28.07.2009 von Helmut Höge

Improvisierte polnische Poller-Provokation (IMPOPOPRO) von einem Künstler aus Krakau, der allerdings nur noch in Umrissen hier zu erkennen ist. Photo: Peter Grosse
Sich verlieren/gewinnen
Mehr als zwei Millionen Polen suchen im westlichen Ausland Arbeit. Nicht wenige bleiben dort für immer. Viele Mitglieder seiner Gemeinde, die der Arbeit wegen nach Amerika auswanderten, kämen “in Metallsärgen zurück”, berichtete der Priester in Augustow einer Journalistin. Die “Saisonarbeiter”-Berichte und -Romane sind schon fast zu einem eigenen Genre in der polnischen Literatur geworden. Ganze Dörfer pendeln ins nahe Ausland. Die beliebte polnische Schriftstellerin Olga Tokarczuk ist nur noch auf Reisen.
Das Unterwegs-Sein ermöglicht ihr die “größtmögliche Annäherung an das, was unsere moderne Welt zu sein scheint: Bewegung und Instabilität.” Gleich zu Beginn ihres neuen Romans “Unrast” heißt es: “Meine erste Reise unternahm ich zu Fuß, quer über die Felder. Meine Abwesenheit wurde lange nicht bemerkt, und so kam ich ziemlich weit.” Inzwischen zählt sich… weiter lesen
27.07.2009 von Helmut Höge

Werbung einer schottischen Bank: “Immer eine sichere Anlage!”(*)
Im Folgenden zwei taz-Porträts von Berliner Bankangestellten. (**) Der eine wurde 1943 geboren, die andere 1973. Den ersten interviewte Gabriele Goettle, die zweite ich:
Der Kassierer
Manfred Zauter, Bankkassierer a. D. 1943 in Berlin geboren, Vater war Postbeamter, die Mutter Postangestellte. 1959 starb der Vater, er und seine Schwester wuchsen bei Großmutter und Mutter auf. 1959 Abschluss der Oberschule mit Klasse besonderer pädagogischer Prägung. Ausbildung bei der Bundespost, 1961 Übernahme ins Beamtenverhältnis, wechselte aber, trotz aller Sicherheiten, in die freie Wirtschaft und wurde 1970 bei der Berliner Volksbank als Kassierer eingestellt. Bis 1974 arbeitete er in einer Schöneberger Filiale am Wittenbergplatz. Danach in der Filiale Schlossstraße in Steglitz, wo er Erster Kassierer war, mit eigener Gelddisposition (Sorten-, Devisen- und Edelmetallhandel sowie Reisezahlungsmittel). Ab 2001 erfüllte er zudem Sonderaufgaben, u. a. als… weiter lesen
24.07.2009 von Helmut Höge
Jetzt, da ich wieder Aushilfshausmeister bin, fällt mir erneut auf, dass in der taz nur noch zwei alt-tazler während der Arbeit kiffen, alle anderen, wenn überhaupt, erst nach der Arbeit. Dazu kommt, dass sie abgesehen von den Praktikanten fast alle mehr als pünktlich Feierabend machen. Das Nichtkiffen im Dienst wie die Einführung eines regelrechten Feierabends in diesem selbstverwalteten Alternativbetrieb hat sich erst in den letzten Jahren eingeschlichen. Ersteres mit der Begründung – wenn man jemandem während der Arbeit einen Joint reicht: “Um Gottes willen, dann kann ich gar nicht mehr arbeiten!” Ähnlich wird eine Einladung zu einem Glas Rotwein am Vormittag kommentiert.
Auch diese veränderte Praktik verdankt sich der Anpassung an die Umwelt (das Schweinesystem drumherum) – und ist Ausdruck einer zunehmenden Trennung von Leidenschaft und Leistung (“wir müssen uns stärker professionalisieren!” “Ich seh das ganz leidenschaftslos!” – stehende Redewendungen).
Man sagt, der Motor hat eine Leistung von…Das ist der… weiter lesen
20.07.2009 von Helmut Höge
Dass der Tod von Michael Jackson (“Moonwalk”) und das Jubiläum der ersten Mondbegehung (Armstrong) zusammenfallen, ist natürlich ein schöner Zufall, aber dass die Medien sich seit Tagen wegen dieses “kleinen Schritts” auf dem Mond überschlagen ist mehr als dämlich.
Die NZZ schreibt heute: “Die Gründe für das wiedererwachte Interesse am Mond sind vielschichtig. Neben dem Ringen um die Vormachtstellung im Weltraum spielen handfeste wirtschaftliche Interessen – Stichwort Bodenschätze – eine Rolle. Auch die Wissenschaft meldet sich zu Wort und verweist darauf, dass der Mond trotz den Apollo-Missionen immer noch Rätsel aufgibt.
In den kommenden Monaten wird sich zeigen, ob Obama auch in der Raumfahrtpolitik neue Akzente zu setzen gedenkt. Dabei geht es nicht primär um die Frage, ob man zum Mond fliegen soll oder anderswohin. Entscheidend ist vielmehr, ob es Obama gelingt, eine Gesamtstrategie zu entwickeln, die auf breite Zustimmung stösst. Denn ohne gesellschaftliche Geschlossenheit rückt im Weltraum jedes… weiter lesen
14.07.2009 von Helmut Höge
Seit einigen Wochen sind die Intelligenzblätter voll mit Artikeln über Bauern. In diesem Sommer sind jedoch nicht deren Erntehelfer das Thema, da es wegen der Finanzkrise genügend Saisonarbeitskräfte aus dem In- und Ausland gibt, sondern die Milchbauern.
Darüberhinaus findet man lauter mehr oder weniger launische Texte über Kühe aus aller Welt. In der westfriesischen Hauptstadt Lieuwarden hat man auf dem Marktplatz der Kuh ein Denkmal gesetzt. Sie heißt “Us Mem” (Unsere Mutter). In Friesland lebte man lange Zeit vor allem von der Rinderzucht und dem Verkauf von Milchprodukten. In der niedersächsischen Gemeinde Emsbüren wurde vor einiger Zeit eine Ausstellung “Kühe find ich gut” eröffnet. “Die Kuhfladen sind das Fundament unserer Städte,” meinte der Kuhexperte Dr. Michael Brackmann in seiner Rede.
In Oldenburg wurde kürzlich unter 178 Kühen die schönste gekürt: Sieger wurde die Holstein-Frisian Kuh “Krista” aus der Zucht von Jörg Seeger aus Großenkneten. “Wir wollen schon Schönheiten, aber natürlich… weiter lesen
12.07.2009 von Helmut Höge
Auf dem ehemals französischen Flughafen in Gatow wurde am Sonntag eine Ausstellung über die Entwicklung des sowjetischen Kampfflugzeugs MiG 21 eröffnet. Der Berliner Kurier, der kürzlich noch groß vermeldet hatte, dass eine Mehrheit von Ostdeutschen sich die DDR zurückwünscht (ähnliches gilt auch für die Bevölkerung der ehemaligen Sowjetunion), titelte zu dieser Luftwaffenschau: “Nimm mich MiG auf die Reise…” Am Tag zuvor hatte die Junge Welt berichtet, dass laut einer kleinen Anfrage im Parlament über 50% der in Afghanistan kämpfenden Soldaten aus Ostdeutschland kommen. Was der Roten Armee nicht gelang, sollen sie nun, zusammen mit anderen westlichen Interventionstruppen, richten – die Vernichtung mindestens Eindämmung der Taliban. In der Gesamtbevölkerung beträgt der Anteil der Ostdeutschen bloß 20%. In einem Interview meinte die Freundin eines bei den “Krisen-Spezialkräften” in Calw ausgebildeten Nahkämpfers: Vor dem 11.9. hätten sie noch “manchmal für ein, zwei Stunden eine fast normale Beziehung” gehabt. Trotzdem halte sie weiter zu… weiter lesen
08.07.2009 von Helmut Höge
Die BI Gasometer meldet auf ihrer Webpage www.bi-gasometer.de:
Damit es am 08.07.2009 wenigstens eine Tischvorlage gibt, verschickt das BVV-Büro derzeit den Bericht zur “Abwägung” der Bürgerbeteiligung und eine Beschlussvorlage herum. Beides soll in der Sitzung des Stadtplanungsausschusses am 08.07.2009 durchgewunken und am darauf folgenden Mittwoch in der BVV mit den Stimmen von CDU, FDP und SPD beschlossen werden. Die fachliche und formale Qualität eines in solcher Eile erstellten bwägungsergebnis dürfte nicht von großer Qualität sein. Die übergangenen Einwender und Anwohner werden dagegen weiter politisch, zukünftig aber wohl auch juristisch vorgehen.
Die Dokumente sind bei uns (gepackt mit WinZip) zum Download erhältlich. Für inhaltliche Diskussionen mit den Damen und Herren Beschlussfassern dürfte es jetzt zu spät sein.
Zwar hatten wir und die Verwaltung nach mehr als 220 Einwendungen in der Bürgerbeteiligung dem “gut gelaunten” Stadtrat Bernd Krömer (CDU) das >Stopp-Schild gezeigt. Jedoch hindert dies den emsigen Stadtrat nicht daran, Beschlüsse… weiter lesen
03.07.2009 von Helmut Höge
Einladung
Anglerlatein & Seemannsgarn
Ausstellungseröffnung
8. Juli 2009 um 19 Uhr
Fischerstube Warnau, Havelweg 7, 39539 Havelberg OT Warnau
Die Ausstellung Anglerlatein & Seemannsgarn wird in der Fischerstube
eröffnet.
Das Lügenmuseum zeigt ehemals zensierte Objekte und Installationen zur
friedlichen Revolution 1989.
Die Fischerstube in Warnau und das Lügenmuseum präsentieren einen
gemeinsamen Werbeflyer.
Fischerstube Warnau, Havelweg 7, 39539 Havelberg OT Warnau
www.fischerstube-warnau.de/”>www.fischerstube-warnau.de,
Tel. 039382- 7377, “mailto:fischerstube@web.de”>fischerstube@web.de,
www.luegenmuseum.de/”>www.luegenmuseum.de, Tel. 033971 — 54782 mailto:info@luegenmuseum.de”>info@luegenmuseum.de

Noch mal zu der alten irischen Frage: “Was wäre der Mensch ohne Poller?” Photo: Peter Grosse

Fahnenpoller mit Bundeskanzlerin. Photo: Peter Grosse
03.07.2009 von Helmut Höge

Man möchte am Liebsten auswandern – und immer mehr Ostler tun das auch: Nicht weil sie hier keine Arbeit finden, sondern aus deutsch-deutschem Überdruß. Die Briefmarke erinnert – mit drei Pollern – an die irischen Emigrationswellen – seitdem die Engländer die Insel erobert haben. Photo: Peter Grosse.
In Westberlin sind die upper few immer noch ganz aus dem Häuschen – über den plötzlichen Sieg über den Kommunismus. Der Springerstiefelverlag meint, dass mit der Enttarnung des Benno-Ohnesorg-Mörders Kurras als Stasi-Spitzel nun sogar die Zeit reif ist, um selbst ein “Springer-Tribunal” zu veranstalten. Nicht um die eigene Konzern-Enteignung noch einmal auf die Tagesordnung zu setzen, sondern diesmal genau andersherum: um die “68er” und ihre ganzen Verbrechen noch einmal konzentriert vorzuführen. “Alle reden ständig über die Verbrechen der Stasi und der SED, aber keiner über die der Maoisten!” so ungefähr.
Diese Morgenröte der antikommunistischen Reaktion hat jetzt mit dem Einbruch des Neoliberalismus… weiter lesen
01.07.2009 von Helmut Höge

Poller töten! Diese Warnung kommt aus dem Regierungsviertel. Photo: Unbekannt.
Im Folgenden wieder mal ein Text, den kein Holzmedium wegdrucken wollte – über “soziale und solidarische Ökonomie”. Aktueller Anlaß, ihn hier in den blog zu stellen, ist die Veröffentlichung eines Buches von Friederike Habermann “Halbinseln gegen den Strom – Anders leben und wirtschaften im Alltag” (Verlag Ulrike Helmer).
Das Buch wird am 9.Juli abends in der Kreuzberger Kollektivkneipe “Tante Horst” von der Autorin vorgestellt, zusammen mit der Eröffnung einer Ausstellung des Ingenieurkünstlers Peter Schmidt über den neuesten Stand des Produktionsprozesses: “Die Große Maschine”.
Mit dem Begriff der “sozialen und solidarischen Ökonomie” ist eine wirtschaftliche Selbsthilfe in Form eines Gemeinschafts- oder Kollektivunternehmens gemeint, das sozialen oder anderen gemeinwesenbezogenen Zwecken dient und dessen Gewinne nicht privat angeeignet, sondern re-investiert werden.
Wird an dieser Ökonomie das “Soziale” betont, dann geht es in der Regel darum, Was gemacht wird, während beim… weiter lesen