten Zutaten optimiert. Philipp Tielsch und Phillip Janzen haben vorab in der Groove-Geschichte gegraben und geplündert. Wir haben bei den Proben Banddynamik und Spontanität zugelassen, Dyan und ihrem Songwriting eine Stimme gegeben, und ich habe, wie immer schon, textlich und dramaturgisch eingegriffen und optimiert. Es gibt sehr viele offene 80er Jahre Zitate, darüber hatten wir uns vorab verständigt. (B52’s, The Cure, Fela Kuti, The Damned, Canned Heat, Dead Kennedys, ZZ Top, XTC.) Am Ende haben wir uns aber auch wieder ein bisschen über die Konzepte vom Anfang hinweg gesetzt, um uns selbst mehr Freiraum zu geben.
Das hervorragende neue Album der Sterne ist im Januar erschienen:
Auf der Bühne:
Fr 24.04.2026 Potsdam (Nikolaisaal)
Mi 10.06.2026 Aachen (Musikbunker)
Do 11.06.2026 Essen (Zeche Carl)
Di 16.06.2026 Aschaffenburg (Colossaal)
Mi 17.06.2026 Regensburg (Thon Dittmer Palais)
Do 18.06.2026 Traunstein (Kulturforum Klosterkirche)
Fr 19.06.2026 Ebensee (Kino)
Sa 20.06.2026 St. Katharina Open Air (Katharinen-Ruine)
Fr 31.07.2026 Theaterfestival Isny (Zirkuszelt des Theaterfestivals)
Sa 01.08.2026 Kirchdorf/Krems (Festival)
Di 27.10.2026 Osnabrück (Kleine Freiheit)
Mi 28.10.2026 Jena (Kassablanca)
Do 29.10.2026 Dresden (Beatpol)
Fr 30.10.2026 Berlin (Astra Kulturhaus)
Sa 31.10.2026 Lübeck (Treibsand)
Mo 02.11.2026 Düsseldorf (Zakk)
Di 03.11.2026 Marburg (KFZ)
Mi 04.11.2026 Wiesbaden (Schlachthof)
Do 05.11.2026 Karlsruhe (Jubez)
Fr 06.11.2026 Konstanz (Kulturladen)
Sa 07.11.2026 St. Gallen (Palace)
So 08.11.2026 Augsburg (Musikkantine)