Jane Austen’s Period Drama (2024, Julia Aks, Steve Pinder)
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Dieser oscarnominierte Kurzfilm ist eigentlich nur ein längerer Menstruations-Sketch, aber erstens mit Attitude, zweitens wirklich witzig und drittens in allen Rollen mit hervorragendem komödiantischem Timing gespielt.
Der erste Joke steckt natürlich schon im Titel, denn „Period Drama“ ist ja der englische Begriff für „Kostümdrama“, meint hier aber eben das Drama, das die Periode verursacht, wenn sie ausgerechnet im Moment des Heiratsantrags mit ihren Blutschlieren die austen’sche Romantik aushebelt. 12 sehr unterhaltsame Minuten. (7/10)
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Two People Exchanging Saliva (2024, Natalie Musteata, Alexandre Sing)
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Ein wunderbar weirder oscarnominierter Kurzfilm, der in einer seltsamen Zukunft spielt. Küssen verboten, Knoblauch-Kaugummi erwüscht und bezahlt werden Waren oder Taxifahrten mit Schlägen ins Gesicht, weswegen blaue Flecken auf der Wange ein schickes Zeichen sind, zu gutbetuchten Kreisen zu gehören. Das alles ist in schönem Schwarz-Weiß gefilmt und trotz seiner Absurdität mit nonchalanter Ernsthaftigkeit gespielt – bis zum tragischen Ende, wenn eben doch das Sehnen nach einem feuchten Kuss größer wird als die Angst vor der tödlichen Bestrafung. (6/10)
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The Singers (2025, Sam Davis)
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Erinnert sich noch jemand an das PUMA-Marketing-Video, in dem eine Gruppe Hools in einer Kneipe „Truly Madly Deeply“ sangen und alle ganz berührt waren von der rohen männlichen Kraft, die für einige Sekunden Verletzlichkeit durchscheinen ließ?
„The Singers“ ist quasi diese Idee als oscarnominierter Kurzfilm. Eine Dive-Bar, grizzlygste Grizzlybarbären sitzen am Tresen, saufen, rauchen, männerfoppen sich hin und her – bis jemand zum Gesangswettbewerb herausfordert und einer nach dem anderen die Hemmungen fallen lässt, seinen zarten Kern zeigt und aufs schönste in den Nebel der Rauchschwaden singt.
Nett und ein wenig touching. (6/10)
Herz aus Glas (1976, Werner Herzog)
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„Herz aus Glas“ gehört selbst im großen Werner-Herzog-Werk zu den schwierigsten, seltsamsten Filmen, die er je gedreht hat. Laut Herzog hatte er die komplette Darstellerriege während der Dreharbeiten hypnotisiert, was ihre immer weirde Performances erklärt (natürlich so eine typische Herzog-Geschichte, für die man den Film schon lieben will).
Auch hat „Herz aus Glas“ im Grunde keine Handlung und so war für mich praktisch undurchdringlich, was Herzog hier erzählen will. Dennoch gibt es natürlich genügend Szenen, die für sich genommen stark sind, aber „Herz aus Glas“ sind trotzdem sehr anstrengende 94 Minuten, in denen man andererseits auch genau 28mal Blondies gleichnamigen Hit hören könnte und so womöglich etwas mehr Spaß im Leben hätte. (4/10)
Nackt über Leichen (1969, Lucio Fulci)
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„Nackt über Leichen“ ist ein früher Film Lucio Fulcis, der den Namen nach (Nackt, Leichen, Fulci) „Giallo“ sagt, aber im Grunde ein Krimi-Drama ist, das auf einen großen Twist hinarbeitet. Entgegen seines Titels hat Fulcis Film von 1969 durchaus ernste Töne, beschreibt das Drama einer Ehe, die in Kälte erstarrt, und die Gewissensbisse des traurigen, aber fremdgehenden Mannes. Zwar sind tatsächlich genügend Nackedeis zu sehen, um den Titel zu rechtfertigen, doch „Leichen“ ist eigentlich eine Übertreibung, tendiert der Bodycount doch gegen 1.
Stilistisch ist Fulci hier in seinem Doppelgänger-„Vertigo“-Versuch in Höchstform, er filmt ein San Francisco in größtem Style. Der des Mordes verdächtige Doktor braust in schönsten Sportwagen und bestsitzenden Anzügen durch die Gegend, dazu spielt Riz Ortolani funky Lounge-Jazz und die Stripclubs bieten künstlerisch hochwertige Performances dar.
Im Grunde hätte der Film seinen Mega-Twist am Ende gar nicht benötigt (der sich zumindest in Teilen auch schon früh abzeichnet). Unsubtil auch wie in einer Schlußrede einer der Protagonisten noch einmal erklärbärig durch den Film führt. Andererseits ist das Ende so kalt und deprimierend wie die Ehe zu Beginn, was „Nackt unter Leichen“ wieder eine Ernsthaftigkeit verleiht, die man ihm vielleicht nicht auf den ersten Blick zutrauen würde. (7/10)
The Unfaithful Wife (1969, Claude Chabrol)
Chabrol in seinem Element – und in Höchstform.
Bei einem bourgeoisen Ehepaar kriselt es, ER vermutet, dass SIE fremdlustiert. Als er einen Detektiv engagiert und einer augenscheinlichen Affäre auf die Spur kommt, überdeckt zunächst Neugier und Höflichkeit den animalischen Besitz-Drang, der sich letztlich doch Bahn bricht. Als es um die Beseitigung des Problems geht, zeigt sich aber doch wieder, dass Status und Wohlstand der Bourgeoisie im Zweifel wichtiger sind als Moral und Anstand – egal welchen Geschlechts der Großbürger letztlich ist. (7/10)
Geister (2024, Hans Henschel)
Könnte durchaus interessant sein: der verstorbene Kumpel kehrt zurück (ob eingebildet oder nicht) und verdiskutiert die Fehlentscheidungen und falschen Abzweigungen seines Lebens. Für mich war die Mischung aus sehr behutsamer Erzählung und doch recht lauten Charakteren schwierig, mehr Nervpotenzial als ich benötigt hätte. (4/10)