Ernst Volland
Fuck you Goethe. Meine Version
Teil 1
„Das Goethe-Institut e. V. ist das weltweit tätige Kulturinstitut der Bundesrepublik Deutschland. Wir vermitteln ein umfassendes Deutschlandbild durch Informationen über das kulturelle, gesellschaftliche und politische Leben in unserem Land. Unsere Kultur-und Bildungsprogramme fördern den interkulturellen Dialog und ermöglichen kulturelle Teilhabe. Sie stärken den Ausbau zivilgesellschaftlicher Strukturen und fördern weltweite Mobilität. Wir sind Partner für alle, die sich aktiv mit Deutschland und seiner Kultur beschäftigen und arbeiten eigenverantwortlich und parteipolitisch ungebunden.“
Ich bin Teil der deutschen Kultur und habe mich einige Male bemüht, meine künstlerischen Erfahrungen in den Goethe-Institutionen einzubringen. Meine Erfahrungen und Praxis sind breit gestreut: Satire, Karikatur, Fotografie, Malerei, Video. (ernstvolland.de).
Hier mein Bericht.
Anfang der 80er Jahre kam der Leiter des Goethe Institutes in Porto Alegre, Brasilien, Herr Scharff zu mir nach Berlin und fragte mich, ob ich Interesse hätte, in mehreren Goethe Instituten in Brasilen auszustellen und einen Workshop zu leiten. Ich war überrascht und erfreut über Besuch und Angebot, in fast allen Städten Brasiliens mit Goethe-Instituten auszustellen und Workshops zu leiten.
Trotz der Militärdiktatur oder vielleicht gerade deswegen arbeiteten einige interessante kritische Künstler in Brasilien und meine Kenntnisse über Satire und Fotomontage seien gefragt. Ich erklärte mich bereit, entwarf ein Exposé, während sich Herr Scharff um die Modalitäten kümmerte. Fünf Orte in dem riesigen Land waren geplant, darunter auch die Hauptstadt Brasilia. Die freundliche Leiterin aus Brasilia besuchte mich einige Wochen später ebenfalls in meinem Atelier und bekräftigte den Wunsch der Goethe Häuser in Brasilien, mit mir zusammen zu arbeiten. Ich war an dem Projekt sehr interessiert und über die Anfrage erfreut. Mir war bekannt, dass streikende Arbeiter hart mit Folter und Gefängnis verfolgt wurden, auch in großen deutschen Betrieben, wie Mercedes.
Ich sah mich als geeignetes kulturelles Kontrastprogramm der Bundesrepublik Deutschland. Nach einigen Monaten erreichte mich ein Brief von Herrn Scharff aus Brasilia mit der Information, weder Workshops noch Ausstellungen könnten realisiert werden, die Zentrale in München habe das Projekt nicht bewilligt. Eine wie auch geartete Begründung wurde nicht gegeben.
Goethe gab mir ein Jahr zuvor in Athen die Gelegenheit, meine kritischen Plakate auszustellen, was auf die Aktivitäten eines einzelnen zurückzuführen ist, dem Schriftsteller Hartmut Geerken, der dort arbeitete. Ich hängte etwa 25 Plakate auf. Der Institutsleiter schritt die Hängung ab und zeigte jeweils mit dem Finger auf ein Plakat. “Das muss ab, das muss ab, und das muss ab“. Von 25 Arbeiten wurden schließlich 15 genehmigt, 10 fielen der Zensur zum Opfer. Ich stand vor dem Problem, alles abzuhängen, mich nicht zensieren zu lassen oder den Rumpf der Ausstellung zu zeigen. Ich entschied mich für letzteres und fragte den Leiter nach den Kriterien der Abhängung. Er sagte nur kurz, „Was denken Sie, Ihre Ausstellung komplett und ich hätte morgen einen wütenden Außenminister Genscher im Haus.“
Griechenland Athen. Smog. 35 Grad. Ich lernte eine junge Frau mit einem Motorrad kennen. Sie zeigte mir die Stadt, das Meer, die Akropolis.
Im Laufe der Jahre erweiterte ich mein künstlerisches Programm, hielt mich auf Grund der negativen Erfahrung jedoch mit Kontakten und Angeboten zurück. Allerdings kamen von Seiten der Goethe-Institute auch keine Angebote. Ich beschäftigte mich intensiv mit Fotografie, gründete die Fotoagentur „Voller Ernst“, publizierte Bücher und malte mit Buntstiften, immer mit einem kritischen Kontext.
2009 bekam ich die Gelegenheit in der Zentrale der Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin meine Serie „Eingebrannte Bilder“ umfangreich zu zeigen. Sie basiert auf historischem Bildmaterial, vorwiegend sind es Ikonen aus der Geschichte der Fotografie. Ich verfremde Bild Ikonen, wie das schreiende nackte Mädchen, napalmverletzt in Vietnam oder das Portrait von Anne Franck durch Unschärfe und extreme Vergrößerung des Formats. Es geht um Erinnern, Fotografie, Wahrnehmung, Kunst.

Abb. 1 Ernst Volland, E9, Fotografie, 1997. 140 x 100 cm


Abb. 3 „Eingebrannte Bilder“. Katalog der Ausstellung Heinrich-Böll- Stiftung. 2009.
Die Kuratorin der Ausstellung in der Heinrich- Böll- Stiftung, Marianne Zepp, ging anschließend für die Böll-Stiftung fünf Jahre nach Israel.
Dort versuchte sie eine ähnliche Ausstellung zu realisieren, sie konnte mit Böll aber allein das Projekt nicht umsetzen und wollte daher das Goethe- Institut ins Boot holen, das jedoch kein Interesse zeigte.
Ich suchte Unterstützung von außen und fragte die beiden Direktoren des Deutschen Historischen Museums, Dieter Vorsteher und Hans Ottomeyer, ob sie sich für mich bei der Leitung von Goethe in Israel verwenden könnten, da sie gerade einige großformatige Bilder aus meiner Serie „Eingebrannte Bilder- E1-E9“ im Historischen Museum gezeigt und angekauft hatten. Sie schrieben eine Empfehlung, die bei Goethe in Tel Aviv nichts bewirkte.
Ich war schon seit langem aus persönlicher Motivation sehr an einer Ausstellung mit meinen Eingebrannten Bildern in Israel interessiert, ebenso an einer Ausstellung in Polen.
Es vergingen mehrere Jahre und nichts bewegte sich, bis ich Kontakt mit Franz Walter Steinmeier bekam, der sich des Problems annahm und einen Brief an den Chef aller Goethe-Institute schrieb, Herrn Lehmann, mit dem Tenor, Ernst Volland sei einer der bedeutendsten kritischen Künstler in Deutschland und es wäre auch im Sinne des Goethe-Institutes, als verlängerter kultureller Arm des Auswärtigen Amtes, dem Künstler Ernst Volland die Gelegenheit zu bieten, im Goethe Institut in Israel auszustellen. Herr Lehmann informierte den Leiter des Goethe Institutes in Israel, es passierte jedoch wieder nichts, bis kurze Zeit später ein neuer Institutsleiter aus Moskau nach Israel wechselte, Wolf Iro. Dieser war von meinem Projekt sehr angetan, besuchte mich in Berlin und die Ausstellung wurde endlich, im Museum on the Seam, Jerusalem mit einem Katalog gezeigt. Ich stellte künstlerisch bearbeite Ikonen aus Deutschland, Israel und Palästina aus.
Später wanderte die Ausstellung zum Fotofestival Tel Aviv. Zeitgleich bekam ich eine Einladung von der Hebrew University für einen Vortrag über meine künstlerischen Intentionen. Eine ganze Woche hielt ich mich in Israel auf, einen Tag davon im Westjordanland. Die schwierigen Vorbereitungen für diese Ausstellung dauerten sechs Jahre. Es hatte sich gelohnt.

Abb. 4 Katalog der Ausstellung „Ernst Volland- Embedded in Memory“. Museum on the Seam. Jerusalem 10.11. 2016 – 1.2. 2017
Teil 2 und 3 folgen.