vonChristian Ihle 31.08.2026

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Staatsschutz (2026, Faraz Shariat)
im Kino

Eine junge Staatsanwältin mit asiatischem Migrationshintergrund wird von Neonazis bei einem Brandanschlag verletzt. Ihre eigene Behörde verschleppt aber die Ermittlungen, so dass sie sich gezwungen sieht, auch mit illegalen Mitteln gegen die Nazi-Bande vorzugehen.

Sein Herz hat Faraz Shariats Film sicher am rechten bzw. linken Fleck, aber sein Film ist mehr laute Anklage als feine Erzählung. Viel wird in „Staatsschutz“ ausformuliert und die Zeichnung aller Charaktere ist in heftigstem Schwarz-Weiß gehalten. Das applaudierende Gerichtssaal-Publikum nach wertigen Reden kann hier als Illustration für fehlende Subtilität dienen. Sicher gut gemeint und zurecht auf die Strukturen wütend, aber dem Zuschauer nun wirklich nicht viel eigene Meinungsbildung zutrauend. (5/10)

Eine verhängnisvolle Affäre (1987, Adrian Lyne)
zur Leihe

Der Seitensprung eines glücklich verheirateten Anwalts wird zu einer sich dramatisch zuspitzenden Affäre, da die Geliebte nicht bereit ist, auf den Mann zu verzichten.

Vielleicht der Ursprungsfilm der berüchtigten Hochglanz-Erotik-Thriller-Dramen, die die End80er und frühen 90er auf der Leinwand dominierten*.

Adrian Lyne inszeniert seine „Verhängnisvolle Affäre“ stilistisch sehr seinem Entstehungszeitpunkt verhaftet, doch handwerklich solide. Kann man einmal akzeptieren, dass Glenn Close sich von einer freigeistigen Frau in der Blüte ihres Lebens urplötzlich in eine bipolare Furie verwandelt, zieht der Film seine Schlinge um Fehltritt-Douglas geschickt zu und eskaliert in schön kleinen Schritten weiter.

Interessant ist vielleicht noch die Frage, inwieweit der Frauenblick 1987 ein doch anderer war. Einerseits ja, aber eher auf der Anne Archer – Seite, die in einer undankbaren (aber von ihr mit Lebendigkeit gefüllten) Rolle als betrogene Ehefrau kaum über das naive Weibchen hinauskommen darf und selbst im Moment der Erkenntnis nur eine Minute Zorn vergönnt ist, bevor sie die nuclear family für ihren Mann retten muss. Entgegen meiner Erwartung lässt der Film aber den Charakter von Michael Douglas gar nicht so leicht vom Haken und ist mitnichten einfach ein Lamento über eine Frau, „die sich nicht so anstellen soll“ oder gar „es so wollte“. Douglas wird mehr als einmal im Film gestellt als Verursacher, der nun auch sein Süppchen bitte auszulöffeln habe (was, klar, natürlich auch eine eher alttestamentarische Perspektive bietet). (6/10)

* Kassenergebnis:
* Platz #1 Erfolgreichster Film des Jahres in Deutschland 1988 · 4,6 Mio Zuschauer ·
* Platz #2 Erfolgreichster Film des Jahres in den USA 1987 · 156 Millionen US-$ ·

1941 – Wo bitte geht’s nach Hollywood (1979, Steven Spielberg)
bei Netflix

Die Handlung spielt in Los Angeles, kurz nach dem Angriff der Japaner auf Pearl Harbor. Es kommt in der Stadt zu einer Massenhysterie und zu chaotischen Zuständen. In der Wüste in der Nähe der Stadt wähnt sich der paranoide Colonel Maddox von imaginären japanischen Fallschirmjägern umzingelt.

Berüchtigte Gurke in Spielbergs Filmographie – und das zu Recht, „1941“ ist sogar schlimmer als „E.T.“.
Herzlich holzhammriger Stumpfhumor um Kalifornien attakierende Japaner, überlang und unlustig. (2/10)

Kassenergebnis:
* Platz #9 Erfolgreichster Film des Jahres in Deutschland 1980 · 2,6 Mio Zuschauer ·
* Platz #22 Erfolgreichster Film des Jahres in den USA 1979 · 32 Millionen US-$ ·

Stiller (2025, Stefan Haupt)
bei Netflix

In den 1950er Jahren. Während einer Zugreise durch die Schweiz wird ein US-Amerikaner, der einen auf den Namen James Larkin White ausgestellten Pass besitzt, an der Grenze festgenommen. Man glaubt, er sei der vor sieben Jahren verschwundene Bildhauer Anatol Stiller, der wegen seiner Verwicklung in eine dubiose politische Affäre gesucht wird. White beharrt darauf, nicht Stiller zu sein.

Max Frischs Roman von 1954 ist eines der prägenden Literatur-Ereignisse meines Lebens. Wie auch im zehn Jahre später erschienen „Mein Name sei Gantenbein“ behandelt Frisch Fragen der Identität und was den Kern des jeweiligen Menschen letztlich ausmacht.

Eine Verfilmung ist gerade aufgrund der inneren Vielschichtigkeit dieses Buchs ein Wagnis und Stefan Haupt scheitert letztlich auch mehr als dass er gewinnt. Indem Haupt den Inhalt des Buches stark auf eine Romanze im Zentrum herunterkocht, macht er zwar das Buch verfilmbarer, aber verliert er auch viel von dessen Gedankenspielen und damit Kraft.

Man würde nach „Stiller“, dem Film, nicht vermuten, was „Stiller“, das Buch, zu geben vermag. (5/10)

Kassenergebnis:
* Platz #119 Erfolgreichster Film des Jahres in Deutschland 2025 · 110.793 Zuschauer

Leben und Sterben in L.A. (1985, William Friedkin)
auf amazon prime

Ganze zwei Tage vor seiner Pensionierung wird ein erfahrener FBI-Agent erschossen. Sein junger Partner Richard Chance (William L. Petersen) weiß genau, wer dahinter steckt: Der skrupellose und aalglatte Geldfälscher Eric Masters (Willem Dafoe).

Als wäre die Videospielreihe „Grand Theft Auto“ nach diesem Film geschnitzt worden!
Wie hier amoralische Cops, harte Verbrecher und das beide jagende FBI durch Los Angeles cruisen, fühlt sich wie eine frühe Vorwegnahme des GTA-Plots* an. William Friedkin liefert hier gut 15 Jahre nach seinem „French Connection“ ein weiteres Meisterstück eines Crime-Thrillers ab, das auch von einer tollen Besetzung mit Willem Dafoe als jungen Künstler/Verbrechermastermind und John Turturro als vermeintlichem Spitzel lebt. Gerade Turturro ist fabelhaft, zugleich hypernervös wie street smart.

Interessant auch die Begründung der deutschen Filmbewertungsstelle, die damals doch etwas überraschend „Leben und Sterben in L.A.“ das Prädikat „wertvoll“ zudachte: „Ob die dabei zutage tretende Betonung der exzessiven Gewalt als ein Stilmittel Ansätze einer Kritik an der amerikanischen Gesellschaft enthält, oder ob sie Selbstzweck ist, darüber konnte sich der Ausschuß nicht einigen“. (7/10)

* scheinen auch die Spiele-Entwickler zu wissen: „Grand Theft Auto IV features a specific mission named „To Live and Die in Alderney,“ and completing Grand Theft Auto V unlocks an achievement called „To Live or Die in Los Santos““

Kassenergebnis:
* Platz #51 Erfolgreichster Film des Jahres in den USA 1985 · 17 Millionen US-$ ·

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