vonandreas bull 17.11.2016

taz Hausblog

Wie tickt die taz? Das Blog aus der und über die taz mit Innenansichten, Kontroversen und aktuellen Entwicklungen.

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taz.zahl ich ist ein einzigartiges Instrument, über das ein aufgeklärtes Lesepublikum den beruflich betriebenen Journalismus der taz fördert. Es folgt damit der Erkenntnis, dass digital im Internet publizierte Artikel keinen marktfähigen Knappheitspreis erzielen und daher Redaktionen nicht über Einnahmen aus dem Verkauf ihrer Leistung finanziert werden können.

Wer Meinungsvielfalt und wirklich unabhängigen Journalismus für wichtig hält, aber kein regelmäßiges Zeitungsabonnement mehr möchte, kommt früher oder später nicht daran vorbei, mit einem Beitrag für taz.zahl ich dafür zu sorgen, dass taz-Journalismus im Internet zu lesen bleibt und mit seiner bedeutenden Reichweite weiterhin Einfluss auf Ergebnisse gesellschaftlicher Auseinandersetzungen nimmt. Ein ergonomisch komfortabler und möglichst barrierefreier Zugang zu den Angeboten auf der Internetseite ist dabei eine zwingend notwendige Voraussetzung.

Bisher haben wir die dazu notwendigen Aufgaben ganz gut erledigt. Innerhalb der letzten anderthalb Jahre hat sich die Zahl der regelmäßig über taz.zahl ich eingehenden Förderbeiträge von 1.500 auf jetzt über 8.500 vervielfacht. Damit konnten die hohen Aufwendungen in digitale Publikationstechnik und die immer geringeren Erträge aus dem klassischen Zeitungsgeschäft ausgeglichen werden. Und die Zustimmung steigt weiter, zuletzt zusätzlich angeregt durch die Konjunktur der aktuellen politischen Themen, zu denen die Lesenden zurecht etwas Besonderes von der taz erwarten.

Aber die Lesegewohnheiten vor allem der jüngeren Generation bringen auch hier Änderungsbedarf mit sich. Mittlerweile wird die Internetseite der taz schon von einem Drittel der Lesenden über m.taz.de auf dem Smartphone gelesen. Die Darstellung der journalistischen Texte haben unsere Programmierer*innen ja bereits der Topographie der kleinen Bildschirme angepasst.

Doch Funktionen wie die Formulare für taz.zahl ich, die sanften, aber unmissverständlichen Bildschirmelemente, die zur Entscheidung für die Bereitstellung eines regelmäßigen Förderbeitrags für den taz-Journalismus anregen, gibt es auf dem smartphone noch nicht zu sehen, geschweige denn komfortabel zu bedienen. Dabei sind Konzept und Design längst beschrieben. Allein, es fehlen die für die zügige Umsetzung notwendigen Ressourcen.

Die taz.app ist bereits als Open Source lizensiert

Bei vielen wichtigen Projekten digitaler Publikationstechnik ist es eine Ambition unserer Programmierer*innen, ihre Leistungen dem Gemeinwohl zur freien Nutzung anzubieten. Open source sollen die Finessen sein, die eine egalitäre Nutzung von Wissen – auch von dem von professionell arbeitenden Journalist*innen erzeugten – durch alle Wissbegierigen ermöglicht. Die von der taz oder im Auftrag der taz entwickelten Programme der taz.app für das komfortable Lesen des ePaper der taz auf Tablet-Computern und Smartphones sind daher bereits Open Source unter der  Lizenz Creative Commons„GNU public licence“  für die kostenfreie Weiternutzung durch andere Publizist*innen lizensiert.

Genauso soll es nun mit der Bezahlfunktion für taz.zahl ich auf den verschiedenen Smartphone – von Apple und den verschiedenen Anbietern mit Android-Betriebssystem – geschehen. Bis das allerdings abgearbeitet werden kann, könnte noch eine Weile, für unsere Bedürfnisse eine zu lange Weile, vergehen. Zu viele konkurrierende und unvermeidliche Prioritäten behindern den Fortschritt bei der Umsetzung unseres Projekts.

Tatsächlich wird es jetzt aber wohl ein bisschen schneller als befürchtet gehen: Aus dem DNI Innovation Fund, von dem ich dereinst argwöhnte, er zwinge den Verlagen durch „großzügige“ finanzielle Hilfe eine Google-kompatible Publikationsstrategie auf, erhält die taz für ihr Open-Source-Projekt taz.zahl ich eine bedingungslose Finanzspritze von 70% der Projektkosten.

Ob es Google mit solchen Werbemaßnahmen und ihren derzeit überall zu sehenden Anzeigeninsertionen gelingt, sein Image als unkontrollierbare Datenkrake in Europa zu verbessern, ist nicht zuletzt abhängig von dem aufgeklärten Bewusstsein, das durch unabhängigen Journalismus eine Chance hat, Geltung in der realen Physik der gesellschaftlichen Verhältnisse zu erwirken.

Andreas Bull ist Geschäftsführer der taz

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