vonSigrid Deitelhoff 09.05.2015

Prinzenbad-Blog

Freibad-Wetter, gefühlte Wassertemperatur, Gespräche und Gedanken unter der Dusche – der Blog über Deutschlands berühmteste Badeanstalt.

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Die Prinzenbad-Cafeteria übernimmt für Marlus James Grieve eine Patenschaft. Nein, dabei handelt es sich nicht um ein verloren gegangenes Freibad-Kind und auch nicht um den neuen Bäderchef, sondern um einen regionaltypischen Apfelbaum, der gestern auf der Cafeteria-Terrasse gepflanzt wurde.

Die Baumpatenschaft gehört zu einer Mitmachaktion, die zur Erhaltung von Streuobstwiesen in Ost-Deutschland beitragen soll. Initiiert wurden die 1-Jahres-Patenschaften von OSTMOST, einer neuen Getränkemarke aus Berlin.

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Cool kommt ihr Design daher. Die kubistischen Formen auf dem Flaschen-Etikett erinnern an Street-Art-Kunst. Und das ist auch so gewollt. Bernd Schock, Dennis Meier und Paul Döcker, die OSTMOST-Macher verfolgen mit dieser und ähnlichen Aktionen, wie z.B. Pflanz-Events und Baumschnittkurse, eine neue Marketing-Strategie. Mit ihrer Facebook-Seite sollen speziell Junge Leute erreicht werden. Da die Mostherstellung durch die Anzahl der Streuobstwiesen begrenzt ist, gibt es die Säfte nicht im Handel, sondern ausschließlich in der Gastronomie, vorzugsweise in der Szene-Gastronomie – also folglich auch in der Prinzenbad-Cafeteria. Na, da staunt ihr, was?!

Aber die OSTMOST-Erfinder haben über den Verkauf ihrer Säfte hinaus auch noch eine Botschaft, erklären sie mir im Interview. Es geht nicht nur um die Saft-, Schorle- und Cider-Herstellung, sondern um stark bedrohte Streuobstwiesen im Osten Deutschands, die sie mit ihrer Mostherstellung, dem Verkauf und der Saft-Nachfrage erhalten wollen. 80 Prozent dieser Flächen, die auch für eine Kulturlandschaft und Artenvielfalt stehen, wurden in den letzten 50 Jahren abgeholzt. Ein Streuobstbaum dient als Lebensraum für über 1.000 Tier- und Insektenarten und braucht ca. 30 Jahre bis zur vollen Ertragsfähigkeit.

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„Auch das ist Nachhaltigkeit“, erzählt mir Bernd Schock. „Jetzt alte, historische Apfelbäume wie z.B. Minister von Hammerstein, Schafsnase oder Geheimrat Dr. Oldenburg zu pflanzen, bedeutet, dass die nachfolgenden Generationen etwas davon haben werden.“ Die bio-zertifizierten Streuobstwiesen in Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen tragen dazu bei, dass seltene regionaltypische Apfelsorten nicht in Vergessenheit geraten. Die Landwirte und Initiativen dieser Streuobstwiesen werden deutlich (doppelt) über dem marktüblichen Durchschnitt für ihre Äpfel bezahlt. Darüberhinaus gibt es übrigens auch noch einen gemeinnützigen Verein „Äpfel&Konsorten“, der sich für den Schutz, Erhalt und die Neupflanzung von Streuobstwiesen in der Region Berlin-Brandenburg einsetzt.

Und wie entstand die Idee zu OSTMOST, will ich wissen? Bernd Schock, einer der Initiatoren, hat lange im Bereich Umweltsponsoring gearbeitet. Während eines Afrikaaufenthalts beobachtete er, wie Menschen Essen für sich aus dem Regenwald herausgeholten. Diese Verbindung von Natur, Tiere, Menschen, Pflanzen und Nahrungsmitteln hätte ihn fasziniert, erzählt er mir. Auf Mittel-Europa übertragen, seien Streuobstwiesen die kleinsten Regenwälder Deutschlands. So wäre die Idee zu dem Projekt OSTMOST entstanden: Erhalt und Pflege von öko-zertifizierten Streuobstwiesen, Artenvielfalt, Nachhaltigkeit und die Herstellung von Bio-Säften, jenseits der Massenproduktion, würden sich sinnvoll ergänzen.

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Marlus James Grieve aus dem Prinzenbad wird 2016 nach einem Jahr Patenschaft in einer Brandenburger Streuobstwiese eingepflanzt. Wer dabei sein möchte, kann sich bei OSTMOST erkundigen, wann und wo die Jugendweihe von Marlus und anderen gleichaltrigen Apfelbäumen stattfinden wird.

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Übrigens: Der Apfelmost schmeckt wirklich gut. Ich habe ihn getestet. Interessant ist er vielleicht auch für Apfelallergiker. Alte, historische Sorten sind meistens besser verträglich als neue Apfelzüchtungen.

Alle Fotos: ©Sigrid Deitelhoff

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