vonSigrid Deitelhoff 03.09.2020

Prinzenbad-Blog

Freibad-Wetter, gefühlte Wassertemperatur, Gespräche und Gedanken unter der Dusche – der Blog über Deutschlands berühmteste Badeanstalt.

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Viele Badegästen reiben sich verwundert die Augen, dass im Prinzenbad so fleißig trainiert wird. Warum ist das Schwimmtraining und speziell das Techniktraining so beliebt? Diese einfache Frage ist schnell gestellt, die Antwort sehr komplex und fällt je nach Schwimmtyp unterschiedlich aus.

Meine Antwort lautet: Schwimmtraining und insbesondere Detailtraining ist Selbsterfahrung pur. Ja, ihr habt richtig gelesen. Das meine ich ernst. Okay, ein grobmotorisches Basic-Training, dass auf Schnelligkeit, eine größere Ausdauer und Kraft abzielt, mag noch bei den verschiedenen SchwimmerInnen ähnlich aussehen. Aber sobald das Schwimmtraining spezielle Übungen beinhaltet, gestaltet es sich je nach Körperbau und Mentalität der SchwimmerInnen sehr unterschiedlich.

Wann ist der Brustbeinschlag zielführend für den Antrieb? Wieviel Sekunden vor dem Armzug sollte er stattfinden? Ist der Zeitpunkt von der Ausdehnung des Brust-Armzugs abhängig? Diese und weitere Feineinstellungen sind vom Schwimmtyp abhängig.

Ein Kraularmzug im Zusammenspiel mit der Rotation des Körpers, die Haltung und die Tiefe des Eintauchens der Hand, die Anzahl und der Rhythmus der Beinschläge  pro Kraularmzug kann im Detail je nach SchwimmerIn extrem unterschiedlich sein und im Ergebnis zu großen Zeitunterschieden führen. Was für den einen oder die andere zur Verfeinerung der Schwimmlage führt, kann sich bei anderen gegenteilig auswirken. Anfangs ist es wichtig, zu experimentieren, so meine Einschätzung.

Ich bin zum Beispiel mit einem 2er Beinschlag schneller als mit einem vierer oder sechser Beinschlag. Das mag unlogisch klingen, hat aber etwas mit meinem Körperbau, meiner Mentalität, Wasserlage etc. zu tun. Sobald ich mit einem 6er Beinschlag schwimme, verschleppe ich den letzten Beinschlag. Gut, das macht Michel Phelps auch, was ich natürlich gerne erwähne, seit mein Schwimmtrainer mich darauf aufmerksam gemacht hat. Trotzdem bin ich mit einem 6er Beinschlag sehr viel langsamer als Michel Phelps, aber mit meinem 2er Beinschlag auch nicht schneller als er. Er trainiert natürlich mehr, hat einen anderen Körperbau und eine andere Schwimm-Mentalität etc. Okay, das führt jetzt zu weit. Was ich aber eigentlich mitteilen möchte ist: Jeder und jede von uns macht die Erfahrung, dass wir bei noch so kleinen Detail-Veränderungen eine andere Körperwahrnehmung erfahren, eine andere Haptik haben und durch kleinste Veränderungen in der Lage sind, unseren Schwimmstil zu verbessern.

Ab und an stehe ich am Beckenrand und beobachte meine MitschwimmerInnen. Ich sehe Schwimmer, die auf Wassers platschen statt mit der Hand einzutauchen und die zum Beispiel windmühlenartig durchs Becken kraulen. Oft denke ich, dass die Veränderung nur weniger Details vielleicht nicht nur zu einem schöneren, sondern auch schnelleren Schwimmen führen würde. Aber das ist nur eine Vermutung. Es könnte auch genau das Gegenteil der Fall sein. Vielleicht passt dieser grobe Schwimmstil genau zum Körperbau und zu der Mentalität der betreffenden Schwimmer, die ansonsten absaufen würden.

Foto oben: ©Sigrid Deitelhoff

 

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