vonCaro 25.06.2019

Fotoblog Streetart

Geklebtes, Geschriebenes, Gesprühtes – es gibt Vieles, was die Straßen der Stadt erobert. Hier gibt es Fotos davon zu sehen.

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Seit ein paar Wochen geht es bunt und rege zu auf einer Brache, die sich an der Straßenecke Braunschweiger Str./Niemetzstr. in Berlin-Neukölln-Rixdorf (zwischen S-Sonnenallee und S-Neukölln) befindet. Sie wird ganz einfach „DaWoEdekaMaWa“ genannt, weil da eben vorher der Kiez-Edeka-Supermarkt stand.

Tag für Tag entstehen neue liebevoll gestaltete Beete, die aus Fundsachen gebaut werden. Pflanzen und Bäume werden gewässert und wachsen an, gemütliche Sitzmöglichkeiten werden aufgestellt. Jede*r bringt sich nach Möglichkeiten ein. Ein richtiges Kiezprojekt, das nicht von Außen gelenkt, sondern von den Anwohner*innen im Kiez gestaltet und belebt wird.

Keine Rendite mit der Miete„…dazu komme ich später!

Der eine schaut sich sein neu geschaffenes Kunstwerk an. Die nächste setzt noch ein paar Steine drauf.

Eine Anwohnerin arbeitet am Computer und ich komme mit meinen Kindern vorbei, um zu picknicken… um nur eine klitzekleine Auswahl und Momentaufnahme eines Freitag Mittags im Juni 2019 von den verschiedenen konkreten Nutzungen des Ortes zu nennen. Man kommt mit Nachbar*innen ins Gespräch und insgesamt sind sich alle einig, dass es ein unglaubliches Geschenk ist, jetzt und hier diesen Ort zu haben. In unserem Kiez gibt es eigentlich keine Parkfläche, auf der mensch sich einfach mal hinsetzen kann. Dieser Ort wurde nun hier geschaffen.

Was hat es eigentlich mit dieser Fläche auf sich?! Hier folgt nun eine kleine Chronologie der Ereignisse seit Februar 2019 und ein Ausblick dessen, was ist und was werden kann… wenn wir alle mitmachen! Denn hier steht mehr auf dem Spiel als nur ein schöner Nachbarschaftsgarten!

Stadt von unten“ und „Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum„. Genau darum geht es hier…

Anfang Februar 2019 wurde der ehemalige Edeka-Supermarkt nebst Parkplatz abgerissen, bereits vorher wurde per Schild angekündigt, dass an dieser Stelle sogenannte „Micro-Appartments“ gebaut werden würden.

Abrissarbeiten Anfang Februar 2019.

Micro-Living: Micro-Appartments mit Macro Aussichten“ werden angekündigt. Also konkret heißt das, dass der Plan ist, 149 Mini-Wohnungen zu bauen, die zu sehr hohen Preisen verkauft werden sollen. Dieses neue Konzept finde ich echt perfide: möglichst kleine Wohnungen, die zu einem extremen Preis verkauft werden und da die Wohnfläche so klein ist, fällt der teure Preis weniger auf.

Wer baut hier was für wen?“ wurde damals schon als Frage formuliert.

Die Antwort ist konkret auf diesem Plakat auf den Punkt gebracht „Microliving für Makro-Brieftaschen„. Aus dem Text: „Was zählt sind nicht die Bedürfnisse der Menschen, unsere Bedürfnisse hier vor Ort, sondern einzig der Profit.“ Das informative Plakat hängt seit ein paar Tagen am Zaun der Brache. Seit Ende Mai 2019 werkeln mehr und mehr Leute auf dem Gelände. Im April haben zwei Künstlerinnen einen Betonblock vor Ort gegossen und aufgestellt (siehe oben das Foto mit der Rendite mit der Miete).

Nebst der Forderung „Wohnungen für alle“ und die Einladung an alle Menschen, zum offenen Treffen Sonntags um 14 Uhr und Mittwochs um 18 Uhr vorbei zu kommen. Was konkret wirklich fehlt in unserem Kiez (der seit letzem Jahr unter Milieuschutz steht), sind bezahlbare Mietwohnungen (wie auch an so vielen anderen Orten in Berlin!) …denn die beiden großen Neubauprojekte der letzten Jahre in unserem Kiez waren ausschließlich extrem teure Eigentumswohnungen (z.B. „Ahoj Berlin“ – wer mal so richtig abkotzen möchte, möge sich diese Beschreibung mal konkret durchlesen).

Kotzstrahl“ passt zwar gut hier in den Kontext, war aber ehrlich gesagt, eine lustige Antwort auf einen markigen Spruch an der Wand des Edeka-Supermarkts vom „Jugendwiderstand“ (der sich vor Kurzem aufgelöst hat).

Was steht nun an?Anwohner*innen bleiben – Investoren vertreiben“ reimt sich zwar schön …aber wie konkret und aussichtsreich ist das?

Erstmal vor Ort präsent sein und die Zeit genießen! „Wir bleiben #DaWoEdekaMaWa! Sich informieren!

Am kommenden Donnerstag, 27.06.2019 findet ein geselliger Abend statt: Ab 18 Uhr Puppentheater mit Kasperle usw. (das Puppentheater vom Böhmischen Platz spielt auf), später gibt es gekochtes Essen von der „Prachttomate“ (Gemeinschaftsgarten in der Bornsdorfer Str.) und dann werden Kurzfilme über Mietenproteste gezeigt und diskutiert mit dem Filmemacher Matthias Coers. Am Sonntag, den 30.06. findet ein „Schenkemarkt“ (Umsonst-Flohmarkt) statt.

Und wie steht es ums große Ganze? Ich hab davon munkeln gehört, dass der Bezirk diesem Bauprojekt nur zugestimmt hatte, weil der Eigentümer versprochen hatte, dort neben den Eigentumswohnungen, auch eine Kita zu bauen. Davon sieht und hört man in den Plänen nichts mehr. Hier ist der Bezirk und die Politik gefragt, dieses Versprechen einzufordern, oder eben die Konsequenzen eines Baustopps zu ziehen. Oder neue Pläne für bezahlbaren Wohnraum vorzulegen. Oder uns einen Grünstreifen für alle zu ermöglichen… Möglichkeiten gibt es viele, jenseits von luxuriösen Eigentumswohnungen!!!

Bis bald bei DaWoEdekaMaWa!

Update: Am 25. Juni wurde der Platz geräumt.

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https://blogs.taz.de/streetart/2019/06/25/dawoedekamawa/

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kommentare

  • Hallo.

    hm…eigentlich wollte ich gar nicht auf diesen platt verallgemeinerden Post eingehen. Aber schließlich handelt es sich um meinen Wohnkiez und da fühle ich mich persönlich angegangen.

    Ja… das „Free Gaza“ wurde vermutlich vom „Jugendwiderstand“ dahin geschrieben. Die Wand existiert seit Februar 2019 nicht mehr – das kannst Du meinem vorherigen Post entnehmen…es war nämlich die Wand des Edeka-Markts, auf dessen Brache der Kiezgarten entstanden war. Über die letzten Jahre gab es viele Graffiti vom „Jugendwiderstand“ an den Wänden unseres Kiezes…aber auch extrem viele engagierte Leute, die völlig unterschiedlich darauf reagiert haben und in der Regel blieb egal welches Spruchgraffiti von dieser anti-imp Gruppierung keine 5min ohne Antwort (siehe „Kotzstrahl“, das ich im vorangegangenen Post kommentiert hatte). Genau diese Wand war immer Schauplatz von den widerstreitenden Meinungen. Und genau das ist das Gute an unserem Kiez: er hält Widersprüche aus! Damit scheinst Du ein Problem zu haben, in Deiner Welt steht ein mit Marker geschriebener (durchaus diskutabler, da bin ich einverstanden!) Spruch gleich für einen ganzen Kiez. Und es gibt mega viele engagierte Menschen, die dafür gesorgt haben, dass die gruppenfeindlichen Sprüche schnell verschwinden, durch den Kakao gezogen wurden, oder umgedeutet wurden. Ich habe die Wortwitze immer sehr geschätzt. Nun hat sich der Jugendwiderstand vor ein paar Wochen aufgelöst und er fehlt mir sicher nicht im Kiez! Aber daraus zu schließen, dass alle Anwohner*innen „judenfeindliche islamfaschistische Linksfaschisten“ sein sollen, ist einfach mal ausgemachter Quatsch und nicht haltbar. Die Gruppierung bestand aus ein paar wenigen Männeken und ich habe nicht ausmachen können (ganz im Gegenteil – den Antisprüchen an den Wänden des Kiezes zu urteilen), dass sie irgendeine Sympathie in unserem Kiez gehabt hätten.

    Und eine letzte Sache: Wenn Du mit Deinem Inhalt irgendwo ankommen willst…dann ändere mal bitte den Ton. Ich habe keine Lust auf solcherlei pauschale und verachtende Kommentare in meinem Blog.

    Grüße. Caro.

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