28.02.2009 von Helmut Höge
Weil man mich immer mal wieder anpisst, selbst in einigen taz-blogs, hier nun auch mal was Gutes über mich – den Nachweis nämlich, dass ich sowohl meiner ersten politischen Bezugsgruppe (“Die soziale Revolution ist keine Parteisache”) als auch meiner letzten (der ostdeutschen Betriebsräteinitiative) treu geblieben bin, obwohl es beide nicht mehr gibt. Aufgefallen ist mir das aber eigentlich erst, als ich gestern einen Text für die Junge Welt schrieb – zum drohenden Glühbirnen-Verbot:
Das nahm ich persönlich: “It’s better to burn out than to fade away,” schrieb die taz-Online-Redakteurin unter das Photo einer brennenden Glühbirne, mit dem sie meinen Artikel über das Kartell der Elektrokonzerne (IEA) illustriert hatte. Es ging darin um die immer wieder von der IEA, mit Sitz in Pully bei Lausanne, verfügte Verkürzung der Lebensdauer ihrer Glühbirnen, um den Absatz zu erhöhen. Noch in den Zwanzigerjahren konnten Arbeiterhaushalte sich nur eine 15-Watt-Glühbirne leisten, die bloß für wenige… weiter lesen
17.02.2009 von Helmut Höge

Der Kairoer Hausmeister hat zur Begrünung dieser beiden von Stefanie Peter photographierten Tonnenpoller zwar kein Kleines Springkraut (s.u.) verwendet, sondern so etwas wie Yuccapalmen, die auch viel seltener gegossen werden müssen, aber so oder so kann man hierbei mit Fug und Recht von Hausmeisterkunst sprechen, denn diese zwei Poller zur Einfahrtsmarkierung hat er eigenhändig aus einer blauen alten Tonne gesägt, mit Erde gefüllt – und bepflanzt.
17.02.2009 von Helmut Höge
Bei der Begrünung der Ränder der Reichsautobahnen waren auch etliche Ökologen am Werk. Sie kamen überein, nur einheimische Pflanzen zu verwenden. Der schleswig-holsteinische Botaniker Reinhold Tüxen wollte gleich die ganze “deutsche Landschaft von unpassenden Fremdkörpern befreien,” wie Stephen Jay Gould in seinem Aufsatz über den “Begriff ‘einheimische Pflanzen’ aus Sicht der Evolution” schreibt. Heute heißt die “Fachgesellschaft für Vegetationskunde” nach Tüxen – dem “Vater der deutschen Pflanzensoziologie”. Zusammen mit einer Gruppe von Botanikern forderte er 1942 insbesondere Programme zur Ausrottung des angeblichen Eindringlings “Impatiens parviflora” und zog dabei ausdrücklich den Vergleich: “Wie beim Kampf gegen den Bolschewismus die gesamte abendländische Kultur auf dem Spiel steht, so steht mit dem Kampf gegen diesen mongolischen Eindringling ein wesentliches Element dieser Kultur, nämlich die Schönheit unserer heimatlichen Wälder, auf dem Spiel.”
Dieser mongolische Killer-Baum Impatiens parviflora erwies sich jedoch schon beim ersten Googeln als das harmlose Sibirische Springkraut, auch Kleines Springkraut genannt. Ihr… weiter lesen
17.02.2009 von Helmut Höge
“Der Mensch, dieser auf dem Rücken eines Tigers in Träumen hängende” – Unglückswurm. Was meinte Nietzsche damit? Philip Sarasins schreibt in seinem Buch “Darwin und Foucault”: Für Michel Foucault “ist die Evolutionstheorie eine Lehre, die den Menschen mit der ‘Realität des organischen Lebens’ versöhne, letztlich mit der banalen Tatsache des Todes, ihm aber auch die ‘Freiheit’ des Tieres ohne Anbindung an ‘die Wahrheit’ eröffne. Indem sie dem Menschen erlaubt, zu seinem animalischen Ursprung zurückzukehren.” Foucault hat sich dies auch ganz lebenspraktisch erlaubt.
Nietzsche “erträumte” sich jedoch den “Übermenschen” eher andersherum als letzten Ruck – zur Befreiung von allem Animalischen: Menschen, die nicht mehr auf Tigern reiten, die sich von der Natur emanzipiert haben, die alles, einschließlich sich selbst, verkunsten. Wir sind auf dem besten Weg dahin. Mit Hilfe des Darwinismus! Seine deutsche Staats-Variante darf zwar als gescheitert gelten, aber der angloamerikanischen privatwirtschaftlichen kann man gute Chancen einräumen. Die erste läßt… weiter lesen
16.02.2009 von Helmut Höge
Jetzt haben schon mehrere blog-leser einschließlich des Bildlieferanten Peter Grosse gefragt, wo bleiben die Bilder von Hausmeisterpollern? Ich kann mir diese Nachfragen nicht recht erklären: Andauernd stelle ich doch welche in den blog. Hier folgt jetzt eine ganze Serie von Kunstpollern, an denen der Haus- bzw. Hofmeister ein Wörtchen mitzureden hatte, mit einer Ausnahme (die Serie stammt von Peter Grosse):







12.02.2009 von Helmut Höge
In dem Reader “Konsum-Guerilla” konstatieren die Herausgeber, dass “Schnäppchenjäger” sich zu “Smart Shoppern” wandeln, während der “souveräne Konsum zur elementaren Bürgerpflicht” avanviert. Quer zu dem verhalte sich die “Konsum-Guerilla”. Dazu interviewten die Herausgeber u.a. den Kulturforscher Diedrich Diederichsen.
Er versteht unter “Konsumguerilla” 1. dass die Bedeutung von Produkten subversiv angegangen wird (das Hijacken von Logos und Zeichen), eine Idee, “an die aber heute keiner mehr recht glaubt”, weil “die Stabilität der Verhältnisse nicht so direkt von bestimmten Bedeutungskulturen abhängig ist. Mit solchen Praktiken ist man mittlerweile auf der Marktseite gelandet.” 2. dass Waren “etwas versprechen, was sie selbstverständlich nicht halten. Ich denke, das ist der Ansatzpunkt: Das Versprechen der Waren mobilisieren. Jedoch nicht auf deren Feld: Ich denke eigentlich, dass man dem Prinzip der Ware nicht mit alternativen Waren entgegentreten kann. Man muß auf der Ebene des Prinzips oder eben gegen es agieren.” Die “human hergestellte oder die besser… weiter lesen
12.02.2009 von Helmut Höge
Begleitveranstaltung zur Ausstellung: LE GRAND MAGASIN in
der Galerie im Saalbau Neukölln
Donnerstag, 19. Februar 2009, 20.00 Uhr, Ware als Kunst,
Diskussion
Marcel Duchamp signierte ein Pißbecken und stellte es,
“Fontäne” betitelt, als Kunst aus. Joseph Beuys
kritisierte daran später, dass er das Industrieprodukt
mit seiner Signatur von allen Produktionsbedingungen
isoliert habe. Andersherum kritisierte jetzt eine
Kunstkritikerin an der Ausstellung von
Genossenschaftsprodukten, dass man damit vielleicht
dem Genossenschaftsgedanken nütze, der Kunst jedoch
einen Bärendienst” erweise. Die Frage lautet also:
ist mit dem Projekt den Genossenschaften, ihren
Waren und/oder der Kunst gedient?
Diskussionsteilnehmer/innen:
Thomas Wulffen (Kurator, Kunstkritiker)
Sabine Vogel (Kunsthistorikerin, Kulturredakteurin
bei der Berliner Zeitung)
Stefanie Peter (Ethnologin, Kuratorin
deutsch-polnischer Kunstprojekte)
Konstantin Adamopoulos (Kurator, Kunstjournalist)
Ort:
Galerie im Saalbau, Karl-Marx-Straße 141,
12043 Berlin
12.02.2009 von Helmut Höge

Diese zwei Poller ließ zwar der Architekt des Museums Ludwig in Budapest setzen, aber im Winter macht der Oberhausmeister dieser Einrichtung an der Donau daraus, inspiriert von der modernen Kunst in seinem Gebäude und mithilfe eines Wasserschlauchs, Eisplastiken. Photo: Peter Grosse
12.02.2009 von Helmut Höge
Sogar die Junge Welt spielt im Darwinjahr das Darwinspiel mit. Aber während die bürgerlichen Zeitungen (Tagesspiegel und FAZ) jetzt – im Februar – schon bei Darwins Nachkommen angelangt sind (gibt es welche, wenn ja, wo leben sie und was tun sie?), hat JW-Redakteur Stefan Huth auf einen Text seines verstorbenen Freundes Georg Knepler zurückgegriffen, d.h. auf das erste Kapitel aus Georg Kneplers postum erschienenem Werk »Macht ohne Herrschaft. Die Realisierung einer Möglichkeit«. In dem Fragment gebliebenen Buch rekonstruiert der 2003 verstorbene Musikwissenschaftler und Historiker den Prozeß der Menschwerdung, der mit den großen Revolutionen des 18. Jahrhunderts eine neue Dynamik bekommen hat: Im Zentrum steht seither der Kampf um eine menschliche Gesellschaftsordnung:
Darwin hatte drei Jahrzehnte intensivster und in ganz verschiedene Bereiche der Naturwissenschaft führende Forschungen und Veröffentlichungen hinter sich, darunter ein zweibändiges Werk über barnacles (Seepocken oder Rankenfüßer), das ihn sieben Jahre lang beschäftigt hatte, eine Arbeit, an der… weiter lesen
12.02.2009 von Helmut Höge
Das neue Buch von Philipp Sarasin ist eines der wenigen anspruchsvollen Darwinensia, die in diesem jetzt schon nervenden “Darwinjahr” zuhauf über uns kommen – neben all den Sonderseiten und -sendungen, Konferenzen (im Hamburger Bahnhof), Ausstellungen (in Frankfurt/Main) und multimedialen Spektakeln (Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften). Und dann wartet Sarasin auch noch mit einer steilen These auf, wie man so sagt: “Foucault stammt von Darwin ab”, heißt es schon auf dem Klappentext. Damit das auch klappt, hat der Autor erst einmal Darwin von allem “Darwinismus” quasi gereinigt. Überraschend kommt dabei am Ende eine stimmige Darwin-Nietzsche-Foucault -”Chain of Being”, nein: Argumentationskette heraus.
Darwin hat Gott aus der Schöpfung vertrieben – 1. Voraussetzung. Die 2.: Er hat mit dem Begriff der “natürlichen Auslese” aus dem Sein (der Arten) ein permanentes Werden gemacht. “Der Ausdruck Art wird dadurch zu einer nutzlosen Abstraktion.” (Sarazin). Die dritte Voraussetzung ist, dass Darwin dieser Evolution per Zufall jedwegliche Höherentwicklung… weiter lesen