31.05.2011 von Helmut Höge

Hat der Kairo-Virus Paris erreicht? fragt sich die Süddeutsche Zeitung heute. Die Junge Welt berichtet aus Paris:
In Paris hat die französische Polizei am späten Sonntag abend ein von mehreren tausend Menschen nach spanischem Vorbild errichtetes Protestcamp geräumt. Obwohl sich die Teilnehmer der Aktion auf der Place de la Bastille im Zentrum der französischen Hauptstadt auf den Boden setzten, ihre Hände hoben und »Nein zur Gewalt« riefen, setzten die Beamten aus nächster Nähe Tränengas gegen die Protestierenden ein. Brutal wurden die untergehakten Demonstranten von den Polizisten aus den Reihen gerissen. Einige mußten sich mit auf den Rücken gefesselten Händen auf den Straßenboden legen. Im Internet veröffentlichte Videoaufnahmen zeigen zudem, wie Demonstranten noch im Gewahrsam der Polizei von Beamten getreten und geschlagen wurden.
Offizieller Grund für das gewaltsame Vorgehen war, daß die Kundgebung nur bis Sonntag abend um 20 Uhr genehmigt worden sei. Wenige Minuten danach begann der Aufmarsch der… weiter lesen
30.05.2011 von Helmut Höge

Pakistan. Photo: kybeline.com
Der Indien-Korrespondent der taz, Georg Blume, veröffentlichte heute einen Text über Pakistan, in dem es um die alte laizistische Intelligenz versus die neue religiöse geht. In den Achtzigerjahren hatte ich mal mit der linken Intelligenzija Istanbuls zu tun. Mangels gebildeter Mittelschicht landete man dort abends mit ihnen regelmäßig an irgendwelchen Hoteltischen – zusammen mit den Regierenden der Stadt, etwas, was einem hier gottlob nie passieren würde, schon gar nicht als Kommunist. Als die “Religiösen” an Boden gewannen, rang sich die kritische Intelligenz von Istanbul eine Selbstkritik ab: “Wir haben die Unterschicht zu lange ignoriert!” In der Tat zog es sie eher zu den Wohlhabenden und Klugen – am Liebsten aus dem Westen.
Hier der Artikel von Georg Blume aus der Männerstadt Peschawar:
Noch vor ein paar Tagen sprach der ehemalige pakistanische Viersternegeneral Mahmood Shah davon, wie sein Land mit dem Tod Osama bin Ladens umgehen müsse.… weiter lesen
29.05.2011 von Helmut Höge

Photo: chj.de
Bei der arabischen Frauenliteratur unterscheidet Sabry Hafez, ein in London lebender Spezialist für arabische Literatur, “feminine, feminist und female”, schreibt der Übersetzer Hartmut Fähndrich im Nachwort zum ägyptischen Roman “Atijas Schrein” von Salwa Bakr:
“Feminine ist diejenige Literatur, die ganz besonders am Anfang der Frauenliteratur verfaßt wurde, geschrieben von Frauen, die meist aus dem Finanzbürgertum oder der Aristokratie stammend, sich inhaltlich und formal ausschließlich an den existiefrenden ‘männlichen’ Mustern orientierten.” Fähndrich erwähnt als Beispiel die ägyptische Autorin Aischa al-Taimurija.
“Feminist bezeichnet die hauptsächlich am Inhalt orientierte Literatur, die sich gegen das negative Frauenbild, gegen die negative Frauenrolle stellt, wie sie sich in der Gesellschaft und in der Männerliteratur findet. Die Vertreterinnen dieser Tendenz stammen meist aus der Mittelklasse; viele sind Journalistinnen…” Als Beispiele nennt Fähndrich die gebürtige Syrerin Ghada Samman und die Ägypterin Nawal a-Saadawi.
“Female schliesslich soll die neueste Tendenz arabischer Frauenliteratur bezeichnen. Es ist die… weiter lesen
27.05.2011 von Helmut Höge

Der Berliner Chr.Links-Verlag veröffentlicht gerade ein Buch über “Die Arabische Revolution” – u.a. von Thomas Schmidt, der kürzlich für die Berliner Zeitung aus Libyen berichtet hatte.
Der Hamburger Laika-Verlag veröffentlicht eine ganze Reihe Texte der Pariser Gruppe Tiqqun:
“Gewalt”, “Totalitarismus”, “Willkommen in interessanten Zeiten”, “Anleitung zum Bürgerkrieg” und “Alles ist gescheitert, es lebe der Kommunismus”
Der Frankfurter Suhrkamp-Verlag veröffentlicht ein neues Buch von Eva Illouz: “Warum Liebe weh tut”
Die Kreuzberger Wochenzeitung “Jungle World” veröffentlichte gerade “Geschichten von der Revolution und dem Leben danach” – d.h. vier Porträts von Ägypterinnen, die sich am Aufstand auf dem Tahrir-Platz beteiligten von Juliana Schumacher:
1. Menna
Mit ihren alten Freunden hat sie sich gestritten. Denn sie sind gegen die Revolution, aber nicht aus politischen Gründen. »Seit das Militär die Ausgangssperre eingeführt hat, können sie nicht mehr die ganze Nacht ausgehen«, sagt Menna mit ernstem Gesicht. »Sie stammen alle aus unglaublich reichen Familien,… weiter lesen
26.05.2011 von Helmut Höge
“Ich glaube, dass das NEIN eines Einsamen zur Gewalt, das NEIN zur Unterdrückung, mit einer geheimnisvollen Ansteckung aufgeladen ist.” (André Malraux zu General de Gaulle)
“Das Recht, nach dem er im Orient gesucht hatte, ohne dass er sich dessen bewußt gewesen wäre, war das Recht auf Asyl.” (Jean-Francois Lyotard über André Malraux, der T.E. Lawrence nachahmte)
Die taz veröffentlichte heute ein Interview mit Slavoj Zizek über die Arabischen Aufstände:
taz: Herr Zizek, bei ihrem letzten Interview mit der taz haben sie gesagt, dass Sie keinen “Plan für eine neue Revolution” hätten. Angesichts der Revolutionen in Nordafrika und im Nahen Osten – fehlt Ihnen das Gespür für den revolutionären Moment?
Slavoj Zizek: Ich gebe zu, ich war überrascht. Aber das Neue kommt eben nie von dort her, wo man es erwarten würde. Wir haben einfach keine Theorien, um im Vorfeld zu urteilen. Noch kurz vor der Oktoberrevolution sagte Lenin:… weiter lesen
24.05.2011 von Helmut Höge
Auch Aufstände haben anscheinend einen Biorythmus. So dauerte der algerische Generalstreik im Januar 1957 8 Tage und auch die Aufstände in Algerien ab 1960 immer nur jeweils 8 Tage, weil die meisten Kämpfer Tagelöhner waren, die nicht länger auf Lohn verzichten konnten.
Der Spiegel schreibt über die jetzigen Arabischen Aufstände:
“Nach der Jasmin-Revolution in Tunesien und dem Sturz von Husni Mubarak in Ägypten sprang der Wunsch nach Reformen auf Libyen und andere Staaten der arabischen Welt über. Doch nun gerät die Protestbewegung ins Stocken.”
Auch die FAZ meint:
“Der erste Schwung der ‘Arabellion’ scheint erlahmt zu sein
Der Freiheitswille jener, die genug haben von ihren Dauer-Autokraten, wird trotzdem auf längere Sicht nicht nachlassen. Westliche Empathie und Unterstützung können zusätzlich dazu beitragen, dass der Wille, die alten Regime abzuschütteln, nicht erlahmt oder am Ende gar abstirbt.”
Begeistert ist dagegen der Madrider FAZ-Korrespondent von den jungen Protestierenden in Spanien:
“Spanien ist… weiter lesen
22.05.2011 von Helmut Höge

Terroristin. Photo: Katalog der Ausstellung “Global Fight Club – Aspects of Terror in Contemporary Art” im Kunsthaus Meinblau, Berlin Christinenstraße, erschienen im Verlag Distillery. Die Zeichnungen stammen von der italienischen Künstlerin Ivana Spinelli.
Erwähnt sei ferner der Katalog “Arabic Graffiti” des libanesischen Typographen Pascal Zoghbi. Es geht darin um die typografische Straßenkultur im mittleren Osten unter besonderer Berücksichtigung der derzeitigen Aufstands-Parolen. Der Katalog war Thema auf dem diesjährigen Typographie-Kongreß im Haus der Kulturen der Welt, der gestern zu Ende ging. Einige Arbeiten werden derzeit noch ausgestellt in der “Common Ground Gallery” Marienburger Straße. Erwähnt sei ferner, dass das sog. “Kulturkaufhaus Dussmann” in Berlin als erster Buchladen einen speziellen Tisch mit Arabischer Literatur aufgestellt hat.
Die Wochenend-Zeitungen, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und Spiegel, sind heute voll mit Artikeln über den IWF-Chef, der gerade über ein muslimisches Zimmermädchen “stolperte”. Der Spiegel argumentiert wie immer anthropologisch-reaktionär statt klassen-kämpferisch: “Es geht um die Frage,… weiter lesen
20.05.2011 von Helmut Höge
Den Schleier zerreißen
Bei dem Zimmermädchen im New Yorker Hotel Sofitel, dem mutmaßlichen Opfer des Vergewaltigungsversuchs von Dominique Strauss-Kahn, handelt es sich um eine 32jährige verwitwete Frau aus Guinea namens Nafissatou . Sie ist eine Muslima und trägt stets ein “islamisches Kopftuch”. Die in der Bronx lebende Mutter einer Tochter namens Dana wird von einer New Yorker Zeitung als zurückhaltend und tüchtig beschrieben. “Sie hat gute Manieren, sie ist still”, zitiert das Blatt einen ihrer Kollegen aus dem Hotel, ähnlich äußerte sich der Hoteldirektor über sie.
Ihr Bruder, Blake Diallo, gab am Mittwoch „Le Parisien“ ein Interview. Der 42-jährige Restaurantbesitzer sagte, dass er es für ausgeschlossen halte, dass seine Schwester dem IWF-Chef eine Falle stellen wollte: „Sie kannte ihn nicht. Meine Schwester ist unfähig, sich eine solche Geschichte auszudenken.“ Sie habe keine Ahnung von Politik, sie wisse nicht einmal, wer Bürgermeister von New York sei. „Sie ist eine ehrenwerte und… weiter lesen
19.05.2011 von Helmut Höge
“Den Vogel berühren, wenn er fliegt, ist das nichts?” (Ibn Hamdis, arabischer Dichter, Sizilien 1055-1133 n.Chr.)
“In Wirklichkeit hat der Wunsch, davonzufliegen, mich niemals verlassen.” (Assja Djebar, “Nirgendwo im Haus meines Vaters”, algerische Schriftstellerin , Paris, geboren 1936)
Es gibt so viele Romane von arabischen Frauen, die von arabischen Frauen handeln. Sind sie wirklich das historische Subjekt der Aufstände jetzt? Wobei es um das “Revolutionär-Werden” geht, nicht um die Revolution, die so oder so Scheiße endet – oder eben weiter geht: Werden schaffend. Irritierend ist, dass ihre Vorbilder und Vorstellungen, wie es sein sollte/müsste, aus dem Westen kommen, wo man auch mit “Demokratiehilfe” jetzt schnell bei der Hand ist. Obama will etliche Milliarden für “Umbruch in arabischer Welt” locker machen, verkünden heute dpa und die Intelligenzblätter. Auch auf einer Arabienkonferenz vorgestern bei der Friedrich-Ebert-Stiftung wurde den eingeladenen arabischen Intellektuellen die “Deutsche Demokratiehilfe” geradezu nahegelegt. Im Mehringhof machte man sich dagegen… weiter lesen
18.05.2011 von Helmut Höge
Gestern Abend fand im taz-café eine Veranstaltung über die Emanzipationskämpfe der Frauen in Afghanistan statt. Es diskutierten Rahima Housaini, von einer UNO-Organisation und Zubaida Akba von einer NGO sowie Monica Hauser von “Medica Mondiale” und die taz-Chefredakteurin Ines Pohl. Während die beiden jungen afghanischen Frauen Optimismus verbreiteten – es gehe voran, war Monica Hauser der Meinung, die Situation im Land werde immer schwieriger.
Ihre Organisation hatte dazu ein Positionspapier über die Situation der Frauen in Afghanistan erstellt:
“We were full of hope for a better future. And many of us have worked to improve the life of the women. But now it is getting more and more difficult each day to continue this work. It is quite simple: If the international community does not support us, then we are unable to continue. “
(Humaira Rasuli, Director of medica mondiale Afghanistan)
1. “Each day I live in fear” – The… weiter lesen