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vonBlogwart 06.11.2013

taz Hausblog

Wie tickt die denn? Der Blog aus und über die taz mit Innenansichten, Kontroversen und aktuellen Entwicklungen.

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Nachdem wir heute die Stellenanzeige für ein Volontariat  auch auf der Facebook-Seite der taz gepostet hatten, kamen dort und in diversen emails empörte Kommentare über die niedrige Bezahlung von 903,15 EURO/Monat an:  „Beschämende Bezahlung!“ – „Als linke Tageszeitung sollten sie sich doch einen Stundenlohn überlegen, der über 5,39 liegt. (Berechnungsgrundlage: 903,15‚/ 4,35 Wochen / 38,5 Wochenstunden )“ – „Pure Ausbeutung… Das sollte sich kein Volo, der dort künftig arbeiten will, gefallen lassen“. So und so ähnlich lauteten die Kommentare – und sie scheinen verständlich, doch nur auf den ersten Blick und wenn man die taz nicht kennt. Als selbstverwalteter Betrieb haben sich die Mitarbeitenden der taz von Beginn an für sehr niedrige Gehälter entschieden, weil die Zeitung anders gar nicht machbar gewesen wäre. Die Gründergeneration verzichtete am Anfang zum Großteil oft völlig auf eine Bezahlung und finanzierte die Arbeit für das Projekt „tageszeitung“ durch nächtliches Taxifahren oder andere Nebenjobs, auch der dann bald eingeführte Einheitslohn von 800,00 und später 1000,00 D-Mark im Monat  war mehr als bescheiden – und trotz zahlreicher Lohnerhöhungen  in den verganenen Jahrzehnten sind die Gehälter im Hause taz auf diesem niedrigen Niveau geblieben. Denn anders wäre die Zeitung auch heute nicht machbar. Als auf der letzten Generalversammlung der taz-Genossenschaft die Forderung nach Tariflöhnen gestellt wurde, machte die Geschäftsleitung eine einfache Rechnung auf: derzeit liegen die Gehälter auf  etwa 2/3 der in der Branche üblichen Tarife. Bei Bezahlung des vollen Tariflohns müßten also entweder 1/3 der Belegschaft entlassen werden – oder 12.000 Abonnements hinzukommen. Da Ersteres nicht wünschenswert und Letzteres  kurzfristig unrealistisch ist, wird sich am Gehaltsniveau der taz also so bald nichts ändern. Weder für die Volontariate, noch für die Redaktion oder den Verlag – denn alle werden auf einem niedrigen Level entlohnt. Und dennoch arbeiten die meisten sehr gerne für die taz, weil das kleinere Geld durch größere Möglichkeiten, Freiheiten und ein einzigartiges Umfeld durchaus aufgewogen wird.

Siehe auch: Die Einnahmen und Ausgaben der taz

UPDATE: Da unterschiedliche Darstellungen im Internet kursieren und im Fernsehen geäußert werden, noch mal ganz deutlich:
Die taz zahlt etwa ein Drittel weniger als der Tarif für ZeitungsredakteurInnen beträgt (die Differenz hängt u.a. von der Zahl der Kinder ab, da gibt es Zuschläge). Dennoch zahlt die taz ihren MitarbeiterInnen (außer VolontärInnen) etwa das Doppelte des geplanten Mindestlohns von 8,50 Euro brutto pro Stunde.

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http://blogs.taz.de/hausblog/2013/11/06/die-niedrigen-gehaelter-der-taz/

aktuell auf taz.de

kommentare

  • Nee, sieht die taz auch ein, das manche Gegebenheiten einfach keinen höheren Lohn zu lassen. Endlich seht ihr das ein. Ein flächendeckender Mindestlohn mach die TAZ kaputt. Wo sind ihre Artikel gegen einen gesetzlichen Mindestlohn??? Nur Tarifpartner koennen den angemessenen Lohn definieren..

    • Hier geht es wohl um eine Voluntariatsstelle, also letztendlich noch um eine Ausbildungsstelle. Hierbei spielt dann – neben der finanziellen Vergütung – sicherlich auch eine Rolle, was kann ich danach mit der Ausbildung erreichen.

      Kai Schöneberg (s. link von Marcel), 43, war von 2001 bis 2003 bei der taz bremen und dann unser Niedersachsen-Korrespondent in Hannover. Seit 2009 ist er Redakteur bei der Financial Times Deutschland.

      Ich denke mal, hätte er sein Voluntariat bei dem „Musterstäder Tageblatt“ gemacht wäre er bei FTD nicht mal zum Vorstellungsgesrpäch geladen worden. Soviel ich mich erinnere gibt es da so einige ehmalige TAZ-Mitarbeiter für die die TAZ ein gutes Sprungbrett war.

      und zu „“Freiheiten und ein einzigartiges Umfeld” muss man sich erst einmal leisten können“. Scheint wohl doch so zu sein, dass man etwas erst dann schmerzlich vermisst wenn es nicht da ist.(s. besagter Link unter UPDATE):

      „Geld ist nicht alles im Leben: Kai Schöneberg ist seit Mai 2012 wieder bei der taz, als Leiter des Ressorts Wirtschaft & Umwelt.“

  • Wie gesagt es ist die Doppelmoral, denn differenzierte Artikel zum Mindestlohn liest man halt in der Taz selten..Es wird ja nicht nur der Taz so gehen sondern allen Wohlfahrtsverbänden und den Kirchen. Habe mic immer drüber geärgert, dass dieses Thema nie richtig in den Medien diskutiert wurde, sondern immer nur „Sie sind für einen flächendeckenden Mindestlohn oder Sie sind ein Arschloch“. Es gibt da uach kein richtig oder falsch, sondern beide Lösungen haben Gewinner und Verlierer, aber es wäre doch Auftrag der Medien gewesen gerade das mal herauszuarbeiten wer denn genau profitiert und wer eventuell auch verlieren könnte.

  • Wer die taz nicht irgendwie finanziell unterstützt und damit zum entsprechenden Budget beiträgt, sollte hier am besten ganz die Klappe halten. Irgendwo muss das Geld ja herkommen, oder?

    • wenn die taz mitarbeitende angemessen bezahlen würde, könnten die sich auch mal ne Zeitung kaufen und so die taz unterstützen – wer keine fairen löhne bezahlt braucht sich nicht wurden wenn keiner sich sein Produkt leistet/leisten kann

  • Die Verbrecher von der taz haben gefälligst Mindestlohn von mindestens 8,50 Euro, besser noch von 10 Euro pro Stunde zu zahlen. Und wenn sie dabei eingehen, dann ist das das Problem der taz und von sonst niemandem, dann muss man kreativ werden und überlegen, wo man das Geld hernimmt. So wie alle anderen Betriebe. Und was die soziale Relevanz der taz angeht: Wie arrogant ist das? Jeder Friseursalon und jede Dönerbude ist relevanter.

  • Soll wirklich eine Unternehmensphilosophie als Rechtfertigung für schlechte Bezahlung herhalten? Das Argument, es gäbe bei besserer Bezahlung weniger Arbeitsplätze ist mindestens so alt wie die Mindestlohndebatte. Die TAZ hat hier entgegen ihrer Stellungnahme keine Sonderstellung wegen der vermeintlichen gesellschaftspolitischen Bedeutung. Diese haben z.B. auch soziale Einrichtungen, die oftmals mit dem selben Argument schlecht bezahlen.
    Wenn man so denkt, soll man auch so ehrlich sein und offen und allgemeingültig gegen einen allgemeinen Mindestlohn eintreten. Alles andere ist bigott.

  • Das ist doch kein Problem. Bald gilt bundesweit der gesetzliche Mindestlohn, und dann sind der Ausbeutung – auch bei taz, der Böll-Stiftung, grünen Wahlkreisbüros, SPD-Beteiligungen und der Linken – Grenzen gesetzt. Endlich Gleichheit für alle!

    Noch ein Vorteil: Die taz muss in den Anzeigen keinen Lohn mehr nennen, weil automatisch 8,50 EUR gezahlt werden. Ich bin auf die ersten Mindestlohn-Verstöße und die Sanktionen der Behörden gegen die o.g. Organisationen gespannt. Ja, auch Gutmenschentum kann manchmal anstrengend sein, aber für eine gute Sache muss eben jede*R bluten.

  • Die Begründung ist absolut nachvollziehbar. Das einzige, das hier sauer aufstößt, ist die Doppelmoral. Die Zwänge der Realität gelten offenbar immer nur für einen selbst. ;) Und das Argument, die taz sei kein „Geschäftsmodell“ ist doch absurd, denn für die hauptberuflich Beschäftigten, die damit ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen, macht das ja nun keinen Unterschied.

  • 1000€ für ein Volontariat in einer bekannten Tageszeitung sind etwas wofür sich die meisten Literaturwissenschaftler (ja, die meisten von uns haben nach wie vor den P-Schein) die sprichwörtlichen Finger ablecken würden.

    Wer hier aufschreit hat die aktuellen Realitäten in Berlin und im Journalismus allgemein nicht mitbekommen und echauffiert sich auf Grund der Diskrepanz TAZ vs. eBoheme.

  • Allen, die hier Empörung heucheln, sollte gesagt sein, dass zwei Drittel vom Tarif in der Medienbranche fast schon fürstliches Gehalt darstellen. Nicht nur Volos (und Praktikanten?) – auch für Redakteure.
    Die taz muss wirtschaften. Und nur weil sich große Geldscheffel-Firmen ähnlich rausreden, heißt es noch lange nicht, dass die Begründung der taz unehrlich ist.

    Ein Gegenbeispiel: Der MDR – immerhin Profiteur der Rundfunkzwangsabgabe – zahlt seinen Volos nur 1000 Euro. Weiß jetzt nicht mehr ob brutto oder netto aber das ist bei der Summe ja unerheblich.

    Und? Wo bleibt da der Aufschrei?

  • Liebe taz,

    erstmal top, dass ihr euch der Diskussion stellt und der dargelegte Standpunkt ist auch sicherlich, vor allem aus Sicht der Zeitungsmacher ligitim. Dennoch macht ihr es euch ein wenig zu einfach, indem ihr bei der Darstellung der Optionen (entweder 1/3 der Belegschaft entlassen oder 12.000 Abonoments hinzugewinnen) ein wenig zu einfach, indem ihr eine weitere mögliche Option auslasst: Den Copy-Preis um 30% erhöhen, sicherlich nicht populär und nicht 1:1 umsetzbar aber gerade die Leserschaft der taz würde euch sicherlich bei einer begündeten Erhühung des Copy-Preises um ca. 15% nicht davon laufen.

    Grüße!

  • Wie sage linke Protagonisten des Mindestlohn immer, ein Geschäftsmodell, dass keine 8,5 € für den Mitarbeiter erwirtschaftet, hat keine Daseinsberechtigung. Scheint für die TAZ nicht zu gelten, denn hier setzt man sich ja für das „Gute“ ein, da kann man schon mal andere Maßstäbe anlegen.
    Merkt ihr eigentlich, welche Doppelmoral ihr da propagiert?

    • Natürlich ist die taz eben kein Geschäftsmodell. Bei einem geschäftsmodell geht es um Erzielung eines Gewinnes, das ist aber nicht der Zweck der taz. Von Doppelmoral kann also keine Rede sein.

      • Was ist denn das für eine billige Ausrede. Wenn diese Aussage das Finanzamt lließt, stuft es eure publizistische Tätigkeit wegen mangelnder Gewinnabsicht als Liebhaberei ein.
        Ihr haltet euch also wirklich für was Besseres in der Medienlandschaft!?

  • Macht es ganz einfach – legt die Einnahmen aus flattr und Eurem Taz-Zahl-Ich komplett auf die Bezahlung von Volontären und Praktikanten um, zusätzlich zum bisherigen Gehalt – dann kann jeder Leser selber entscheiden, wieviel die Volontäre und Praktikanten verdienen sollten.

  • Mit dieser Begründung kann sich jedes mittelgroße Unternehmen rausreden. Dort macht die Arbeit bestimmt auch Spaß und die Gründer haben meist vor langer Zeit auch mal ohne viel Geld angefangen, na und?
    Gerade die taz, die in solchen Fragen gegenüber Dritten regelmäßig keine Gnade kennt, sollte sich schämen.
    Es gibt durchaus auch noch andere Möglichkeiten als Leute rauszuwerfen, z.B. sind sicher auch die Anzeigenerlöse noch deutlich steigerbar. Immerhin ist die taz-Leserschaft intellektuell und wirtschaftlich eine hoch interessante Zielgruppe.

    Vermutlich haben manche Anzeigenkunden aber einfach kein Bock mehr auf das Blatt, weil sie schonmal für irgendwas redaktionell, auch gern sehr reißerisch und platt und manchmal einfach mies recherchiert irgendwas Ähnliches von den Redakteuren vorgeworfen bekommen haben.

    Da werden solche Begründungen wie die oben gerne genüsslich als Blabla und Schutzbehauptungen dargestellt.

    Diese Doppelmoral ist einfach nur zum kotzen.

  • Ist die Bezahlung jenseits von Gut und Böse? Ja. Gibt es eine praktikable Alternative? Nein. Ein Drittel der Leute entlassen und damit für die verbleibenden zwei Drittel einen Tariflohn anbieten, oder eben die Einnahmen auf magische Weise nach oben schrauben sind beides unsinnige Optionen. Auch als Linker muss man die Grundlagen der Betriebswirtschaft beherrschen, und ein Betrieb der entweder kein verkaufbares Produkt anbietet (weil zu wenige Redakteure angestellt sind) oder der dauerhaft Verluste macht (weil die höheren Löhne durch konstant bleibende Einnahmen nicht bezahlt werden können) ist eben kein Betrieb mehr, sondern sehr schnell Konkursmasse.

    Der Vergleich zu den Friseursalons passt hier nicht, denn die argumentieren ja damit dass ihre Konkurrenten ebenfalls billig seien. Wenn der Mindestlohn für alle gleiche Bedingungen schafft, den Leuten aber immer noch Haare wachsen, werden eben alle ihre Preise erhöhen.

    Was allerdings zur spannenden Frage führt: Was will die taz tun, wenn die Bundesregierung einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn einführt??

  • Die Leute, die diese Beschwerdemails geschrieben haben, sind wahrscheinlich diejenigen, die andererseits erwarten, im Internet kostenlos Qualitätsjournalismus zur Verfügung gestellt zu bekommen…

    • yeah… weil auch jeder Friseursalon, genau wie die taz, seine Hauptfunktion darin sieht, den zivilgesellschaftlichen Dialog zu födern, statt Geld zu verdienen… :-p

      Stellen wir demnächst Sportvereine an die Wand, weil sie Mitglieder für lau arbeiten lassen? Moderne Sklaverei praktisch?

      • das die taz mehr beiträgt zum „zivilgesellschaftlichen Dialog“ als Friseursalons, ist wohl frommes Wunschdenken. In letzteren findet deutlich mehr Kommunikation ab, freilich ungefiltert von den selbsternannten Förderern des „zivilgesellschaftlichen Dialogs“ …

  • Und wir wundern uns, daß ihr über unseren Haustarifstreit in der Verlagsgesellschaft Madsack (heute 32. Streiktag), ebenso wie die gesamte andere Presse, nicht berichtet.

    Eure Situation ist natürlich anders. Bei uns ist das Geld da. Die Rendite soll nur auf Wunsch der ddvg zweistellig sein, damit weiter eingekauft werden kann, und dafür muss man am Personal sparen oder dieses in tariffreie Zonen verschieben.

    • Es ist ein wenig billig, sich mit den eigenen Gründerjahren in einem anderen Jahrhundert herauszureden.

      Heutzutage reiht man sich mit zu niedrigen Löhnen ein in das System Merkel, das Spardiktat, den Exportimperialismus und Generation Leiharbeit.

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