Miroirs No. 3 (2025, Christian Petzold)
auf mubi
Eine milde Enttäuschung von Petzold direkt nach seinem Karriere-Höhepunkt „Roter Himmel“ (unser Film des Jahres 2023). „Miroirs No. 3“ wirkt mehr wie eine kleine Fingerübung in der Petzold’schen Filmographie durch das die Echos seiner vergangenen Werke hallen – von „Wolfsburg“ über „Yella“ zu „Roter Himmel“. Doch gerade diese Echos stärkerer Filme lassen „Miroirs No. 3“ kleiner erscheinen.
Für sich genommen erzählt Petzold hier eine ruhige Geschichte über Verlust und die verschiedenen Möglichkeiten, das tiefe Loch in einem Selbst zu füllen. Doch fehlt diesmal in der schön gefilmten Ruhe die darunter brodelnde Emotion, die seine oben genannten früheren Filme bei aller Kragheit so treffend werden ließen. (5/10)
Louis Theroux: Inside the Manosphere (2026, Adrian Choa)
auf Netflix
Louis Theroux, der ja berühmt dafür ist, die große Entlarvung in seinen Dokumentationen geschickt voranzutreiben, scheitert letzten Endes doch am Endgegner Manosphere.
Ähnlich wie bei Donald Trump verfängt hier eben keinerlei Kritik, die auf einem common sense oder wenigstens einem gemeinsamen moralischen Boden fußt. Diese Geldausdertaschezieher und Menschenverachter kümmern sich nicht darum, wenn sie jemand genau so bezeichnet. Ein Schulterzucken und weiter geht’s, das Podcastmikro wird in der Echokammer auf 11 gedreht
Die Stärke der Doku liegt deshalb auch eher darin, Zuschauern, die diese Szene lediglich dem Namen nach kennen, sich aber nicht die Podcasts antun, in aller Deutlichkeit den moralischen Bankrott dieser Menschen in jeder Hinsicht vor Augen zu führen und deutlich zu machen, dass das keine harmlosen Clowns sind, sondern in ihrer Wirkung auf junge Männer eine ungesunde Macht besitzen (wie mehrfach in diesem Film bei Straßenbegegnungen zwischen Influencern und Fans deutlich wird). (6/10)
Ich weiß was du letzten Sommer getan hast (2025, Jennifer Kaytin Robinson)
auf Netflix
Mehr dritter Teil als Re-Boot der „Sommer“-Reihe, die damals im Fahrwasser von „Scream“ die meta-Ebenen-freie, trashige Variante des Teenie-Slashers auf die Leinwand brachte. „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ gibt sich einige Mühe, die alten Helden – Freddie Prinze Jr, Jennifer Love Hewitt & Sarah Michelle Gellar – in der neuen Welt zu verankern, auch wenn der letzliche Twist dann wirklich an den Gel-Haaren herbeigezogen ist.
Kompetent genug gemacht, um bei allem Story-Unsinn und Spannungsfreiheit stumpfe Unterhaltung zu bieten. (5/10)
Working Girls (1986, Lizzie Borden)
auf mubi
Lizzie Bordens zweiter Spielfilm nach dem feministischen Punk-Streifen „Born In Flames“ wirft einen Blick auf einen Werktag im Leben von Sexarbeiterinnen.
Borden erzählt von einem langen, öden Tag in einem Apartment, in dem am Ende die Freier fast weniger schlimm erscheinen als die Puff-Mutter, die mit kapitalistischer Ausbeutung ihre Working Girls an den Rand des Erträglichen bringt.
Ein eher nüchterner Blick, der weder Sex noch Sexarbeit skandalisiert, aber die ökonomischen Umstände anklagt. (6/10)
Retirement Plan (2024, John Kelly)
auf Disney+
Oscarnominierter Kurzfilm, der mit trockenem Humor all die liegengebliebenen Sachen eines Lebens (endlich alle ungelesenen E-Mails öffnen!) in einer Fantasie für die Zeit der eigenen Rente aufzählt.
In der Animation weniger stark als in der Grundidee und das ständige Klaviergeklimper im Hintergrund hat mich fast in den Wahnsinn getrieben. (6/10)
The Girl Who Cried Pearls (2025, Chris Lavis, Maciek Szczerbowski)
in der arte mediathek
Bin stilistisch nicht der größte Fan von Stop-Motion-Puppen, die bei mir immer ein gewisses Creepyness-Level auslösen. Das beiseite geschoben, ist aber „Das Mädchen, das Perlen weinte“, der Oscar-Gewinner für besten animierten Kurzfilm, ein schön klassisches Märchen, das am Ende gar einen überraschenden Twist auffährt, der vielleicht etwas banal wirkt, aber doch das Wesen von Geschichten-Erzählung schön auf den Punkt bringt. (6/10)