vonFabian Schaar 30.03.2021

other society

Wie ist der Sprung in eine sozialere, gerechtere Zukunft möglich? Ein junger Mensch stellt sich Fragen.

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Rassismus, die strukturelle oder auch persönliche und allgegenwärtige, Unterdrückung und Diskriminierung von Menschengruppen wie People of Color oder Sinti und Roma ist ein massives Problem der heutigen Gesellschaft.
Und gerade in einer Zeit, in der George Floyd von einem rassistischen Polizisten ermordet wurde und Deutschland mitten im Polizeiproblem steckt, beklagen sich Privilegierte auf Twitter über „Rassismus gegen Weiße“! – Geht’s noch?!

Dass ein Rechtsruck in der Gesellschaft stattgefunden hat, ist unbestreitbar: Die AfD hat spätestens seit 2015 mit rechter Hetze „Erfolge“ gefeiert, die USA sind seit Trump so politisch gespalten, wie lang nicht (sozial wäre das ja nichts neues…). In einer WDR-Talkshow zum Thema wurde öffentlichkeitswirksam über rassistische Probleme gesprochen: Ohne aber auch nur eine:n Betroffene:n zu Wort kommen zu lassen wurde das Problem lieber heruntergespielt und legitimiert. Kurze Zeit nach der Talkshow trendet die Phrase „Rassismus gegen Weiße“ auf Twitter.
Einige Menschen weißer Hautfarbe beschwerten sich über Bezeichnungen wie „Kartoffel“ oder „Alman“, genauere Details möchte ich allen Leser:innen hier vorerst ersparen. Wie die Bildungsstätte Anne Frank in einer Reihe von Tweets bereits aufgeschlüsselt hat, kann von einem Rassismus gegen Menschen heller Hautfarbe allerdings nicht die Rede sein:

Zusammengefasst: Menschen heller Hautfarbe sind gerade in Deutschland massiv privilegiert, in allen wichtigen Ämtern in der Politik vertreten und haben nicht wirklich stark mit Racial-Profiling in Polizeikontrollen oder massiven und vollkommen unbegründeten Diskriminierungen im Alltag zu kämpfen, egal ob auf Wohnungssuche oder innerhalb der Gesellschaft. Weißen wird die Kombination aus Diskriminierung gepaart mit [unbegründeter] Macht kurz gesagt Rassismus nie zur Last fallen.

Soviel zu den richtigen und wichtigen Erklärungen der Bildungsstätte. Schaut mensch jedoch weiter sollte schnell klar werden: Selbst die Phrase „Rassismus gegen Weiße“ ist rassistisch! Denn Rassismus bedeutet grob gesagt die systematische, strukturelle und häufig allgegenwärtige, in jedem Fall aber massive Diskriminierung von bestimmten Menschengruppen, die sich in der Minderheitsposition gegenüber einer größeren und somit mächtigeren Gruppe Menschen befinden. Während letztere sich selbst als besser ansieht als die kleineren, so leidet diese Minderheit.

Was geschieht also, wenn eine unbegründet privilegierte Gruppe sich über die eigene „Diskriminierung“ aufregt? Nein, das ist nicht nur „im besten Fall albern, im schlimmsten Fall relativierend & senkt die Aufmerksamkeit für die Ursachen echter rassistischer Gewalt“, wie es die Anne Frank Bildungsstätte ausdrückt. Genau das ist rassistisch und sollte auch so benannt werden:

Durch die Aussage wird suggeriert, das Menschen heller Hautfarbe ja nicht in ihren Privilegien hinterfragt werden dürften, nicht durch sozial denkende Menschen, die die gleichen irrelevanten Äußerlichkeiten aufweisen aber erst recht nicht durch People of Colour oder andere zu Minderheiten Erklärten Menschen, selbst wenn diese nur wichtige Probleme ansprechen. Eine Gruppe Privilegierter schließt sich gegen die berechtigte Kritik der Diskriminierten zusammen und zerlegt diese. So wird also nicht nur der eigene Rassismus legitimiert:

Es zeigt die Wirkung der rechts(-extrem)-populistischen Hetze à la AfD und Konsorten und die dringende Notwendigkeit, genau diese Miturheber und Verteiler rassistisch Diskriminierender zu verurteilen und zu bekämpfen. Zu bekämpfen jedoch nicht mit den von ihnen präferierten Waffen, sondern mit Aufklärung und dem damit verbundenen Abschütteln des vereinnahmenden Opportunismus.

Rechte leben und fordern die Spaltung der Gesellschaft und begründen diese mit stupiden „Rassen“-Mythen. Es liegt also in der Pflicht einer und eines jeden für die Gleichheit und Freiheit aller Menschen, gegen spaltende Hetze und Unterdrückung jeder Art einzustehen. Und während das Farbige und andere unter Diskriminierung Leidende selbst in ihrer Position als Diskriminierte in der Regel tun, fühlen sich viele, zu viele, Menschen heller Hautfarbe noch viel zu wohl in ihrem jetzigen Stand oder wollen diesen noch ausbauen, wie am heutigen Twitter-Trend gut erkennbar wird. Natürlich nicht alle aber zu viele.

Gerade in der Position der Privilegierten ist es Pflicht, Diskriminierte auf Augenhöhe zu hieven, sodass rechte Menschenfeinde keine Chance mehr haben. Fakt ist: Rassismus gegen Weiße ist nicht wirklich existent, Rassismus gegen Minderheiten durch Menschen heller Hautfarbe aber allemal!

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https://blogs.taz.de/society/es-gibt-keinen-rassismus-gegen-weisse/

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