Joker: Folie à Deux (2024, Todd Phillips)
auf Netflix
Nicht das Desaster, das nach Box-Office-Bomb (von 335 Mio auf 58 Mio $ abgestürzt!) und Internetnegativhype zu erwarten war – aber eben auch a) ein in sich zerrissener Film, der b) nie an die so bemerkenswerte 70ies-Pastiche-Qualität des Vorgängers anknüpfen kann.
Was man „Joker: Folie à Deux“ aber lassen muss: auch diese Erzählung von Todd Phillips will einfach anders sein als alle anderen Comicverfilmungen, auch wenn der Weg dahin diesmal zu holprig ist. Denn „Folie à Deux“ ist gar nicht das große Camp-Musical, das man nach Trailer & Ankündigungen hätte erwarten können, sondern vielmehr ein hundsdeprimierender Film, der abgesehen von den paar Musical-Elementen in einem braungrauen Gerichtssaal spielt, wenn er uns den Joker – besser: Arthur Fleck – nicht gleich in graubraunen Gefängnisfluren zeigt. Was dem neuen „Joker“ also fehlt, ist die Lebensenergie und Wildheit des ersten Teils, die dort dank ihrer Verankerung in der „Realität“ so viel dringlicher gewirkt hatte als in allen Comicverfilmungen bisher.
Was man ihm aber nicht abstreiten kann: dass er immer noch versucht, die Geschichte eines echten Menschen in tiefer Verzweiflung zu erzählen.
Nur dass der Joker diesmal nicht die Welt brennen sehen will, sondern sie nur tanzen.
Und auch daran scheitert. (5/10)
Pretty Lethal (2026, Vicky Jewson)
auf Amazon Prime
„Hostel“ but with Ballerinas wäre ja eigentlich eine ganz schöne Idee, aber „Pretty Lethal“ nervt von Beginn an mit seinen verzogenen Gören von der Ballettschule auf dem Weg durch ein ungarisches Hinterland. Wildes Overacting aller Beteiligten, Klischee-Ostblock-Bösewicht-Gesichter und schlicht zu wenig gute Einfälle, der Grundidee den nötigen Camp-Faktor zu geben, machen „Pretty Lethal“ dann doch zu einer Enttäuschung.
Mehr als eine schön choreographierte, natürlich völlig absurde Kampf-Tanz-Sequenz als seine beste visuelle Pirouette hat der Film leider nicht zu bieten. (5/10)
The Big Heat (1953, Fritz Lang)
zur Leihe
Ein Fritz Lang – Film aus seiner amerikanischen Exilphase, demnach mehr als Auftragsarbeiter denn als Auteur wirkend. Dennoch bleibt Lang immer Künstler und verschafft seinem Hard-Boiled-Cop-Thriller eine unvermutete emotionale Tiefe.
Das Sehnen nach einem guten Leben, einem Rauskommen, einem Ankommen durchzieht die meisten der Figuren. Wunderbar zudem wie Lang in wenigen Pinselstrichen das Bild einer glücklichen Familie mit kleinem Kind zeichnet – um die Fallhöhe zu erreichen, die den folgenden Verlust so viel schmerzlicher spürbar werden lässt und damit auch die Motivation des in Ungnade gefallenen Polizisten, alles für seine Rache zu tun. Das habe ich – bei diesem ja nun wirklich oft benutzten Trope – in dieser zärtlich-nachvollziehbaren Art so noch nie gesehen.
Das Ende ist in seiner emotionalen Härte zudem bemerkenswert. Ein gefallener Engel in seinen letzten Momenten, ein vom Verlust gepeinigter Polizist und ein Erzählen von den besseren Zeiten auf der anderen Seite eines Lebens als letzte Ahnung von Glück.
„Big Heat“ ist als Thriller gar nicht mal so überzeugend, als emotionales Drama aber fabelhaft. (7/10)
Toter Winkel (2017, Stephan Lacant)
in der ARD Mediathek
Offensichtlich NSU-inspirierte Thriller-Aufarbeitung einer neonazistischen Untergrundbande. Die 2018 bei den International Emmy Awards als Bester Fernsehfilm nominierte ARD-Produktion überstrapaziert das Unwissen der „guten“ Akteure etwas sehr, steht im Mittelpunkt doch ein Vater-Sohn-Konflikt, während dem Herbert Knaup aus allen gutbürgerlichen Wolken fällt, wenn sich die Anzeichen verdichten, dass sein Sohn ein mordender Rechtsradikaler ist.
Insgesamt ordentlich, aber auch recht öffentlich-rechtlich. (5/10)
The War of the Worlds: Next Century (1981, Piotr Szulkin)
auf Mubi
Die überdrehte „Farce“ ist einfach das Genre, mit dem ich am meisten struggle. Theoretisch ist diese, im kommunistischen Polen von 1981 gedrehte Allegorie über die Gleichschaltung von Medien und der Errichtung eines totalitären Regimes durch die Ankunft von Marsianern natürlich politisch ein überaus interessanter Ansatz, aber das ständige Grimassieren und Over-The-Top-Spielen nagt so hart an meinen Nerven, dass es wirklich ein Stück Arbeit war, den Film durchzustehen. (3/10)