vonChristian Ihle 28.06.2026

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Werewolves on Wheels (1971, Michel Levesque)
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Einer der besten Filmtitel überhaupt: „Werewolves on Wheels“! (im Deutschen dagegen „Blutnacht des Teufels“, gähn).

Der Streifen selbst ist leider nicht ganz so wild wie Filmname oder auch die Tagline „if you’re hairy, you belong on a motorbike“ suggerieren, aber wer einen Biker-Fetisch hat, dürft hier ähnlich feuchte Höschen bekommen wie bei „The Girl On A Motorcycle“, so schön wird hier in grobkörnigem 70ies Style die Motorradgang beim Cruisen durch die Weiten Amerikas gezeigt.
Ansonsten unspektakulärere Bikerploitation als erwartet mit wirklich sehr wenig Plot oder Inhalt, aber stilistisch ein gelungenes B-Movie. (6/10)

Tom Clancy’s Jack Ryan: Ghost War (2026, Andrew Bernstein)
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Wahrscheinlich muss man diese Action-Streifen der großen Streamer einfach als die Straight-To-Video-Regalauffüller betrachten, die sie in der modernen Welt auch sind. Nur: für den achten van Damme und neunten Chuck-Norris-Aufguss hat damals keiner 100 Millionen im Ofen verbrannt wie hier Amazon Prime für ihre neueste Jack-Ryan-Intellgenzbeleidigung.

Und das ist zudem schade, denn diese Figur war ja mal im Zentrum eines der interessanteren, immer wieder unabsichtlich Abzweigungen nehmenden Charakter-Franchise des Action-Hollywoods der 90er – zunächst ganz hervorragend mit Alec Baldwin vs Sean Connery im „Jagd auf Roter Oktober“, danach zweimal mit Harrison Ford und selbst die 2002er Variante mit Ben Affleck ist unterschätzt.

In „Tom Clancy’s Jack Ryan: Ghost War“ (fixer Kandidat für unelegantesten Filmtitel des Jahres!) ist aber John Krasinski in der Hauptrolle nicht nur völlig blass und uninteressant, sondern auch die ganze Geschichte so vermurkst geschrieben, dass sie letztlich selbstredend nur in einem Hochhaus in Dubai bei sinnlosem Geknalle enden kann.
Nicht einmal für einen verkaterten Sonntagnachmittag tauglich. (3/10)

Good Boy (2025, Jan Komasa)
im Kino

Nach einem starken Beginn, der eine Exzess-Nacht in all ihrer Verderbtheit wie Gaspar Noe light durchfeiert, setzt „Good Boy“ ein großes Stoppschild und beginnt in einer weirden Ersatzfamilien/Erzwungener-Rehab – Konstellation ganz langsam von Neuem.

Für mich war vor allem problematisch, dass ich mir nie recht die Motivation der Rehab-Erzwinger zusammenreimen konnte und sich so „Good Boy“ mehr wie eine theoretische Idee aus dem Lanthimos-Scrapbook denn als ein ausformulierter Film angefühlt hat.

Mit seinen gelungen polnischen Produktionen „Corpus Christi“ und „The Hater“ kann Jan Komasas zweiter internationaler Film nicht mithalten. (5/10)

The Goldman Case (2023, Cédric Kahn)

„The Goldman Case“ behandelt die reale Gerichtsverhandlung eines wegen Mordes angeklagten Linksterroristen im Frankreich der 70er. Interessant ist dabei, dass Goldman zu den meisten seiner Taten freimütig steht, lediglich verneint, einen ganz konkreten Doppelmord begangen zu haben.

Wie schon in „Anatomy Of A Fall“ hinterlässt das französische Gerichtssystem den Eindruck einer expressionistischen Theatervorführung, ist total wild. Zwischenrufe, ungebetene Monologe, weitreichend abschweifende Befragungen („wie erklären Sie sich die Leidenschaft des Angeklagten für die karibische Kultur?“) und pathosgeladene Reden verbinden sich zu einem Schauspiel, das dem nüchternen deutschen Gerichtssaal wesensfremd scheint.

Die Stärke des quasi-dokumentarisch gedrehten Films liegt in seiner Hauptfigur, dem streibaren, selbstbewussten, ideologieverliebten Moralisten Pierre Goldman, der von Arieh Worthalter ganz hervorragend verkörpert wird. (6/10)

Black Adam (2022, Jaume Collet-Serra)
zur Leihe

Es beginnt schon schrecklich: ein Exposition-Dump, der hässlichen CGI-Overkill mit unablässig plapperndem Off-Kommentar unterlegt und eine verworrene Geschichte um bösen König, mächtige Zauberer und eine Sklavenrevolte gone wrong erzählt.

Im weiteren Verlauf verheddert sich „Black Adam“ hoffnungslos in der Problematik, dass der titelgebende Held zugleich ein zorniger Gott und unsere sympathische Hauptfigur sein soll. In all dem alttestamentarischen Furor fühlen sich zudem die augenzwinkernden Dialoge gänzlich fehlplatziert an.

Das Beste, was man über „Black Adam“ noch sagen kann: wenigstens in seiner Idee will er kein sqeaky-cleanes „Marvel“-Abenteuer sein, sondern Vielschichtigkeit zulassen und Gewalt spürbar machen. Dass ihm das gelingt, kann man aber wirklich nicht sagen. (3/10)

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