31.08.2009 von Helmut Höge

Zwei norwegische Souvenir-Softpoller
Wieder zurück von einer Hausmeister-Tagung mit angeschlossener Aquavit-Verkostung in Südnorwegen – als quasi krönender Abschluß meiner diesjährigen Aushilfshausmeister-Saison (danach kommt nur noch eine kleine Wein-Verkostung für blogger in der bayrischen Rhön und eine schnelle Hausmeister-Wodkatour durch Westpolen) fand ich zwei “Probeexemplare” des Hausmeister-Zentralorgans “Der Facility Manager” auf meinem Schreibtisch vor. Leider mit einer (nicht zu knappen) Rechnung verbunden…
In meinem zweiten Zentralorgan (für Landarbeiter): dem altehrwürdigen Monatsheft “Der Säemann” (seit der Wende fusioniert mit dem IG-BAU-Zentralorgan “Das Fundament) durfte ich neulich einen Kommentar über Saisonarbeiter veröffentlichen – und seitdem bekomme ich das Heft umsonst.
Vielleicht gelingt mir ein derartiger “Coup” auch mit dem neuen Special-Interest-Mag “Der Facility Manager”…Im ersten mir zugeschickten FM-Heft fand ich einen Text von Professor Michaela Hellerforth mit dem Titel “Erhöht FM den Immobilienwert?” Diesen gab ich sofort der taz-geschäftsführung zu bedenken, vielleicht hilft es ihr, meine Aushilfstätigkeit angemessener zu “bewerten”…
Ansonsten fand… weiter lesen
25.08.2009 von Helmut Höge
Statt im Übergang von der Disziplinar- zur Kontrollgesellschaft immer nur darüber zu klagen, dass die Überwachung zunimmt – also immer mehr Telefongespräche abgehört, Briefe sowie Emails kontrolliert und öffentliche Orte unter Videobeobachtung gestellt werden, fangen die Bürger selbst an zu überwachen…
Hier richtet einer seine Videokameras als Vogelhäuschen getarnt in die Fenster seiner Nachbarin, die gerne nackt herumläuft. Dort bohrt einer ein Loch in seinen Fußboden und nimmt die nächtlichen Gespräche des unter ihm wohnenden und sich mit Schweinischen Wörtern erregenden Ehepaars auf. Immer beliebter wird bei zunehmendem Mobbing auch das Abhören von Kollegen-Gesprächen mittels zweier Handys. Solch eine Neugier stößt nicht immer auf Gegenliebe.
Als zwei FU-Studentinnen beschlossen, ihre Abschlußarbeit im Fach “Kommunikation” über “Gespräche am Nebentisch” zu schreiben, bat ich sie, vorher ein paar Tage im Berliner Nobellokal “Borchardts” zu üben – und anschließend was darüber zu schreiben. Bevor das geschah, veröffentlichte ich eine kurze Bemerkung über ihr… weiter lesen
24.08.2009 von Helmut Höge
Die FAZ meldet heute:
Jia Pingwas Werk erscheint in China!
Der chinesische Schriftstellerverlag hat eine vom Autor bearbeitete Fassung des Romans “Verlassene Hauptstadt” von Jia Pingwa veröffentlicht, der vor sechzehn Jahren wegen “vulgären Stils und pornographischer Beschreibungen” verboten worden war. Das Buch erzählt die Geschichte eines Großstadtintellektuellen, die von Kritikern als Gesamtpanorama von Alltag, Institutionen und existentiellen Nöten der chinesischen Gegenwart gefeiert worden war. Im Blick der Zensoren und weiter Teile des Publikums dagegen wurde der Originaltitel “Feidu” wegen der amourösen Abenteuer des Helden zu einem Synonym für Anrüchigkeit. Nach dem Verbot sollen zwölf Millionen Raubkopien des Buchs verkauft worden sein; Softporno-Heftchen benutzten den populären Romantitel für ihren eigenen Umschlag. Die neue Version behält die Zensur der Erstveröffentlichung bei; die als anzüglich inkriminierten Stellen, die früher durch schwarze Kästchen unter Angabe der Zahl der getilgten Zeichen gekennzeichnet waren, sind jetzt durch diskrete Pünktchen ersetzt.
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23.08.2009 von Helmut Höge
Es gibt noch andere Sommer-Veranstaltungen in Brandenburg – außer zum Mauerbau und Mauerfall…
Vorbemerkung:
Nach der Gründung des Staates Israel kamen verstärkt jüdische Einwanderer ins Land. Sie wurden in ihren Herkunftländern buchstäblich freigekauft. Bulgarien und Rumänien z.B. verlangten 1000 Dollar pro Kopf. Viele wurden in palästinensische bzw. arabische Dörfer angesiedelt, deren Bevölkerung man zuvor vertrieben hatte oder die geflohen waren. Die meisten jüdischen Neusiedler hatten jedoch “keine Ahnung, wie sie das Land, das man ihnen zugeteilt hatte, kultivieren und was sie mit dem Vieh und Geflügel anfangen sollten, das man ihnen gegeben hatte,” schreibt der israelische Historiker Tom Segev. In der Knesset erklärte David Ben-Gurion 1950 warum:
“Früher haben wir einen Einwanderer erst nach jahrelangem Training ins Land gebracht. Wir hatten auf der ganzen Welt Pionierhöfe gegründet, und dort behielten wir die Pioniere mehrere Jahre lang, damit sie sich auf das Leben und die Arbeit vorbereiteten und die Sprache und… weiter lesen
23.08.2009 von Helmut Höge
“Volker, schau auf diese Stadt!” (Ernst Reuter)
Volker heißt heute meist Pedro – und gehört zu jenen Konsumtouristen, die alljährlich millionenfach in der Toplocation “Berlin” einfallen. Für die nächsten vierzig Jahre müssen die Eingeborenen sich nun die Frage gefallen lassen: “Wo war hier die Mauer?” Die clevere taz veröffentlicht dazu gerade eine Serie “Mauer-Spaziergänge”. 1987 waren schon einmal zwei Amiirre die ganze Mauer abgegangen und hatten alle Sprüche auf dem 162-Kilometerring abgeschrieben. Ihre Ausbeute hatte die taz dann ebenfalls weggedruckt. Seit 1999 gibt es diese und andere “Mauerkunst” auch auf einer CD-ROM.
Vor 89 karrten täglich 50 Busse die Touristen an die Mauer, für antikommunistische Politiker aus aller Welt war sie eine beliebte Kranzabwurfstelle. Heute, da sie abgebaut und segmentweise in alle Welt verscherbelt wurde, gibt es idiotischerweise noch weitaus mehr Mauertouristen. Abgesehen von der Wiederauffrischung der peinlichen “East-Side”-Mauerkunst, den noch peinlicheren Einfällen der ukrainischen Mauermuseums-Leiterin am und… weiter lesen
20.08.2009 von Helmut Höge
Die Akteur-Netzwerk-Theorie (ANT) scheint besonders für Bürgerinitiativen (BIs) was herzugeben. Geht es der ANT doch nicht nur darum, den nicht-menschlichen Wesen Bürgerrechte (Sitz und Stimme in Basisparlamenten) einzuräumen, sondern auch den Artefakten. An zwei BIs, die sich gegen eine bestimmte Artefakt-Verplanung wenden, wurde das hier im blog bereits mehrmals versucht, deutlich zu machen: an der BI Groß Köris, die gegen die Trassierung der Ostsee-Pipeline kämpft, die mitten durch die Vorgärten der Dorfbewohner führen soll sowie gegen eine riesige Verdichterstation, die direkt hinter dem Dorf gebaut werden soll. Und an der BI Gasometer – bei der es um den denkmalgeschützten Gasometer in Schöneberg geht, aus dem inklusive des Parks drumherum der schon mehrfach unangenehm aufgefallene Westberliner Investor Reinhard Müller eine private Energie-Uni (EUREF) nebst Hotel machen will. Obwohl die sozialdemokratischen Bezirkspolitiker das gigantomanische Bau-Projekt bereits abgenickt haben, ist es noch nicht in trockenen Tüchern, wie man dort im Rathaus zu sagen… weiter lesen
20.08.2009 von Helmut Höge
Vor einigen Wochen wurde hier ein Dialog zweier Punker vor dem Kaiser’s Supermarkt am Kreuzberger “Kotti” zitiert: “‘Mensch, du siehst aus, als hätte dich die Schweinegrippe erwischt!’ ‘Quatsch, Schweinegrippe kriegen nur Leute, die an das Schweinesystem glauben.”
Wie z.B. der armselige Kreuzberger FDP-Kandidat, der sich mit dem Slogan “Leistung muß sich lohnen!” zur Bundestagswahl aufstellen ließ. Übrigens auch am “Kotti”.
Darum geht es hier aber gar nicht, sondern um zwei taz-Artikel über die Schweinegrippe. In ihnen befaßt sich die Autorin Katja Schmidt mit dem Impfstoff dagegen – und zwar einmal unkritisch und einmal kritisch. Seltsamerweise letzteres zuerst.
Das Geschäft mit der Grippe (19.8.09)
BERLIN taz | Dass die Schweinegrippe-Impfung ein gutes Geschäft für die Pharmaindustrie wird, bezweifelt wohl niemand. Weltweit platzieren Regierungen ihre Bestellungen. In den Verhandlungen über Mengen, Lieferzeiträume und Preise sitzen ihnen etliche Riesen der Branche gegenüber. Der Kunde Staat muss abwägen: Bestelle ich früh und mit… weiter lesen
18.08.2009 von Helmut Höge
Es mehren sich Texte über Krieg und Tiere. Gerade erschien das Tagebuch eines US-Soldaten über Vögel im Irak, denen er dort als Birdwatcher nachstellte. Überhaupt scheinen hierzulande den Medien und Verlagen die Tiere im arabischen Strafraum mehr als die Menschen am Herzen zu liegen…
“Der Tod des einäugigen Löwen Marjan im Zoo der afghanischen Hauptstadt Kabul hat Tierfreunde in aller Welt erschüttert. Er hatte die Invasion der Sowjetunion, den Bürgerkrieg, die Taliban und zuletzt die US-Bombenangriffe überlebt. Das Tier kam 1974 mit Hilfe des Kölner Zoos nach Kabul. Als vor einiger Zeit ein Taliban-Kämpfer in den Käfig kletterte, um seine Tapferkeit zu beweisen, fraß Marjan ihn. Der Bruder des Taliban warf daraufhin eine Granate auf ihn, weshalb er am Ende halb blind und lahm sein Dasein fristete. Marjan starb am Montag an Nierenversagen.” (Spiegel)
“Zu seiner ausgestopften Giraffe auf der documenta , erklärte der österreichische Künstler Peter Friedl, dass sie… weiter lesen
17.08.2009 von Helmut Höge
In der neuen Ausgabe des Schweizer Edelmagazins “Du”, das der “Herrin der Schöpfung” gewidmet ist, findet sich ein Interview mit Bruno Latour über seinen akteurnetzwerktheoretischen Ansatz einer neuen politischen Ökologie – mit dem Titel “Die Bäume haben das Wort”.
Zum selben Thema hatte ihn zuvor bereits “Die Zeit” interviewt – hier hieß der Titel: “Die Kühe haben das Wort”. Dieses Interview findet sich in Teilen auch in meinem blog-eintrag: “Power to the Bauer! Und seinen Kühen?”
In der neuen Ausgabe der Zeitschrift “polar” – mit dem Heftschwerpunkt “Wie leben” plädieren Bruno Latour und Émilie Hache in einem leider viel zu kurzen Beitrag ebenfalls dafür, auch mit nicht-menschlichen Wesen zu verhandeln, d.h. ihnen in Ausweitung der Errungenschaften der Französischen Revolution endlich Sitz und Stimme am Runden Tisch einzuräumen. Dies setzt allerdings eine Suspendierung der Dichotomie von Subjekt und Objekt, Natur und Kultur sowie von Faken und Fetische voraus, d.h. in gewisser… weiter lesen
13.08.2009 von Helmut Höge
Dieser Tage jährt sich zum 200. Mal der Untergang der im Mansfeldischen gegen die napoleonischen Truppen operierenden kleinen Partisanen-Truppe des preußischen Majors Ferdinand von Schill. Die Nazis benannten eine ihrer SS-Spezialkommandos nach ihm und die DDR setzte ihm – als einen der wenigen anständigen Preußen – ein Denkmal. Seine 1100 Mann, darunter etliche zwangsverpflichtete Landwehrmänner aus Rügen und schwedische Söldner, führte erst in der Gegend von Magdeburg einen Guerillakampf, verschanzte sich dann jedoch in der ehemaligen Festung Stralsund, die dann von den napoleonischen Truppen eingenommen wurde. Schill starb zusammen mit etwa 400 seiner Leute im Gefecht, ebenso vielen gelang die Flucht aus der Stadt, aber 569 gerieten in Gefangenschaft – und wurden von den Franzosen als Galeerensklaven vernutzt, 25 ließ Napoleon am 16.September 1809 erschießen.
Im nächsten Jahr wird es über Schill eine Ausstellung im “Preußen-Museum” Wesel geben, der Begleitband dazu, von Veit Veltzke, erschien bereits im Böhlau-Verlag Köln: “Für… weiter lesen