vonDetlef Berentzen 24.02.2014

Dr. Feelgood

Detlef Berentzen, Ex-tazler, Autor für Funk und Print, verbreitete hier „News“ der anderen Art. Gute zum Beispiel. Machte die Welt hör-und lesbar.

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Moin, Kalle! Also sechzig! Du warst immer etwas jünger als ich. Sowas ändert sich nicht. Wie auch? Ich bin dir vorausgelaufen. Irgendwann auch weggelaufen. Ende der 80er war das. Vorher saßen wir lange genug beieinander, nebeneinander, miteinander und gegeneinander,verschoben Zahlen und Gelder, planten das Unmögliche, stritten um den richtigen Weg, stolperten durch Krisen, standen wieder auf. Die Zeitung blieb. Schön war’s. Ich erinnere mich noch, wie wir uns das erste Mal sahen, in der Wattstraße, Wedding. Es war die Zeit, von der die Tornados sangen: „Ob sie heute kommt, ob sie morgen kommt, wer weiß?“ Die taz meinten sie und wir auch. Bis heute. Jedenfalls stand das Fenster im Büro weit offen, leise rieselte Schnee herein, du auf diesem Holzstuhl, der inzwischen zur Ikone geworden ist, trägst einen grünen Parka, schüttere blonde Haare und sagst: „Ach, du bist das!“ Ein bißchen schnippisch, ein bißchen zynisch, große Klasse! Dann wieder Schweigen.

Du hast sie alle kommen und gehen sehen – wie oft hast du den Kopf geschüttelt und ich auch und dann dieser Satz: „Alle entlassen!“ Wir hatten unseren Spaß!  Und unseren Ernst. Und den Tonio, den Bolle, Bernhard – eine verrückte Truppe. Die gibt es schon lang nicht mehr, aber dich und du bist, was bleibt! Und sollst bleiben! Irgendwann aber wirst du gehen, weil es genug ist. Rückst noch einmal die Brille zurecht, sagst ganz cool Tschüß und dann Richtung Elbe oder sonstwas. Jetzt aber planst Du erstmal Neues, den taz-tower vielleicht, den von Seyfried, jedenfalls bringst du die Entwicklung des Ladens einen Schritt weiter und zwar einen mächtigen. Man darf immer wieder auf dich und Deine Pläne gespannt sein.

Es ist nicht lange her, da saßen wir am Ufer der Spree, hinter der Auster, die Sonne schien und ich merkte, daß du ein wenig milder geworden bist, aber nicht ganz. Keine Bange, mein Alter, das steht Dir! Und zwar gut. Gückwunsch…..detlef

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