vonSchröder & Kalender 18.04.2016

Schröder & Kalender

Seit 2006 bloggen Schröder und Kalender nach dem Motto: Eine Ansicht, die nicht befremdet, ist falsch.

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Der Bär flattert in westlicher Richtung.
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Schröder-erzählt, Problem erkannt, Jörg Schröder, Foto: Barbara Kalender
Die neue Folge von ›Schröder erzählt‹ mit dem Titel ›Problem erkannt‹ ist fertig. Es ist die 64. Ausgabe unseres Gesamtwerks, welches seit Mai 1990 erscheint. Dieses Mal ist die Titelillustration von Via Lewandowsky, ›Zu spät‹, 2001, Acryl auf Leinwand.

Wie immer haben wir die Sendungen in sechs Fuhren über den Bundesplatz zur Post gerollt. Für das Auslieferungsfoto steht Jörg Schröder vor unserem Lieblingschinesen am Bundesplatz. Denn im Shi Hoo kam es zu einer ungewöhnlichen Begegnung, die in ›Problem erkannt‹ geschildert wird. Mehr darüber erfahren natürlich nur unsere Subskribenten.

Jörg Schröder vor dem Shi Hoo, China-Restaurant, Foto: Barbara Kalender

Bei dieser Gelegenheit wollten wir endlich mal wissen, was »Shi Hoo« eigentlich bedeutet. Eine web-based translation ergab die Übersetzung »Spring rein«. Das kam uns aber absurd vor. Deshalb baten wir den Autor und Freund Christian Y. Schmidt um Hilfe, er lebt mit seiner Frau Yingxin Gong in Peking. Christian antwortete postwendend:

»Liebe Barbara, lieber Jörg, schön von Euch zu hören. Wenn Chinesisch so einfach wäre, wie Ihr Euch das denkt, dann könnte ich es natürlich schon längst. Aber die Silbe „Shi“ gibt es wahrscheinlich mit 50 oder 60 verschiedenen Bedeutungen im Chinesischen, und die Silbe „hoo“ gibt es eigentlich gar nicht, zumindest nicht in der aktuellen Umschrift. Eure zwei Silben könnte also noch nicht einmal der beste Sinologe der Welt übersetzen.
Um etwas aus dem Chinesischen zu übersetzen, braucht man die Schriftzeichen. Das sind die einzigen – nahezu – eindeutigen Bedeutungsträger. Ich habe also schnell mal die Fassade des Restaurants gegoogelt. Blöd, dass irgendein Datenschutzfreak das Haus hat unkenntlich machen lassen. Aber es gibt ein Foto von dem Restaurant im Netz. Und auf diesem Foto sind auch die Schriftzeichen drauf.
Demnach heisst das Restaurant auf Chinesisch nicht Shi hoo, sondern  „Xi hu jiu lou“. Wörtlich heisst das „Westsee Schnaps- bzw. Alkohol-Gebäude“. Gemeint ist damit: „Westsee Restaurant“. Die lateinische Verschriftlichung ist eine seltsame Mischung aus deutscher und englischer phonetischer Schreibweise.
Gut, dass ich meine Frau habe. Westsee habe ich zwar auch noch so gerade lesen können, aber die Schriftzeichen für jiu lou kenne ich leider noch nicht. Es ist aber auch eher eine, in Peking ungeläufige Bezeichnung für ein Restaurant.
Ich hoffe Euch gedient zu haben und grüsse Euch herzlich aus Peking Euer Christian.«
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Damit hatten Yingxin Gong und Christian uns tatsächlich gedient und als Zugabe erfuhren mehr über Hangzhou und die Kulturlandschaft des Westsees. Marco Polo nannte die Stadt »die schönste und großartigste der Welt«. Sie hatte im 13. Jahrhundert eine Million Einwohner und den größten Hafen weltweit. Heute ist die Bucht verlandet.
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Nach ›Allein unter 1,3 Milliarden‹ und ›Bliefe von dlüben‹ ist ›Im Jahr des Tigerochsen‹ das dritte China-Buch von Christian Y. Schmidt. Zum größten Teil beruht es auf Kolumnen, die auf der ›Wahrheit‹, der Satireseite der taz, erschienen sind. Und für alle, die mehr über China erfahren wollen als das, was sie sowieso schon wissen: Im Verbrecher Verlag erschien Christians neues Buch ›Im Jahr des Hasendrachen‹.
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CYS / BK / JS

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