Eine der schönsten Erfolgsgeschichten im deutschsprachigen Raum ist der späte, aber dafür große Erfolg von Voodoo Jürgens in Österreich. Im gesetzten Alter von 33 Jahren veröffentlichte er sein Debütalbum als Solokünstler, das im Alpenland sofort auf Platz 1 schoß.
Auch dank des Überhits „Heite grob ma Tote aus“, das sich übrigens – DJ-Tipp! – hervorragend in „Ghost Town“ der Specials mixen lässt. Zwei seiner weiteren drei Alben landeten auf Platz 2, so auch das jüngste Werk „Gschnas“, anlässlich dessen wir uns dachten: Heite frog ma Voodoo aus! Sechs Fragen an den österreichischen Beisl-Troubadour:
1 Dein neuestes Album wirkt auf mich anders als die vorherigen, zum Teil elegischer und sehnender, weniger rumpelig, weniger 1 Uhr nachts in der Kneipe. Empfindest du das auch so? Wie hat sich die Aufnahme des neuen Albums von den vorherigen unterschieden?
Das mag einerseits daran liegen, dass sich die Welt rund um mich ändert und wir auch Wunsch nach Veränderung verspürt haben. Bei den ersten Alben hab ich mit den Text begonnen und habe dabei auf herkömmliche Songstrukturen nur begrenzt Rücksicht genommen. Diesmal haben wir als zuerst an den Liedern gearbeitet und sie ohne Text aufgenommen. Ich war also am Ende auf mich selbst zurückgeworfen und musste eine Formel finden, um mit dieser neuen Struktur umzugehen.
2 Gibt es für dich ein Nord/Süd-Gefälle, wenn du in Deutschland auftrittst? „Verstehen“ dich Süddeutsche besser und bekommen Norddeutsche einen schwierigeren Zugang? Oder ist Deutschland eh anders?
Ja, auf der textlichen Ebene verstehen mich Leute in Gegenden, in denen bairische Dialekte gesprochen werden, besser oder können es sich leichter zusammenreimen. In größeren Städten funktioniert es auch sehr gut, aber wir spielen schon tendenziell in etwas kleineren Locations je weiter es nach Norden geht . Ich freu‘ mich ja immer, wenn sich wer mit dem Text auseinandersetzt. Ist ja auch nicht so schwer im digitalen Zeitalter.
3 Österreich hatte einen bemerkenswerten Output an tollen Künstlern in den letzten 15 Jahren. Von Ja Panik über Nino zu Wanda und Bilderbuch – und etlichen jungen, aufstrebenden Acts. Hat Österreich / Wien eine bessere Struktur, die es auch „schrägeren“ Künstlern ermöglicht, im österreichischen Mainstream anzukommen? In Deutschland schaffen das ja normalerweise nur die glattesten Vertreter…
Österreich ist das Paradies für schräge Vögel.
Also dass die Strukturen in Österreich so super sind würd‘ ich jetzt aber auch nicht sagen. Für all die von Dir genannten Bands ist ja Deutschland auch sehr wichtig. Aber ja in den 10er Jahren haben ein paar Indie-Labels Vorarbeit geleistet und so die nötigen Plattformen für Musiker:innen geschaffen.
4 Siehst du zu anderen österreichischen Künstlern eine Verbindung? Sowohl zu deinen Zeitgenossen als auch zu den „Vorfahren“? Und wenn ja, wer sind die Geschwister im Geiste?
Verbunden fühl ich im Geiste mich mit dem Nino aus Wien und Stefanie Sargnagel, wenn’s um Zeitgenossen geht. Inspiriert bin ich von Helmut Qualtinger und dem frühen André Heller, von H. C. Artmann und der Wiener Gruppe, von Manfred Deix, Christine Nöstlinger, Elizabeth T. Spira um nur ein paar zu nennen.
5 Deine Songs thematisieren oft genug das Leben, Lieben, Trauern und Feiern in Eckkneipen. Welche Beisln sind denn deine liebsten und warum?
Die Beisln, die der Zeit zu trotzen scheinen. Wo man schon beim Reingehen das Gefühl hat, dass sich hier tausende Geschichten abgespielt haben .
Die werden ja leider immer rarer und die Städte tun leider recht wenig dagegen . Lieber verkauft man an einen Gastro-Kette mit viel Geld. Dabei ist die Kneipe als Ort der Begegnung so wichtig, wie ich denke.
6 Etliche deiner Songs wirken autobiographisch, wie beispielsweise „Tulln“ von deinem Debüt oder „21 Eistee“. Schreibst du hier aus einem Charakter, einem Erzähler heraus oder sind die Lyrics in den angesprochenen Songs tatsächlich eine Art Autobiographie in Songform?
Die Frage fühlt sich ein bisschen an als ob man einen Zauberer fragt, ob er seine Tricks verrät.
„Tulln“ ist autobiographisch, soviel kann ich verraten.
Das neue Album von Voodoo Jürgens, „Gschnas“, ist gerade erschienen!
Mehr zu Voodoo Jürgens:
My Favourite Records mit Voodoo Jürgens
Voodoo Jürgens gräbt fürs Popblog nicht nur Tote, sondern auch seine liebsten Platten aus!
Auf der Bühne:
VOODOO JÜRGENS & DIE ANSA PANIER
Live Termine 2026:
07.05.2026 – Haberkasten, Mühldorf am Inn (DE)
08.05.2026 – Z-Bau, Nürnberg (DE)
09.05.2026 – Engelsburg, Erfurt (DE)
10.05.2026 – Conne Island, Leipzig (DE)
12.05.2026 – Beatpol, Dresden (DE)
13.05.2026 – Astra, Berlin (DE)
14.05.2026 – Mojo, Hamburg (DE)
15.05.2026 – Lagerhaus, Bremen (DE)
16.05.2026 – Musikzentrum, Hannover (DE)
18.05.2026 – Junkyard, Dortmund (DE)
19.05.2026 – Zakk, Düsseldorf (DE)
20.05.2026 – Gebäude9, Köln (DE)
21.05.2026 – Schlachthof, Wiesbaden (DE)
22.05.2026 – Im Wizemann, Stuttgart (DE)
23.05.2026 – Alte Kongresshalle, München (DE)
29.05.2026 – Gaskessel, Bern (CH)
30.05.2026 – Gannet, Basel (CH)
31.05.2026 – Moods, Zürich (CH)
05.06.2026 – KiK Ried Open Air, Ried
13.06.2026 – Kuz, Mattersburg
14.08.2026 – Donaubühne, Tulln
24.09.2026 – Arena Open Air, Wien