vonSigrid Deitelhoff 04.06.2021

Prinzenbad-Blog

Freibad-Wetter, gefühlte Wassertemperatur, Gespräche und Gedanken unter der Dusche – der Blog über Deutschlands berühmteste Badeanstalt.

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Was waren das für Zeiten?! Je nach Alter werden sich einige Kinder nicht mehr daran erinnern. Wir PrinzenbadlerInnen konnten damals einfach im Laufe des Tages am Eingang eine Eintrittskarte kaufen, wohl gemerkt mit Bargeld. Wir konnten einfach ins Freibad gehen, wie es uns in den Sinn kam. Entstand an heißen Sommertagen eine Schlange vor dem Einlass, mußten wir keinen Abstand halten, sondern konnten uns dichtgedrängt unterhalten.

Erinnert ihr Euch? Einige von uns hatten auch eine kleine Plastikkarte dabei, die für die ganze Saison oder für ein Jahr galt. Wir konnten die Karte am Drehkreuz in einen Schlitz stecken und waren einige Sekunden danach im Prinzenbad. Unsere Kleidung konnten wir in einen Spind einschließen. Manche von uns waren genervt, wenn „ihr Spind“ (ein Spind mit einer bestimmten Nummer, die sie sich merken konnten) schon belegt war. Diese Luxusansprüche scheinen aus einem anderen Jahrhundert zu stammen. Und bei kalten Wetter föhnten wir uns die Haare, statt eine Mütze aufzusetzen.

Den Eingang zum Becken nutzten wir auch als Ausgang. Keine langen Umwege mußten wir in Kauf nehmen, um zur Cafeteria zu gelangen. Nach dem Schwimmen gönnten sich einige von uns unter der Rutsche eine Duschmassage. Ja, das waren noch Zeiten…

Es war möglich, vor oder auch nach dem Training warm zu duschen, sogar mit Duschgel, Haarschampoo und allem was zu einer Wellness-Dusche dazugehörte. Wir durften uns auf den Steinfliesen zwischen den Schwimmbecken aufhalten, uns dort sonnen und auch dichtgedrängt auf der Wiese liegen. Und es gab die Möglichkeit, in der Cafeteria an kleinen Tischen zu sitzen und den Gesprächskreis mit jedem neuen Bekannten, der sich uns anschließen wollte, zu erweitern. Unsere Speisen probierten wir gegenseitig, Salz und Pfefferstreuer durften wir benutzen. Matze und Daggi konnten wir ins Gesicht sehen und ihre Mimik deuten. Wir wußten, wann sie müde, wann genervt oder gut gelaunt waren. Aber auch alle anderen FreibadlerInnen trugen keine Masken und wir erkannten uns gegenseitig sofort.

Ich wünsche mir (und vermutlich nicht nur ich) das einfache Prinzenbad-Leben zurück. Ach, war das damals unkompliziert. Ich brauchte keine verschiedenen Handy-Ordner, um Testbuchungen, Testergebnisse, Online Buchungen etc. zu verwalten. Keine Panik erfasste mich, dass ich schon wieder die falsche, sprich die aktuelle Buchung gelöscht hatte. Ich musste mir keinen Wecker stellen, um rechtzeitig zu buchen und/oder das gewählte Schwimm-Zeitfenster zu erreichen. Keine Überlegungen anstellen, welchen Slot ich an welchem Tag buchen sollte.

Aber ich kann mich auch noch genauso gut an die überfüllten Schwimmbecken erinnern, in denen bei schönem Sommerwetter nur Stehschwimmen möglich war. Und das ist die andere Seite der Geschichte…

Foto oben: ©Fanny Cathrin Melle

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https://blogs.taz.de/prinzenbad/2021/06/04/do-you-remember/

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kommentare

  • Die testpflicht ist ab heute aufgehoben, ein kleiner Schritt in Richtung Normalität. Ich hoffe, dass es weitere Schritte gibt, heiße Duschen wären für den Anfang toll ;-), längere Zeitfenster (inklusive mehr Schwimmern natürlich) wären auch nicht zu verachten.

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